Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 341)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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332« Bamberger, Aus meiner Minhagimsammelmappe. Tagesanbruch des Wochenfestes statt. Um das Kind vor dem Anblicke unreiner und störender Dinge zu schützen, deckte man es sorgfältig zu. Der Lehrer nahm das Kind auf seinen Schoß und sagte ihm die Sätze vor: „Das Gesetz, das uns Moses geboten, ist ein Erbteil der Jakobsgemeinde", „Die Thora sei meine Beschäftigung4', „Er (Gott) rief Moses". Das Kind bekam dann einen Honigkuchen, auf dem die Worte Jesajas 50, 4. 5. standen: „Gott, der Herr hat mir eine Zunge für Lehrlinge gegeben, daß ich es verstehe, den Müden zu stärken mit dem Worte: er erweckt an jeglichem Morgen, erweckt mir das Ohr gleich Lehrlingen zu horchen; Gott, der Herr hat mir das Ohr geöffnet, und ich sträube mich nicht, weiche nicht". Hierauf bekam er ein gekochtes Ei, auf dessen Schale der Vers III 3 aus Ezechiel stand: „Er sprach zu mir: Menschensohn nähre Deinen Bauch und fülle Deinen Leib mit dieser Rolle, die ich Dir gebe. Ich aß und sie war in meinem Munde so süß wie Honig". Beide Verse mußte der Knabe dem Lehrer Wort für Wort nachsprechen, worauf er Kuchen und Ei zum Essen bekam1). Früher schrieb man Engelnamen und Amulette auf diesen Kuchen. Die Zahl der Kuchen und Eier war nicht überall dieselbe; an manchen Orten bekam das Kind drei und dazu noch Äpfel2). Wenn diese Minhagim im großen und ganzen auch verschwunden sind, begegnet man ihnen doch noch hie und da in chassidischen Kreisen in Galizien und Polen. 1) Kolbo a. a. O., Zunz, Zur Geschichte S. 168. 2) Zunz 1. c.