Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 466 (sequence 470)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638083-2638084--2454-2639828- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
460 Grunwald, Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals. Der Weltenherr hält L., das personifizierte unbändige Meer (1. c. 52), an der Kette und spielt mit ihm, wie der Knabe mit der Taube, die er am Bande ein Stückchen fliegen läßt1). Läßt er ein wenig locker, so dringt L. gegen das Land vor, das ur? sprünglich, als Domäne des Behemoth, Wüste war, und es gibt Überschwemmung2). Schließlich zerschlägt Gott die Köpfe des L., er holt das Wasserungetüm aus den Fluten heraus und schleudert es aufs trockene Land, wo es hilflos ist. Nun fließen die Ströme wie Öl (Ez. 32, i3f.), das Meer heller als Silber (Ps. 68, i). In der rabbinischen Überlieferung wird im Anschluß an Jes. 27, wo vom Töten zweier Livjathane, dem „fliegenden" und dem „gewundenen" (vgl. Midgarschlange) die Rede ist, ausführlich (B. bathr. 74b) vom L. gehandelt. Am fünften Schöpfungstage wurden ein männlicher und ein weiblicher L. geschaffen, letzterer jedoch, da bei beiden die Welt nicht hätte bestehen können, sogleich von Gott getötet, sein Fleisch eingesalzen und als Speise für die Gerechten aufbewahrt. Nach anderen ist auch Behemoth, obwohl Landtier, am 5. Tage geschaffen worden. Nach Henoch 60,7 ff. bewohnt B., als Männchen, die Wüste, L., als Weibchen, den Meeresabgrund. Nach Targ. Jon. zu 1. Mose 1, 21 sind beide bereitet auf den Tag der Tröstung (Volz 351). Hier ist L. immer ein Fisch. [Der Fuß des siebenarmigen Leuchters an dem Titusbogen (s. das Titelbild dieses Jahrbuches) weist auf der unteren Stufe Figuren auf, die offenbar Seeungetüme darstellen sollen und an die Hippokampen der Phönizier erinnern, vgl. den Meergeist Kynospaston (Gunkel 1. c), vorn Pferd und hinten Fisch (vgl. Plinius Nat. hist. 24, 74), auf römischen Altertümern. Erwägt man, daß die Menora den Weltenbaum Straße als „Nethibath theben" (Strohstraße) erinnert an die Riesenschlange, die (Ned. 25 a, Schebuoth 29 b, eine Riesenschlange auch Schern, r. 24) 13 mit Stroh gefüllte Ställe verschlingt. „Ställe" heißen die Abschnitte, in die von den Chaldäern die Scharen des gestirnten Himmels eingeteilt wurden, vgl. Jennings, Rosenkreuzer 1,148; 13 ist die Zahl der Monate. Überdie Himmelsschlange s. auch Maim. MoreII,31, Nork I, 212 (über den Augiasstall 1. c. 248). 1) Hi. 40, 29, noch heute arab. Kinderspiel in Palästina. 2) Auch Ebbe und Flut.