Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 263)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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254 Grunwald, Aus meiner Liedersammlung. 26. Betrachten wir einmal pessach! trinken sie jajin nessech (unerlaubten Wein). Sie suchen sich Wein zu arba kajses (vier Becher), der Saft soll ihnen kleben an die pojses (Mäuler). 27. Wer sagt schon mehr die haggode? weil k'ho lachmo ist kein pariser Mode. Jetzt schreit man nur zum Mädel: „Bring herein die Knödel i" 28. Wo seht man schon macces schmire (besondere maccot), man zählt schon leider keine sfire (Zählen der Tage zwischen Pessach und Schabuot). den Kittel lasst man schon beiseit, man sagt, ein schwarzer Rock ist ein schöneres Kleid. 29. Da kommt sich dawiderum schwues, kochen sie milchige schemues. Jetzt esst man schon keine Käskreplech, weil das Weib muss sich machen die Zöplech. 30. Den schwues halten sie noch am geringsten, weil er gefallt gewenlich am Pfingsten. Putzen sie sich auf im höchsten Grad und machen zwischen die gojim Promenad. 31. Aber sukkes (die Laubhütten) thun sie schon zieren, weil sie müssen a bissei gefrieren, dann kommt wiederum einer und sagt'n: „Die Hütte schaut aus, wie bei ein Zigeuner." 32. Erew rausch chaudesch elul pflegt es ihnen zu geroten, dass sie nicht kommen zu jomkippur koten (Gottesdienst), lieber sind sie bei alle riches (böse Geister) und kommen nicht zu sliches (Gebete). 33. Vorher war eine fromme k'hille (Gemeinde), haben sie gern gehabt a schenen baal tefille (Vorbeter), jetzt giebt es menschen an 'aucar (Menge), die es geben für ein Groschen den ganzen jaucer (Gebet). 34. rausch haschonoh, wo man soll dawenen mit k'wonoh (Andacht), kommt sich mancher kojfer (Gottesleugner) und fresst vor t'kies schojfer (Schofarblasen).