Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 259)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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250 Grunwald, Aus meiner Liedersammlung. „Unterführer" und anderer Verwandten und Freunde zur Trauung in die Synagoge ging und von da nach beendigter Trauung zum Hochzeitsschmause sich begab. Ein solches Chuppelied in der Form eines Volksliedes ist folgendes: hPjt 2 J 1 f f—1 *-f= »TO tt 1 * *—1-1- 'n i H: 1. Der Cho - sen die Kai - le zur Chup - pe tut 2. Hättsch d'r dei Kü - we - le schnee - wei - ßer gei ^—t füh - re, de Cho - sen und die Kai - le mit Ho - nig ver - schmiere! riwe, wärscht noch a Johr bei dei - ner Mem - me ge - bliwe! i fc^ s l.u.2. Schrei hin, schrei her! 'sisch al - les nix * mehr! s'jung Wei - we - le mußt du doch sein. Hier haben wir das wahre echte Volkslied mit unbefangenem, schalkhaftem Ausdrucke. Die Hochzeitsgäste sind gekommen, um Braut und Bräutigam mit Honig zu schmieren, d. h. sie mit honigsüßen Redensarten zu empfangen und zu unterhalten, um sie gegenseitig begehrenswerter erscheinen zu lassen. Weiter kommt der scherzhafte Gedanke, die Braut müsse jetzt deshalb in die Ehe treten, gewissermaßen als Strafe dafür, weil sie den Kübel (Putzeimer) in der Küche nicht weiß genug gerieben habe. — Die Melodie zeigt große Ähnlichkeit mit jener des bekannten Volksliedes: „Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten", das mir aus der Studentenzeit noch in den Ohren klingt. Der Chuppenigun wird auch jetzt noch häufig am Purim vom Vorsänger dem Satze unterlegt, der vom Aufhängen Hamans berichtet, und war derart verbreitet, daß ein bekanntes Witzwort daraus entstand. Eine Frau nämlich, deren Tochter schon anfing, in jene Jahre zu kommen, wo