Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 205)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Aus Hausapotheke und Hexenküche. 197 Oder (96b) schreibe deinen und seinen Namen auf ein Brotstück oder einen Apfel und sieh zu, daß er davon ißt. 91. p. 64. Liebe zu gewinnen: nimm Haare der betreffenden Person1) (wenn nicht zu erlangen, wenigstens Fäden aus 1) Fbazeb (The Golden Bough I, 1 p. 54) unterscheidet drei Arten der Magie, die sympathetische, die homoeopathische und die contagiöse, d. h. durch Verbindung mit dem Gegenstand des Zaubers wirksame. Die erste besteht darin, daß man die Figur des zu Yerzaubernden graphisch oder plastisch darstellt und mit diesem Bilde dem Verfahren unterzieht, das man dem Original zudenkt. Diese von Frazer a. a. O. mit Beispielen aus aller Welt belegte Zauberei, besonders mit Wachsfiguren, läßt sich bis nach dem alten Ägypten und Babylon zurückverfolgen. Das Exekutieren eines Verurteilten in effigie, das in der Praxis der Inquisition eine ganz besondere Rolle spielte, beruht auf derselben Anschauung. Lehrreich ist hierfür das von J. Klapper in den Mitteil. d. Schles. Ges. f. Vlkskde. XXI, S. 63if. veröffentlichte „Aberglaubenverzeichnis des Anton in von Florenz". War doch gerade Italien, wie auch die italienische Herkunft unseres und vieler anderer ähnlicher Manuskripte beweist, ein Herd magischer Praktiken. Antouin's „Summula confessorum" enthält ein Beichtregister oder vielmehr eine Zusammenstellung der Fragen, die dem Beichtenden vorgelegt werden sollen. Klapper verweist auf ältere Quellen, die mit Augustin beginnen. Als Todsünden u. dergl. werden bezeichnet: Anrufung böser Geister durch Zauberei, AnbetUDg des Neumondes usw.; Horoskopie, Fatalismus; Wahrsagen aus der Beobachtung von Vögeln, aus dem Knistern des Feuers, aus Spiegeln oder Bechern; Verwendung von Menstrualblut; magische Mittel, einen Dieb zu entdecken, etwas Geheimes zu erfahren, in die Zukunft zu blicken; Loszauber und Bibliomantie; Chiromantie; Mittel gegen den bösen Blick; Glaube an die Verwandlung von Weibern in Katzen und Blutsaugerinnen; Tagwählerei; (Nr. 32) „Hast du am Neujahrstage im Bett Feigen mit Honig gegessen oder dir einen lebenden Fisch bringen lassen? (33) Lichtzauber; eine gewisse Beschwörung gegen Krankheiten; Amuletteschreiben insbesondere auf Jungfernpergament usw. Auf den ersten Blick erkennt man in dieser Zusammenstellung Verwandtschaft mit dem Inhalt unserer Zauberrezepte. So die Becherweissagung (vgl. Raschi zu Gen. 42,14; kam von den Babyloniern zu den Juden (s. Daiches a. a. 0.), Persern, Griechen und Römern, vgl. auch Augustin und Cornelius Agrippas „De occulta phylosophia* (bei Klapper). Hierhin gehört. das Bleigießen, das aus griechischer Überlieferung abgeleitet wird, sowie das Kotabos (jüdisch: Ketowes). Zu dem Kristallsehen mit Hilfe geweihter Spiegel usw. vgl. Kroll a. a. 0., Necromantie, Chiromantie, Angang d. i. Begegnung mit gewissen Wesen (auch Juden: Klapper 87), vgl. Megilla 27/28 (Anblick eines bösen Menschen verkürzt das Leben), linken Schuh zuerst