Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 173)
- Language
- German
- Belongs to
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Löwinger, Der Windgeist Keteb. 161 Abgesehen von der Zeitbestimmung, in welcher diese Dämonen ihr Unwesen treiben, ist besonders die Richtung ihrer Bewegung hervorzuheben. Der m'riri dreht sich im Kreise, wie ein Löffel in der Tunke, während der andere nur einen Halbkreis macht, indem er einem Ziegenhorn ähnlich ist und sich wie ein Sieb hin und her dreht. Auf die äußere Gestalt dieses Dämons legt der Talmud kein Gewicht. Während ihn der Midrasch mit einem Kalbskopf versieht, ihn mit lauter Augen, wie einen Argus, mit Haaren und Schuppen bedeckt sein läßt, gibt uns der Talmud im Ziegenhorn einen kleinen Anhaltspunkt, wodurch wir mit diesem Dämon in nähere Bekanntschaft treten können. Es handelt sich nämlich hier um einen Dämon, dem man sich in der Gestalt eines Ziegenbocks vorstellte, wie den Satyr der Griechen und Römer1). Tobia Cohen erzählt, es gebe eine Gattung Menschen, die zur Hälfte Böcke sind, Hörner haben und deren Ohren denen der Ziegen ähnlich sind. Manchmal gehen sie auf vier, manchmal auf zwei Füßen, haben gespaltene Klauen, springen mit Vorliebe, scherzen und sind unsittlich. Sie heißen Satyrn. Sie sind jenseits des Ganges zu finden, aber manche wollen sie in Äthiopien und Lysien wissen. Die Ägypter haben sie angebetet2). Daher heißt es in der h. Schrift (Lev. 17, 7): Sie sollen ihre Schlachtopfer nicht mehr den Böcken darbringen, denen sie nachbuhlen. An anderer Stelle wieder (Dt. 32,17): Sie opfern den Dämonen; deutlicher (Ps. 106, 37): Sie opferten ihre Söhne und Töchter den Dämonen3). Diese Böcke (s'Irim) sind aber Dämonen, die 1) Der Kalbskopf mit dem Horn an der Stirne ist Nachahmung des Ziegenbocks in der Vision Daniels 8, 5, der ein Horn zwischen den Augen hat. Es gibt einen Geist namens btt Kalb, der mit D"nn£ Tna"» aap identisch ist und dieser ließ aus dem Golde, das der Hohepriester Ahron ins Feuer warf, ein Kalb werden. Jalk. Chad. 29. 2) Ma'ße Tobia 78 *> Venedig. 3) Zu Dt. 32,17 D-Hlöb bemerkt Ibn Esra tnTJiüb TOD, d. h. es sind synonyme Ausdrücke, wie auch in demselben Verse Ü"W1Ö auf D^T^TD bezogen wird, s. Raschi z. St. Zu Ps. 106, 37 sagt wiederum Ibn Esra fcO^H rp32fi Dnattnto. Damit will er sagen, daß zu D'HC noch ein Wort, etwa böse zu ergänzen sei, da es auch gutartige Geister gibt, wie einer, der von R. Abba b. Doßai Hilfe verlangt gegen einen bösen Dämon, der ihn von seinem Besitze verdrängen will und sich rühmt; nie einem lebenden Wesen geschadet zu haben. Midr. tili. 20 Targ. Grunwald, Jahrb. d. jüd. Volksk. II. 11