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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1923-01-01 · Jahrbuch (1923) · p. Seite 387

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1923
Issue
Jahrbuch (1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 387 (sequence 391)
Language
German
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Grunwald, Jüdische Mystik. 381 Kann somit der Mensch kosmisch und geistig schöpferisch wirken, so steht der vollkommene Mensch, der Zaddik, der „Gerechte", nicht nur den höheren Mächten gleich, er steht über den Engeln, die jeder nur für eine bestimmte Mission geschaffen sind, während der Mensch in allen Zeiten und Räumen und nach allen Richtungen zu wirken vermag. Er vor allem „webt der Gottheit lebendiges Kleid". Ohne ihn wäre, wie die Kabbala sagt, Gott arm und ohne Kleid. Der edle Mensch ist, nach talmudischer Anschauung, der Mitarbeiter (schuththaf) Gottes beim Werke der Schöpfung. Unter sämtlichen bisher bekannten Religionen und Philosophien gibt es nicht eine, die der menschlichen Willensfreiheit einen so unermeßlichen Spielraum einräumte, in der die Macht der sittlichen Kraft so hoch geschätzt und die Würde des Menschen so hoch gestellt würde, wie es die Kabbala tut, wie sie es tut, indem sie Satz für Satz aus dem jüdischen Schrifttum belegt. Und wenn es im Talmud heißt: „Wer einen Menschen tötet, zerstört eine ganze Welt" oder, um wieder Worte aus dem „Faust" zu gebrauchen: „Weh, weh, du hast sie zerstört die schöne Welt mit mächtiger Faust", so gewinnt, im Lichte der Kabbala betrachtet, dieser Gedanke einen tieferen Sinn. Der Mensch ist nicht nur wirklich eine Welt, eine Welt im kleinen, ein Mikrokosmos. Auch in der Welt im großen steht er im Mittelpunkt. Wie nun die Menschenseele, der höchsten Sphäre, der un- 89), vgl. „Aus Hausapotheke" (oben), Nr. 6. — Daß die beständige Veränderung der Dinge von 7 Sternen abhängt, ist eine auf babylonischen Ursprung zurückgehende, u. a. auch im Sabismus (in Gharan, siehe unten: Abraham und Jakob) vertretene Anschauung (vgl. Wohlstein, Dämonenbeschwörungen, 40). Die 7 Wandelsterne bilden „die vermittelnde Ursache bei dem Hervorbringen und Schaffen, bei der Verwandlung der Dinge, sie rufen die Kraft von der göttlichen heiligen Majestät zu Hilfe und lassen sie auf die niederen Existenzen herabkommen" (Haarbrücker, Schahrastani II, 5fg.). Man sieht hier den Zusammenhang mit der Kabbala. Zu der Zahl 9 in Beschwörungen ist noch das Sefer ha-chassidim, § 1146 (bei WOHLSTEIN, 1. c. 44) zu vergleichen, wo davor gewarnt wird, wenn man von Dämonen Schaden erlitten, vor Ablauf von neun Tagen darüber zu reden. Nur innerhalb der Zahlen 1—9 räumt die Kabbala den Dämonen Macht ein. Über 7: ZDMG. 57, 474; 66, 421, Hess. Volksk. XIII, 132.

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