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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 412

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 412 (sequence 416)
Language
German
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406 Grunwald, Berufe der Juden. kund . . . Heulet, Bewohner der Küste!" „Ist dies Aliza, die uralte Stadt? Fahre hin, Tochter Sidons, nach Kittim, auch dort wirst du keine Ruhe finden. Die Ghaldäer zerstören es. Nach siebzig Jahren wird es aber auferstehen als Dienerin Gottes." Diesen an sich dunklen Worten liegen folgende Vorgänge zugrunde. Sanherib eroberte nach fünfjähriger Belagerung Tyrus. Die Bevölkerung floh nach dem gegenüberliegenden Gypern, das in der Bibel nach dem Hauptort Kition (Ghittim 1. Maccab. 1, i ist Mazedonien, Odyssee 1, 521 Ky)t:slo; in Mysien) benannt wird. Aliza war augenscheinlich auch ein Name für Tyrus. Wir finden ihn wieder als Bezeichnung der Nordküste des von den Phöniziern kolonisierten Sizilien sowie in dem Namen Elisas1), der Schwester Didos, der Gründerin Karthagos. Aber auch Gypern wird von Nebukadnezer erobert, und nun wenden sich die einstigen Flüchtlinge aus Tyrus nach dem fernen Westen und gründen dort, als „neue Stadt" Karthchadascht2), Karthago. Diesem Sachverhalt entspricht es auch, daß sich — wenn nicht die oben berührte mit dem Namen Hiram aus der Zeit Salomos stammen sollte — vor dem 8. Jahrhundert keine phönizischen Inschriften aus Gypern, vor dem 6. keine in Karthago finden. Was nun Tarschisch anbetrifft, so ist darunter, wie die Septuaginta zumeist übersetzen, „die See"3), die Meeresküste mit ihren phönizischen Ansiedlungen zu verstehen. Wir finden, daß die Phönizier oder später die Karthager, wie Ri. 1, 26 Zur, wie die Engländer, Deutschen usw. in überseeischen Kolonien, verschiedenen Ortschaften denselben Namen gaben, wie ja auch wir verschiedene Städte namens Neustadt, Hall, Frankfurt usw. zu unterscheiden haben4). So scheint in den Hesperiden, die in der Sage von Herkules eine Rolle spielen, das phönizische „Separad" vorzuliegen, was so viel wie „Grenzland", nämlich den äußersten Westen bedeuten würde. Unter 1) Daher Elysium, vgl. M. Mieses in „Hamicpe" 1918 (s. auch 1909). 2) In Zadrakartha (Kiepert) vielleicht atdriQog? 3) Targ. Jes. 60,19 „jamma" wohl, wie Spinner „Oest. Wchnschr." 1913, vermutet, Pontus. Z. Ganzen Slouschz, Arch. Maroc. XIV u. s. 4) Vgl. auch Riessler, wo lag das Paradies? S. 408.

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