Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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172 Papo, Die sexuelle Ethik im Qorän. ganz auf andere Quellen angewiesen, die leider auch nicht allzu reichlich flössen. Von den Qor än-Kommentaren war mir nur einer, allerdings der bekannteste und verbreitetste, der des Abdallah al Baidhäwi zugänglich, der freilich tunlichst vollständig ausgenutzt wurde. Eine weitere Schwierigkeit zeigte sich in der Unmöglichkeit, speziell im Qorän sexuelle Ethik vom sexuellen praktischen Leben zu trennen, da dort diese beiden Momente teils ganz ineinander verschwimmen, teils in derartigem Kontrast zueinander stehen, daß die Ethik auch als solche fast ihre Existenzberechtigung verliert. Entsprechend dem Prinzip, in der Ethik eine vorschreibende Wissenschaft zu sehen, daß somit die bei einem Volke, einer Religionsgemeinschaft oder in einem Gesetzbuche zur Geltung kommende Ethik hauptsächlich durch die Behandlung der bei dem Volke herrschenden, durch die Religionsgemeinde gebotenen oder der im Gesetzbuche enthaltenen Vorschriften dargestellt werden kann, ist auch der größte Teil der vorliegenden Arbeit den diesbezüglichen qoranischen Gesetzen und ihren jüdischen Symmetrien gewidmet. Doch liegt sicherlich auch in jenem Teile einer Volksreligion, in welchem diese noch nicht zur Gesetzesfixierung herangereift war, vieles auch in das Gebiet der Ethik Fallendes, und so durfte denn auch der biblische Mythus und sein Wiederaufleuchten im Qorän keineswegs vernachlässigt werden. Ich habe in dieser Abhandlung fast keine Stelle unübersetzt gelassen. Veranlaßt hierzu sah ich mich durch das Interesse, welches einem über dieses Thema in medizinisch-sexualwissenschaftlichem Kreise gehaltenen Vortrage entgegengebracht wurde. Es mag denn auch wirklich möglich sein, daß auch anderen Fachgruppen Angehörende, die nicht über die nötigen philologischen Kenntnisse verfügen, Interesse hegen für die sexuelle Ethik Mohammeds und seiner Lehre und ihre Entwicklung aus den Quellen jenes Volkes, von welchem Heine behauptet: ,,Die Keuschheit der Juden ist vielleicht die Folge einer Opposition, die sie von jeher gegen jenen orientalischen Sinnen- und Sinnlichkeitsdienst bildeten . ..."