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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 353

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 353 (sequence 371)
Language
German
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Marmorstein, Beitr. z. Keligionsgesch. u. Volkskunde. 353 In einer Skizze einer alten Leichenrede mit dem Texte Ps. 116, 15 wird dieser Gedanke besonders ausgeführt. Einst sandte ein König einen Statthalter (DIS^K) in eine Stadt, und er verwaltete sein Amt in Gerechtigkeit. Nachdem seine Amtstätigkeit erfüllt war, wurde er in eine andere Stadt versetzt. Er wurde von beiden Städten gepriesen und belobt. So sendet Gott den Frommen in diese Welt, um seine Zeitgenossen zu leiten, und er führt sie in musterhafter Weise. Wenn er von dieser Welt scheidet, sind die Menschen sehr betrübt, denn so lange der Zadik unter ihnen weilt, hält er das Unheil, das der Welt droht, zurück1). In einem Jelamdenu- Fragment2) heißt es: Wenn eine Stadt gegen einen König sich auflehnt, so schickt er seine Legionen aus und sie töten die Guten wie die Schlechten; denn sie wissen nicht, wer königstreu geblieben und wer rebellisch gewesen; Gott hingegen verfährt ganz anders; selbst wenn das ganze Geschlecht ihn erzürnt und nur ein Frommer unter ihnen zu finden ist, so rettet der Fromme seine Zeitgenossen. R. Acha3) erweitert diesen Gedanken und sieht in den Frommen die Beherrscher Gottes. Im Seder Eliah rabba4) lesen wir: Wer herrscht über mich? Der Fromme; denn ich erlasse Befehle und er hebt sie auf. Im babylonischen Talmud5) werden diese Worte im Namen Rabs6) wie im Namen des Lehrers aus Caesarea, R. Abbahu, mitgeteilt7). Zur Zeit der Dürre wandte man sich an einzelne Fromme oder Gelehrte, die durch die Kraft ihrer Gebete veranlaßten, daß Regen die Erde befruchtete. Bekannt sind die Erzählungen über Choni ha-Meagel oder Abba Chilkijahu. Aber auch andere Tannaim und Amoräer standen im Rufe, durch ihr Gebet der Gemeinde zu helfen8). In der Erzählung von 1) M. Ps. 116, 7 ed. Buber 478. 2) Tanchuma zu Gen. 8, i. Jelamdenu, ed. Grünhut, Genesis 23a. 3) Agadath Bereschith c. 22, ed. Buber, p. 44. 4) c. 2, ed. Zolkiew 613, vgl. ed. Friedmann, p. 8. 5) b. Moed Katan 16 B. 6) 'iTia ^tm isnn ynzy nbsiom Vwn rr"npn nb -vm nböM nnao rrrn. 7) nbüstoi m->n ^rm -cniö p->*iB? biöTa ,onan bwn 8) 8. j. Taanith 66 c, b. Taanith 25 B, vgl. auch Marmorstein, The Doctrine of Merits, Index, s. v. rain. Grunwald, Jahrb. f. jüd.Volksk. II. 23

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