Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul-Schiff, Teilnahme d. öst.-ung. Juden am Weltkrieg. 155 Ungarns wird man einwenden, daß die Offiziersverluste nicht maßgebend sind, daß hingegen die Verluste bei der jüdischen Mannschaft (worauf ich eingangs bereits hingewiesen habe), prozentuell unter der Bevölkerungsquote bleibt. Dies ist zweifellos richtig und findet seine Begründung hauptsächlich darin, daß die Juden nicht nur fast ausschließlich aus dem städtischen Kontigent1) stammen, sondern vor allem infolge des tiefen kulturellen und körperlich defekten Zustandes der galizischen Juden (welche das weit überwiegende Gros aller österreichischen Juden bildeten), eine starke Unterbeteiligung bei den Kombattanten zur Folge haben mußte. Sie ist andererseits wieder zum größeren Teil auf die höhere Intelligenz der Juden innerhalb der österr.-ungar. Bevölkerung und vor allem auf die Kenntnis der deutschen Sprache zurückzuführen. — Waren doch die Juden in den meisten, nicht-deutschen Territorien der Monarchie oft nicht nur die einzigen, welche die deutsche Dienstsprache beherrschten, sondern auch die einzigen, welche wegen ihrer Intelligenz und Berufszugehörigkeit für Kanzleiposten, besondere Verwendungen und den Etappendienst sich eigneten. Aus ähnlichen Gründen wurden jüdische Offiziere auf sehr wichtige Posten in den Zentralstellen — gewiß nicht aus Philosemitismus und ebenso gewiß nicht zum Schaden der Allgemeinheit — gesetzt. — Für die allgemeine Bedeutung, die die Juden als Kriegsteilnehmer gerade in Österreich hatten, stimme ich ganz der Ansicht SegalPs zu (August-Dezemberheft 1919, „Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden", pag. 119), welcher meint, daß dieser Frage „nicht jene so hohe Bedeutung beizumessen ist, die ihr im allgemeinen beigelegt wird". 1) R. E. May (Konfessionelle Militärstatistik, Ergänzungsheft 13 zum „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik". — Tübingen 1917) weist auf die Unterbeteiligung der Städter für den Heeresdienst in Deutschland hin, ebenso auf die Tatsache, daß der Anteil der Katholiken, wegen ihrer vorwiegend agrarischen Zugehörigkeit, relativ größer als bei den Protestanten ist. Er hebt ferner die Bedeutung des Aufenthalts im Auslande hervor, bei dem die Juden erheblicher beteiligt waren. Mays Ausführungen enthalten eine Reihe neuer Gesichtspunkte für jede konfessionelle, speziell jüdische Statistik und rechtfertigen viele Bedenken, die hinsichtlich der Richtigkeit letzterer für den Kenner vorhanden sind.