Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 243)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Grunwald, Aus meiner Liedersammlung. jüd. Bristach (Brusttuch), ein schmales, farbiges Seidenstück (auch mit Goldstickerei), oben an der Halskrause, unten am Gürtel befestigt. — Jubitze poln. jupica, ein jüdischer langer Mantel. — Tschuhai== russ. tsuga, tsugaj, eine Art Frauenwams. (Frdl. Mitt. des Herrn Dr. A. Landau, der auch bemerkt, daß das jüd. Ratsimar poln. ratsymor, franz. Ras de St. Maure [Übergang von den glatten zu den gemusterten Seidenstoffen] bes. nach Rußland und Polen geliefert.) Nach Eliakum Zunser's Autobiographie (Newyork 1905) 35 ff. war die Kleidung der russischen Juden vor dem bekannten Ukas Nicolaus I. „gemacht geworen nach dem asiatischen Muster. Der Unterrock von die Männer is gewen a „Zupice", a Min (Art) lange Kapote, wos hot gegreicht bis der Erd, mit a Pass (Einfassung) von Samt arum Hals un hot sich gezogen über die Latzm un über die Polles bis unten. Der ojberster Beged (Kleid) hot geheissen „Kube" (Q-v-b-') bei die einfache und gemeine Ba'ale battim; bei die reiche Jachssanim (aus guter Familie) un' Lomdim (Gelehrte) hot derselbiger Beged geheissen „Delje". Dos is gewen a Min Beged, wos seine Arbel (Ärmel) hoben gegreicht bis der Erd un' wos seinen von dem Träger keinmol nit ongethon (aufgerafft) geworen; sie hoben sich nor nochgebammelt, wie zwei Flügeln von a kranken Gans. Hitlen seinen gewen ai pi row (zumeist) gemacht von Futter un' Pelz, ober von verschiedene Formes un Namen. Es seinen gewen „Eierhitlen", „Schtreimelach", „Chabadnizes", „Breitlach", „Halbe Lewono-Hitlen" un noch andere, ober jeder Klass Jiden hot sich gehot sein eigene Hitel. A Ben-Thauro (Gelehrter) l'mosehol (z. B.) hot tomid (stets) getragen a Schtreimel, a Chossid — a Chabadnize, der proster Ojlem (einfache Leute) hot getrogen die andere Sorten Hitlen. Die Tachtanim (Unterkleid) seinen tomid gewen von gelen Nanking, ganz kurze un* zugebunden mit Bändlach über die Socken. Von Stiefel hot men damolt noch nit gewusst, men hot getrogen Pantoffel oder Schich (Schuhe) beschlogen mit grosse Zwecken. Jeden Freitag, wenn men pflegt gehn in Merchoz (Bad), pflegt men sich losen obgloben (abrasieren) die Kepp lekowed Schabbos. Men pflegt nor überlosen apoor lange Pees (Schläfenlocken) Die „Mehadrim" pflegen trogen zu zwei Pees auf jeder Seit Ponim (Antlitz); die Frauen, afillu (sogar) die ganz junge, pflegen auch gehn mit gegolte (rasierte) Kepp. Sie pflegen trogen a Heibel mit a Schleier kunzig (kunstvoll) ausgeschleiert un von ojben a Patscheile mit a grojsen Knepp von vornt. Auf n Leib pflegen sei trogen a „Leibel" mit a „Zaleschke* von vornt auf n Harzen, kurze Pantoffel mit hojche Korkes (Absätze). Gor von ojben hoben sei getrogen a weisse Leilach (Tuch), wos hot gegreicht bis der Erd. Von vornt pflegt der Leilach zugespillewet (zugesteckt) weren mit a Spilke^ (Nadel) unter der Morde (Kinn). Es seinen auch gewen noch andere wilde Formen von Kleider un sei senen damolt verheiligt gewen ..." Serak ist (sericon) Seide, Fej Eichhörnchen.