Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 3 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 103 — Hillmann A#, .Jüdisches Genossenschaftswesen in Rußland Berlin C. 1911, Bureau für Statistik der Juden. M. 2.— Man merkt es dem Buche an. daß hier genauestes Studium und aufmerksame Beobachtung an Ort und Stelle die Feder gefuhrt haben. Ks ist. für die Kenntnis <ler ökonomischen Lage der russischen Juden von hohem Wert. Lindner TliM Geschichtsphilosophie. 3."Auflage. Stuttgart und Berlin 1012, J. G. Cottas Nachfolger. M. 4.50. Reife und Besonnenheit des Urteils, Lebendigkeit der Darstellung. Ablehnung jedes Dogmatisierens. die bekannten Vorzüge des Verfassers, retten die Möglichkeit der im Titel dieses Buches vertretenen Disziplin, die durch gewagte Ge>ehichtskonstruktiouen früherer Versuche fast völlig den Kredit eingebüßt hatte. Auch die Semiten kommen gegen Cuamberlain zu ihrem Rechte. Wenn aber Seite 102 von der jüdischen Religion gesagt wird, daß sie nur Stammesreligion voller Intoleranz sei, so beweist dies nur, daß auch Lindner die Juden nicht mit gerechtem Maße mißt, um so schlimmer, als er seihst (Seite i)7i davor warnt, von Erscheinungen der gegenwärtigen Judenheit Schlüsse nach <i»»r ungünstigen Seite zu ziehen. In demselben Verlag ist erschienen: Käser K., Deutsche Geschichte im Ausgange des Mittelalters. 2. Band: Deutsche Geschichte zur Zeit Maximilians I., 148»»—1519. Stuttgart und Berlin Ii) 12. M. 11.*-. Besonders die letzten beiden Kapitel dieses groß angelegten, in der von Zwiedineck - Südenhorst herausgegebenen „Bibliothek deutscher Geschichte44, erschienenen Werkes, in denen die Bildung des deutschen Territorialstaates um 1500 und die wirtschaftlichen und sozilaen Strömungen in Deutschland am Vorabend der Reformation mit gewissenhafter Objektivität behandelt werden, kommen für die Geschichte der Juden in Betracht. Sie werden aus Steiermark und Württemberg vertrieben, um das Judenprivileg wird zwischen Fürsten und Ständen gefeilscht; wie man mit ihnen umsprang, nimmt nicht wunder, wenn man die Roheit der Ritter gegen gefangene Kaufleute sich vergegenwärtigt, mit der auch ein Hutten sich betleckt hat! Daß der oberrheinische Bauernkrieg 1431 hauptsächlich gegen die Wormser Juden gerichtet war, und welche Folgen sich datan knüpften, wird Seite 507ü". anschaulich geschildert. Das Buch bedeutet einen weltvoller. Zuwachs unserer geschichtlichen Literatur. Ii Wehnert IL, Moral und Religion. Dortmund 1011, Fr. Willi. Ruhfus. M. 3.50. Beide Begriffe werden gründlich und scharfsinnig behandelt und manches neue Licht fällt auf alte Fragen. Religion ist dem Verfasser „die Umwandlung ursprünglich ethischer Probleme und Aufgaben in Prinzipien und Gaben4* oder, wie es an einer anderen Stelle heißt: Ideale haben, sei Moral haben, und Religion sei, Ideale haben, sich in unmittelbaren Besitz von Idealen, d. h. Zielen und Zwecken, belinden. Daß Wehnert einen christlichen Standpunkt vertritt, bleibt •ihm unbenommen, daß er aber von einem „jüdischen chanuinistisehen Patriotismus" spricht, für den der Nic-htjude nur „als Kelch, als Hund" in Betracht kam, während gerade Jesus (Matth. 15,26) die Nichtjuden mit Hunden vergleicht neben den echten Kindern im Hause Gottes, das muß als Frivolität zurückgewiesen werden. Hesseler K., Rudolf Euckens Bedeutung für das moderne Christentum. Bunzlau PJ12. G. Kreuschmer. M. 1.50. Eine Einführung in wichtige Gedankengänge der Euckenschen Religionsphilosophie, die jeder Freund des Jenenser Denkers mit Gewinn benützen wird. Held H.L., Talmudlegenden. München 1912, Hans Sachs-Verlag. M.1.20. Je mehr aus diesem überreichen, den meisten aber unbekannten Born geschöpft wird, desto weiter wird das Vorurteil gegen die gigantische Kulturleistung <frs Talmuds der Anerkennung weichen. Das Büchlein muß im Leserden Wunsch nach Fortsetzungen wecken.