Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 3-4 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — tische bei bemittelten „Baalebatim" (Familienväter) genossen. Auch hier erregte Kohens Predigt, der Ruf seiner Gelehrsamkeit, das Mitgefühl für sein und der Seinen Mißgeschick Aufsehen; da zufällig gerade hier der Rabbinatssitz erledigt war, bot man ihn Kohen an; er nahm an und ließ sich in Trebitsch nieder. Jetzt fing ein t Drangsalieren der mädchenhaften jungen „Witwe" Esther an, um sie zur Wiederverheirjatung zu bewegen. Aber Esther wollte es durchaus nicht wahr haben, daß Jakob wirklich tot sei. Der Vater wies auf die Niederwerfung und den erhobenen Säbel hin, den sie ja alle gesehen hätten; aber Esther beharrte auf ihrem hoffnungsvollen Zweifel an Jakobs Tod. Und wirklich, es waren darüber sechs Monate vergangen, da erschien eines Tages abgehärmt und wegesmüde Jakob im Hause seines Schwiegervaters, und das jugendliche Ehepaar — Esther hatte den Vorschlag ihres Vaters, durch ein Rechtsgutachten von Rabbiner eine Todeserklärung zu erwirken, abgelehnt, — vereinigte sich zu einer wirklichen Ehe. Nur zwei Jahre blieb man in Trebitsch. Dann folgte Ephraim Kohen einem Rufe als Oberrabbiner nach Alt-Ofen, wo sein Schwiegersohn sein Assistent im Lehrfache wurde und ihm im Rabbinate folgte. Als das damals türkische Ofen 1686, nach harter Belagerung, bei welcher die Juden die Feste auf der Wasserseite noch tapferer als die Türken verteidigten (vgl. Hosmann, Neueröffnete Ottomanische Pforte S. 3), in!die Hände ider Christen gefallen war, wurde die ganze Gemeinde für gefangen erklärt und die Mitglieder verlost. Ein Teil fiel den österreichischen, der andere den brandenburgischen Hauptleuten zu; die deutschen Gemeinden hatten wieder Gelegenheit, die Pflicht der Auslösung Kriegsgefangener zu üben. Jakob wurde nach Berlin gebracht, und der fast Neunzigjährige, dessen Schicksale ihn aus (Süd-?) Deutschland über Wilna nach Salonichi und quer durchs heutige Südrußland nach Trebitsch, von d;a nach Ofen gebracht, wurde nunmehr von mitleidigen Stammesgenossen in Berlin ausgelöst. Sein Sohn Hirsch Aschkenasi, später Chacham Zewi genannt, spielte durch Gelehrsamkeit und Charakter unter der osteuropäischen Judenschaft eine hervorragende Rolle. Schön von Gestalt, mit einem hellen Kopfe, durch Großvater und Vater nadh ihrer laus Salonichi stammenden sephardischen talmudisdien Lehrmethode geschult, verband er im Talmudfache Gründlichkeit und Scharfsinn. 1656 in Ofen geboren, wurde er bereits mit 18 Jahren als reifer Talmudkenner bei jüdischen Rechtsentscheidungen zu Rate gezogen. Von der Gunst des Schicksals und der Menschen verwöhnt, gesucht, mit der Tochter eines reichen Mannes in Ofen in üblicher