Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 369)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Helbo 1× ep/1004843
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352 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. Betenden oder Bittenden beistellt, wenn der Fromme ein gutes Wort für ihn einlegt) zukommt, brauche ich ja nur anzudeuten"1). Die rabbinische Agada, die einerseits von den volkskundlichen Schätzen ihrer Zeit bereichert worden ist, andererseits aber mit der ganzen Intensivität der Frömmigkeit und Religiosität ihrer Meister die primitiven Gedanken verfeinert und veredelt hat, mußte dieser Vorstellung ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Hier kommen zwei Lehrsätze der Agada besonders in Betracht. Erstens: Die göttlichen Beschlüsse, soweit sie zum Unheile oder Verderben des Einzelnen wie der Gesamtheit erlassen worden sind, können durch verschiedene Mittel aufgehoben werden. Krieg, Verheerung, Dürre, Verfolgungen, Krankheiten, Pest, Tod, Kinderlosigkeit können durch Buße, Fasten, Wohltun und Gebet bekämpft werden. Nebst diesen Mitteln wird noch die Wirksamkeit des Frommen hervorgehoben, der mit seinem inbrünstigen Flehen die Gemeinde von Tod und Plage befreien kann. Die Selichotdichter des Mittelalters wiederholen den Satz: Wir haben keinen Frommen unter uns, der für uns Fürsprache einlegen könnte2). Die Vorstellung ist agadisch, wie wir sofort beweisen werden. R. Josua erklärt diese Vorstellung mit einer Parabel. Der Freund des Königs hat eine Streitsache. Er geht und beklagt sich vor dem König (pl}^1? *f?n), da sagt der König: Wozu deine Klage, geh' hin und befiehl! So sagt auch Gott zu Moses: Warum schreist du zu mir? Sprich und ich werde es tun3). R. Berech ja, R. Chelbo und R. Ammi lehrten im Namen des R. Eleasar (Hai): Noch mehr!, selbst wenn ein Strafgericht über die Welt kommen soll, haben die Frommen die Kraft, dasselbe zu unterdrücken4). Ein anonymer Agadist5) beweist, daß die Frommen die Macht haben das göttliche Wort zu verändern. 1) Ilbeegs Neue Jahrbücher f. d. kl. Alt. 1921, 147. 2) Selichot, Amsterdam Dr. 21. VDn TJM ,D£tf Ö^n OSn: p*n:sn; Joseph ben Isaak (ibn Satanas), ibid. nr. 39. Dn:"noN nw roa Cirsn »yncn ^ttm 'rrt ^Tna hd -n-ns •y-ian von -na pIlM; vgl. ibid., nr. 60, u. a. St. 3) Exod. r. 21, 2. 4) Lev. r. 2, ö. 5) Deut. r. 10, 2, vgl. auch Lev. r. 36, 2.