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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1922-01-01 · 1 (1922) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
23 (1922)
Issue
1 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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* Jüdische Waisenfürsorge in alter und neuer Zeit Von Dr. Max Q r u'n \v a 1 d. In der Behandlung des Waisenkindes fließen zwei sittliche Triebkräfte der judtechjem Seele zusammen. Die eine ist das Mitleid, das allgemeine jüdische „Rachmonus", die andbre die besondere Sorgfalt, die der Jude dem Kinde entgegenbringt „Seime Majestät dais Kind/4 diese Empfindung für die Weihe, dtie das Kinidestoiipt umschwebt, ist jüdischen Ursprungs. Kinder und Greise erwecken im jüdischen Herzen ein Gefühl der religiösen Scheu, sile beide sind Gott am nächsten. So lehrt die jüdische Ueberlieferung: „Wie die Aeltesten des Volkes, wie Könige, Hohepriester, wie Gelehrte sind die Kinder miit Schutz zu umgeben,441) als „Gesalbte Gottes442) sind sie zu betrachten. Zwei bekannte Psalmen beleuchten die Bedeutung des Kindes von zwei verschiiiedenen Seiten. „Wenn Gott das Haus nicht baut,44 so lautet der 127. Psalm, „vergebens mühen sich dann die Bauleute.44 Wie baut aber Gott das Haus? Hierauf die Antwort des Psalmasten: „Siehe ein Geschenk von Gott sind Kinder,3) sie sind dem Hause, was dem Heiden dfc Pfeile in seinem Köcher.44 Und im achten Psalm wird die Allmacht Gottes mit den Worten gepriesen: „Seinen Triumph über seine Feinde und Widersacher hat Gott auf die Lippen der Unmündigen und Säuglinge gegründet.4* Wie sich aus dem hilflosen, lailend'ein Kinde der Mann entwickelt, der zur Gottähinlichkeit aufstrebt, darin zeigt sich die Allmacht Gottes so gewaltig, daß jeder Zweifel an ihr verstummen muß. Durchaus in der Bahn dieses Gedankenganges liegt es, wenn der Midrasoh den .Unterricht des Kindes in der Lehre Gottes als Bürgschaft für die Erhaltung des jüdischen Volkes bezeichnet.4) Jedenfalls spricht aiuss eSwer solchem Bewertung des Kindes bei den Juden nicht die nüchterne, Staaitsrai'son,, dlie in der Fürsorge für das Kind nur ein Mittel der Staatserhaltung erblickt Dieser letztere, nein politische Nützlichkeiitsstanidpunkt hat zu der Barfrarfeii der Aussetzung und des Ermordend schwächlicher, somit den Staat belastender Kinder geführt, die bei vielen Kulturvölkern *) Jeltak, Be,t ha-MMrasefi 11/96. Gminwaidl Ifygaenei dar, Men 172. 2) Schattet 119 b; über dliie .Würtdiiigmmig dfts Kiinides sifete unter 4). *) Psaikn 127, 3, Beratet 64 u. s. (zu Jeisaja 54, 13). 4) Bemeschiit rabba c. 65, vgl. Scteftekwitz dm „Mlcmaitischrlt I. d, Wassensch. #dies Judentums" LVI, 485.

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