Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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HO Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition- Jenseits (ölam habbä). In dieses erste ölam habbä fällt die Auferstehung der frommen Andersgläubigen, während die echten Frommen auch zum zweiten, eigentlichen ölam habbä auferstehen werden1). Isak Abravanel gehört eigentlich zu den Exegeten, wie Kimchi, er behandelt aber die Frage der Auferstehung in besonderen Büchern und innerhalb der Exegese mit solcher Weitläufigkeit, daß ihm hier ein besonderer Platz eingeräumt werden muß. In seiner Einleitung zu den letzten Propheten beruft er sich wohl auf seine Werke, wo er den Gegenstand ausführlich bespricht, es genügt uns aber, seine Ansichten aus dieser einen reichen Quelle zu schöpfen. Vorausgeschickt werden die Meinungen der hervorragenden Gelehrten in bezug auf Lohn und Strafe. Nach Maimuni kommt Lohn und Strafe nur der Seele zu. Er glaubt aber an die Auferstehung des Körpers, wobei dieser mit seiner Seele wieder verbunden wird. Zum Beweis dient Jesaja 55,2: Höret auf mich und ihr werdet Gutes genießen und euere Seele wird sich an Fett ergötzen. Dies will sagen, daß der Lohn nur der Seele gebühre, wenn sie sich schon vom Körper losgelöst hat. Demgegenüber lehren Saadja, Rasi und Nachmani, daß der Lohn nach der Auferstehung auch dem Körper zugesagt sei, und ölam habbä beginne gleich mit der Auferstehung. Auch dafür läßt sich ein Beweis aus Jesaja holen: Gott leitet dich beständig und sättigt in den Steppen deine Seele und stärkt dein Gebein (58, n). Der Prophet Jesaja liefert aber nicht nur für verschiedene Ansichten Beweise, sondern Abravanel stellt alle seine Reden und Visionen in den Dienst der Auferstehung, als hätte dieser Prophet kein anderes Ziel, als einzig und allein der Auferstehung das Wort zu reden. Wohl finden sich hiefür Beweise auch in den Büchern anderer Propheten, aber sie sind alle in den Reden Jesajas enthalten. Sechs prophetische Reden werden hervorgehoben, auf denen die Auferstehung basiert, und diese Prophezeiungen werden wieder in vierzehn Gruppen oder Grundprinzipien geteilt. Die sechs Hauptstellen sind: Kap. 2, 18, 24,16—25, 43,7, 49,u, 1) Ikkarim I, 22,23; IV, 31,35. S. auch L. Low, Ges. Sehr. I, 158.