Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Grrunwald, Zur Geschichte der Marranen. sich dem Risiko und Unannehmlichkeiten der Belagerungen aussetzen mögen. Sie haben sich erst in Neuwied angeboten, endlich sich aber ins Mainzische gewendet, mit dem Vorsatz dorten Fabriken anzulegen. Sie sollen einen Fonds von ein paar Millionen mitgebracht und ihr Kapital dem Domstift zu 2 y2 pCt. angeboten haben. Wenn Sie doch erfahren könnten was sie für Fabriken anlegen wollen. Sollte es nicht möglich sein, diesen Leuten Lust zur Verteilung zu machen, so daß (sie) sich etwas davon weiter nach Deutschland z. B. nach Thüringen wagten? Geben Sie sich doch Mühe, an die Kerls zu kommen und machen Sie doch, wenn's möglich ist, daß wir etwas davon her bekommen. Die außerordentlich gute, viele und wohlfeile Wolle, die bei uns gezogen und noch nicht nach Möglichkeit gebraucht wird, wäre eine herrliche Gelegenheit, wodurch die Juden auch bei uns ihre Gelder gut verwenden könnten . . .." Merck antwortet, worauf mich Herr Stadtbibliothekar Dr. H. Heidenheimer, Mainz, aufmerksam machte, am 1. Febr. dess. Jahres (J. H. Mercks Briefe an die Herzogin-Mutter Anna Amalia und an den Herzog Carl August von Sachsen-Weimar, hrsg. von H. G. Graf, Lpz. 1911, S. 169 fg.): „Die Juden von Mahon und Gibraltar sind wieder weg und haben indessen nicht mehr denn 64 m remittirt, aber noch nichts in Höchst angebaut. Das Gerücht sagte von 2 Millionen, die sie ins Land bringen wolten. Aber man weiß nichts gewisses. Da Mahon und Gibraltar nun Englisch bleiben, fällt die Furcht für der Inquisition weg, und sie werden wohl nicht wiederkommen.4' Am 2. Juni d. J. fragt der Herzog: „Haben Sie gar nichts wieder von den Juden aus Gibraltar gehört?U1) 1) Für die damals landläufige Auffassung vom Juden bezeichnend ist u. a. die Bemerkung Wielands in einem Briefe an Merck vom 27. Okt. 1783 (S. 403): „Der reisende Teutschfranzos, der mich als einen so armseligen Juden abschildert, der bei Allem, was er geschrieben, bloß auf den Beute' der Leser Absicht gehabt hat" .. .