Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 22 (1921)
- Issue
- 1 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Fremde Götter als Dämonen im Volksglauben Israels. — Von Matthias Mieses. — Im Volksglauben der verschiedensten Völker erscheinen die Gottheiten, die fremden, feindlichen Nationen Schutz gewähren, als Gespenster, als böse Geister, als Repräsentanten der feindlichen Vernichtung in der Natur überhaupt. Der phönizische Melkart der Patron von Tyrus, wurde von den Griechen in der hellenisierten Form Palaimon Melikertes als Seeunhoid angesehen. Die Lehre des Zarathustra teilte die Weit in Mazdavagiia, d. h. rechtgläubige Verehrer des Ahuramazda, und in Daevayagna, Dämonen gläubige.1 Zu Dämonen wurden bei den Parsen sowohl die brahmanischen Indra, Civa und Daeva als auch, wie es scheint, die Zentralgestalt des Buddhismus. Buiti, „der Betrüger der Seele", den Agramainyus aussendet den Zarathustra zu töten2, wird niemand sonst als Buddha sein. Der im Avesta erwähnte Dämon Kregani, dem das Haoma die Herrschaft abgenommen hat3, wird von der parsischen Tradition mit Christus gleichgesetzt4, andere sehen in ihm den brahmanischen Krischna. Bei Jahi, dem parsischen Dämon der Unzucht5, wird vielleicht an palästinensische Beziehungen zu denken sein. Ähnliches kann auch auf dem buddhistischen Ceylon festgestellt werden, wo die Götter der Civaiten in Dämonen sich transformierten. Der Götzenkultus als Dämonenverehrung erscheint nicht selten auch in Israel. Die Ueberzeugung von der Nichtigkeit der Heiden- Götter hinderte nicht, dass in einzelnen Kreisen sieh auch in Israel die Meinung festsetzte, die angebeteten Kultobjekte der Heiden wären Angehörige der Welt böser Geister. Ausdrücklich wird diese Ansicht in den älteren Teilen des A. T. nur zweimal vertreten, und zwar ausschliesslich in poetischen Stücken6, in denen die Volksanschauung eher zum Wort kommen konnte. In der Prosa werden Götzen als Dämonen nur in äem jüngsten Teil des A. T., in der Chronik bezeichnet.7 Leviticua II, 3—7 bezieht sich höchstwahrscheinlich auf ethnische Opfergebräuche^