Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 136)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nacht, Der Fuß. 129 Daß dieser Wunsch dem „rechten" Fuß gilt, rührt davon her, daß im jüdischen Schrifttum „rechts" sich besonderer Rechte erfreut1). Ganz besonders, wenn es heißt, sich auf den Weg machen. „Der Mensch tritt in der Regel den Weg mit dem rechten Fuße an"2). Den Weg zur Hochzeit mit dem linken Fuß antreten oder an der Schwelle des Hauses mit dem Fuße straucheln galt den Römern wie andern Völkern als böse Vorbedeutung. So fleht Laodamia um die glückliche Rückkehr Protesilaos': „Da an der Schwelle der Türe straucheltst du mit dem Fuße — Wie ich es sah, aufseufzt ich und sprach in der schweigenden Seele: Sei es ein Zeichen, ich fleh, daß der Geliebte mir kehrt"3). Ebenso sagt Cydippe: „Unglückselige Zeit war es für der Reise Beginn — Welchen der Füße bewegt5 ich zuerst und enthob ihn der Schwelle"4). Braut und Bräutigam stehen an der Schwelle eines neuen Lebens. Es kommt daher auf den ersten festen rechten Schritt an. Der des Steigens unkundige Fuß Dorotheas knackte. „Das bedeutet Verdruß, so sagen bedenkliche A. 1) wird allerdings dem linken Fuß der Frau Bedeutung zugesprochen. Der linke Fuß der Braut, wenn er auf den rechten des Bräutigams tritt, bringt letzteren um seine Herrschaft. Dies dürfte vielleicht auf die „Idee des weiblichen Tellurismus des fruchtbaren und daher segenspendenden Weibtums, dem die linke Seite geheiligt war, zurückzuführen sein". Vgl. Aigbemont, 1. c, S. 8. Übrigens erzählt Tagore (Lebenserinnerungen, Kurt Wolff-Verlag, München), daß nach den Geheimwissenschaften in Indien ein Mädchen zuerst mit dem linken Fuß springt. Dagegen heißt es von einem der schlechter Laune ist: „Er ist heute mit dem linken Fuße vom Bette aufgestanden41, 1. c. p. 83. 1) *yw "paba '■»m ab naic sin«» mss bsn : 'n k": strn m'oip'D rteira -nsn *y?mb Dibia ")rn:ff n;zn. 2) "au^s ipy N^to-n rrsns rar2* i^y -o„ kw. 3) Ovjd, Heroiden XIII, v. 85—89: „Pes tuus ofieuso limina signa dedit ut vidi ingemui tacitoque in pectore dixi! Signa reversuri precor, ista vivia. 4) Ovn>, 1. c. XXI, v. 69-70: „Et fuit ad coeptas hora sinistra vias. Quo pede processi, quo me pede limine movi*. Auch bei den Eumänen herrscht der Aberglaube, wonach der mit dem linken Fuße gemachte erste Schritt Schlimmes bedeutet: „Sä nu porneati la drum cu piciorul stäng, cä nüti merge bine" (Gobovei, 1. c. p. 77). Grunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. I. 9