Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 182)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2659-2640033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Löwinger, Der Windgeist Keteb. Für den Wirbelwind spricht der Umstand, daß er sich dreht, daher auch galgal Rad heißt, daß er durch ein Sieb gesehen wird [mit VWfi] im Talmud ist nicht gemeint, er sehe aus wie ein Sieb, sondern: er wird gesehen in einem Sieb]. Auch das Motiv des Löffels findet sich im Volksglauben. Durch einen zur bestimmten Zeit gedrechselten Löffel, der mit einem Loche versehen ist, kann man die Hexen im Tempel erkennen1). Außer dem Talmud, wonach K. sich an entlegenen Orten aufzuhalten pflegt, gibt es auch einen Zeugen, der seinen üblen Geruch wahrnahm. All dies erklärt, daß Keteb ein personifizierter Wirbelwind ist, der in den heißen Sommertagen, besonders in den drei Trauerwochen, großen Schaden anrichtet. Im Volksmunde wird noch heute ein Aufruhr, Tumult, Lärm I^eteb m'rlri genannt. Während aber dieser allgemein als böser, schädigender Geist gilt, läßt Gh. J. D. Azulai in einem Gebete um Hilfe bitten gegen verleitende böse Geister, zu denen auch der ruach Keteb m'rirl gehört2). 1) Wuttke, Volksabergl. 258. Ztschr. f. österr. Volksk. 1896, II, 248- 2) umpn nitiS» 56b. [Zum Ganzen vgl. unser Jahrbuch 1923, 224. 476 und Boelsche, Die Mittagsgöttin. Grunwald.]