Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Wiesner, Etwas üb. Kinderlosigkeit u. Kinderreichtum usw. mitäten ist er schädlich. Zu meiden ist der Genuß von Salz,. flWIXU (eine eßbare Kleeart), flltM (Cuscuta) und alles, was. den Körper schwächt und die Seele deprimiert, wie Hunger, Trauer1). Auch Reisen sind dem Zwecke der Vermehrung abträglich2). Als eigentliches Medikament zum innern Gebrauche wird Saflorsame (Wim KDftTlp), pulverisiert und mit Wein vermengt, als bewährtes Mittel empfohlen. Von diesem Mittel sagt ein Lehrer, daß er es an sich selbst mit dem überraschendsten Erfolge erprobt hatte3). Bei Frauen kamen außer Arzneimittel (pOD)4), deren Beschaffenheit nicht angegeben wird, auch noch die sogenannten sympathetischen Kuren zur Anwendung. Von diesen wird das Amulett (jPDp) erwähnt, welches den vermeintlichen Zauber, der auf der Unfruchtbaren lastet, unwirksam machen soll. Manche Frau trug zu diesem Zwecke den Blutstein (Hematis)5). Daß der Glaube an göttliche Hilfe eine große Rolle spielte, und vom Gebete eine wunderbare Wendung des Schicksals der Kinderlosigkeit erwartet wurde, ist bereits mehrfach erwähnt worden und erscheint bei dem religiösen Charakter des jüdischen Volkes als selbstverständlich. Die lange Unfruchtbarkeit der Stammütter deutet ein Lehrer als Zeichen der Liebe, weil Gott ihr Gebet zu hören begehrte6). Nur dadurch, daß sich die Gebete Jakobs, Leas und der Mägde mit dem eigenen Gebete Rachels vereinigten, wurde 1) Gittin 70 a vergl. Erubin 28 a. 2) Gen. r. 39,11. Vergl. Kethuboth 65 a und Gittin 70 a. 3) Gittin 70 a. 4) Levit. r. 9, 9. 5) Gen. r. 45,2 rons «*n Diö>n. Von allen Lesarten und Erklärungsversuchen scheint mir die vonPREUSS (Bibl. Talm. Medizin, S. 479) am annehmbarsten, der nach Exod. r. 38, 8 ]VDiD*n-Blutstein (s. Aruch s. v.) gelesen hat. Zur Verhütung des Abortus, wissen wir von anderer Stelle (Sabbath 66b), trugen die Frauen den nöipn pa, Adlerstein (Aetites); so mochte auch zum Schutze gegen Verzauberung der )Vüwn Dit^n ,,Blutstein" getragen worden sein. Nach dieser Lesart entspricht der DiD^n der ynp die gleichfalls getragen wurde, und jede weitere Korrektur des Wortes erscheint unnötig. 6) Schir. r. zu 11,14, Tanchuma S. 33b.