Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 202)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 Grunwald, Aus Hausapotheke und Hexenküche. nommen, so schreibe auf den Stein die Namen derer, die Du entzweien willst und wirf ihn zwischen sie. 75. p. 82b. Die Praxis mit dem Dornstrauch (pe'ullath ha-seneh1), Wünschelrute?). Um den wahren Sachverhalt zu den Himmel oder den Himmelsmantel oder die Sonne bedeutet. Es ist die Vermutung nicht abzuweisen, daß der Magen-David in der jüdischen Magie die Stelle des Heraklesschildes einnimmt. Er würde in dieser Bedeutung die Menora, als Symbol des Weltbaumes, ergänzen. Zieht man in dem Trigonom Verbindungen zwischen den 3 zu je einem der 4 Elemente gehörenden Tierkreiszeichen, so erhält man 2 gleichsehenklige Davidsschilde. In meinen Arbeiten über dieses Symbol (zusammengestellt in unseren Mitteil. 1918, 3—4, S. 33) habe ich in ihm die Verbindung von Wasser und Feuer erkannt. Nach astrologischer Anschauung sind im Trigonom die komplementären Elemente Wasser und Erde bezw. Feuer und Luft. Im Davidsschild soll aber die Aussöhnung der extremen Gegensätze im Kosmos zum Ausdruck gelangen. [Nach David benannt, weil er sein Siegel darstellt, mit dem er die Wasser der Untiefe gebannt hat (jer. Sanh. X), und wohl auch darum, weil im Hexagramm die Buchstaben seines Namens nach der althebr. Schreibweise enthalten sind.] Wie die kabbalistische Anordnung des Sedertisches (vgl. den magischen Tisch bei Kampebs) dem Magen-David entspricht, so lebt die Erinnerung an die Scheidung von Ormuzd und Ahriman, die der Perser durch den Gürtel andeutete, noch in der Sitte der Ostjuden, beim Gebet einen Gürtel anzulegen. Nicht ausgeschlossen ist es aber auch, daß das Hexagramm als messianisches Symbol das Sternbild der Fische darstellen soll, in dem der Messias erwartet wird (vgl. Scheftelowitz im Archiv f. Rel.-Wiss. XIV, 47), Livjathan Oberhaupt der Fische 1. c. 341, Mitteil. II, 25). So synkretistiseh, von den mannigfaltigsten Einflüssen durchzogen sind die Uberlieferungen des Volksglaubens. Wie im Opferkult (nach Maimonides) manches Element auf ältere Übung zurückgeht und jüdisch vergeistigt wurde, so auch Bräuche des Sukkothfestes usw. und jüdische Anschauungen. Zu erwähnen wäre hier ferner, daß in Kabbalistenkreisen der Magen-David auch so zerlegt wird, daß das innere sechseckige Feld den Sabbat, die umliegenden sechs Dreiecke die sechs Tage der Woche darstellen, oder so, daß man die Figur in vier schiefe Vierecke sich zerlegt denkt, die ein jedes je eine Himmelsrichtung bedeuten. Zu Kampees wäre noch nachzutragen, daß der Thron Chosros mit seinen Röhren, die an das Regenfaß der Brahmanen erinnern (34), mit den Röhren am Altar in Jerusalem zusammenzustellen sind, daß der Weltbaum als Weinstock (25) auch im Judentum vertreten ist, daß die Wolken, die den Wanderer schützend umgeben (43), ebenfalls ihre jüdische Parallele haben (beachte auch die 40 (!) Tage der Wanderung) und daß die Überlieferungen vom Livjathan mit den Mythen vom goldenen Fließ, dem Gilgameschepos usw. Verwandtschaft zeigen. 1) Vgl. Blau 69, 84.