Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1923
- Issue
- Jahrbuch (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Löwinger, Die Auferstehung in der jüdischen Tradition. „All mein Gebein spricht: Gott, wer ist wie du" (35,10)? Wer hat je gesehen, daß Gebein Hymnen anstimmt? Dies aber hat Bezug auf die Auferstehung, wo Gott die Knochen wieder ordnen wird, daß jeder seinen Platz einnehme, wie es bei Ezechiel der Fall war, daß jeder Knochen zu dem zugehörigen kam (37,7), dann werden auch diese Knochen singen1). Die Königin Kleopatra folgerte bei einem Gespräche mit R. Meir auf die Auferstehung aus den Worten des heiligen Sängers (72,16): „Sie blühen aus der Stadt wie Gras aus der Erde"2). Es geschah in Paris, daß Konvertiten beim König vorgaben, die Juden werfen Staub nach rückwärts, wenn sie von einem Leichenbegängnisse zurückkehren, um damit durch Hexerei die Christen zu töten. Der König ließ den Gelehrten Moses b. Jechiel rufen, um von ihm darüber Aufklärung zu verlangen. Dieser erklärte: Wir glauben an die Auferstehung und berufen uns auf die Psalmstelle: „Sie blühen aus der Stadt, wie Gras der Erde". Diesen Vers rezitieren wir, wenn wir Gras ausreißen und es gegen die Toten werfen, womit wir andeuten wollen, daß wir an Gott glauben, so wie er diese Gräser, nachdem sie verwelkt in die Erde getreten werden, wieder wird aufblühen lassen, so wird er einst auch die Toten aufleben lassen. Der König gab sich mit dieser Antwort zufrieden3). „Heil den Bewohnern deines Hauses, sie werden dich ewig loben" (84,5). Da auch hier nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft die Rede ist, haben wir hier gleichfalls einen Beweis für die Auferstehung aus der Thora4). „Zu hören das Seufzen des Gefesselten, zu erlösen die Verstorbenen" (102,2i). Dem Verdienste des auf dem Altare gefesselt liegenden Isak haben wir die Auferstehung zu verdanken5). Die Wichtigkeit des Hallel-Gebetes liegt hauptsächlich darin, 1) Sohar III, 267b. Dem Verfasser schwebte die oben erwähnte Talmudstelle vor: m^io "ntotfi ürnb:n b$ mm bsptni irnntü D^mo. 2) Sanh. 90b. 3) Maehsor Vitry 247. 4) Sanh. 91b. Jalk. tillim 888. 5) TON bezieht sich auf Isak und trncb bedeutet die Auferstehung. Peß. Buber 200^. Ozar Midr. 376». Denselben Beweis hätte auch Ps. 79,11 geliefert.