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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 257

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 257 (sequence 272)
Language
German
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Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. 257 x) HDJ? „Es sagte R. Samuel b. Nachmani im Namen R. Jonathans: Jeder, der meint, Rüben habe gesündigt, irrt; denn es heißt, es waren die Söhne Jakobs 12; folglieh waren alle gleichwertig2); wie ist nun der Vers aufzufassen: und er beschlief Bilha, das Kebsweib seines Vaters? In der Weise, daß er das Lager seines Vaters verwirrt hatte3), die Bibel es ihm aber anrechnet, wie wenn er den coitus ausgeführt hätte." Wellhausen will in diesem Falle nicht mit Unrecht einen Anklang an das heidnisch-arabische Erbrecht der Söhne auf die Frauen der Väter finden und meint, Rüben, der den alten Vater bei Lebzeiten beerben will, stuprierte zum Zeichen dieser iü>- sicht dessen Frau4). Den Unzuchtsfall Amnons mit Tamar will ich, da er nicht nur im Koran sich nicht findet, sondern auch keiner der beiden Beteiligten darin genannt wird, nur streifen und nur die Erklärung des Talmuds anführen, wieso Tamar Amnon versichern konnte, „König David werde sie ihm sicher zur Frau geben"5), da doch beide Davids Kinder waren. Dieselbe geht darauf aus, Tamar als ein wohl von der Frau Davids, Maacha, jedoch vor ihrer Heirat mit David geborenes Mädchen hinzustellen, welches trotzdem als königliche Prinzessin am Hofe lebte6). Außer den Verboten der Verwandtenehen ist die Zahl der Eheverbote in Koran und Bibel gering. Parallel laufen Sure IV, 23 und Levit. XVIII, 20 mit dem Verbot verheirateter Frauen. Mohammed verbietet auch die Heidinnen vor ihrer Bekehrung zum Islam zur Ehe. Deuter. VII, 3 bringt ein ähnliches Verbot. Auf eigene Faust stiftet Mohammed ein weiteres, allerdings zeitlich beschränktes Eheverbot, wenn er jede der von ihm sexuell gebrauchten Weiber als Mutter der Gläubigen hinstellt7) und so seine geschiedenen und verwitweten Frauen als zur Heirat verboten erklärt. 1) Sabbath 55b. 2) Das angebliche Stuprum Rubens hatte keine Folgen. 3) Wohl bei ihr geschlafen, jedoch nicht mit ihr koitiert hatte. 4) Wellhausen, 1. c. S. 455. 5) II Sam. XIII, 13. 6) Sanhedr. 21 a mit Hinweis auf Jebam. 22 b. 7) S. XXXIII, 6. Grunwald, Jahrb. f. jtid. Volksk. II. 17

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