Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 39 — Montaigne, Ausgew. Essais. Uebers. von P. Noah, Vorwort voii E. Hoffmann. Berlin 1911, Erich Reiss. M. 2.80, geb. M. 3.80. Bei dem ungewöhnlichen Eifer, der sich in letzter Zeit dem geistvollen Skeptiker widmet, ist es trotz der mehrfachen Uebersetzungen ins Deutsche, die Montaigne erfahren hat, ein dankenswertes Unternehmen, eine Auswahl zum Teil sehr bezeichnender Zitate ans seinen Werken zu bieten. Das Buch wird dieser Aufgabe durchaus gerecht. R. Dr. Max Besser, Die Juden in der modernen Rassentheorie. Jüdischer Verlag, Köln und Leipzig 1911. 29 S. 8°. Preis 40 Pf. Die Rassentheorie ist der Tummelplatz vieler Dilettanten geworden, die weit und breit ihre Phantastereien verkünden und die Juden zu fast ausschließlichem Objekt ihrer „wissenschaftlichen" Untersuchungen sich erkoren haben. Nun ist dem tonangebenden Chamberlainschen Buche in dem von Zollschan ein an Gründlichkeit bedeutend überlegener Rivale erstanden. Es ist aber nicht jedem gegeben, sich in dicken Büchern zurechtzufinden, und für solche ist das Bessersche Büchlein bestimmt. Es bringt in gedrängter Form alles Wissenswerte auf dem berührten Gebiet und widerlegt ohne Ueberhebung, aber in Achtung einflößendem Selbstbewußtsein die maßlosen Ausfälle der Rassentheoretiker gegen das Judentum. Der sehr billige Preis und das schöne Aeußere werden wohl dem Büchlein verhelfen, in die weitesten Kreise einzudringen. Dr. S. Weissenberg. Heinrich Loewe, Die Sprachen der Juden. Jüdischer Verlag, Köln, 1911. 160 S. gr. 8°. Preis M. 2.—. Es fehlte bisher an einer monographischen Behandlung des vom kulturgeschichtlichen Standpunkte aus sehr wichtigen Themas über die Sprachen der Juden. Seit Jahrtausenden unter verschiedene Völker zerstreut, nahmen die Juden manche Wirtsprache an, ohne jedoch die eigene, das Hebräische, gänzlich aufzugeben (mit Ausnahme der Falaschas). Diese seltsame Erscheinung führte zu dein in der Geschichte einzig dastehenden Phänomen eines zweisprachigen Volkes, indem das Hebräische heiligen, die verschiedenen Judensprachen profanen Zwecken dienten. Das Hebräische ist aber nicht wie das Lateinische zur bloßen Kirchen- oder Gelehrtensprache geworden, sondern immer Volkssprache gewesen und hat somit zur Erhaltung des jüdischen Stammes bedeutend beigetragen. Andererseits hat aber auch das nationale Selbstgefühl stets darauf Wert gelegt, das Hebräische nicht nur als Kult-, sondern auch als Kultursprache zu pflegen. Alle diese Fragen sind in diesem Buche nicht nur ausführlich, sondern auch anziehend behandelt. Leider begnügt sich der Verfasser hauptsächlich mit der Feststellung der Erhaltung des Hebräischen, ohne auf deren Ursachen einzugehen. Unter letzteren scheint mir das Fehlen eines Klerus bei den Juden eine der wichtigsten zu sein, indem der Jude mit seinem Gott sich ohne Vermittler in der „heiligen" Sprache unterhält, die deshalb auch jedem geläufig sein muß. S. W. Brüder Grimm, Deutsche Sagen. In Auswahl herausgegeben von Oscar Lang. Halle a. S. 1909, Otto Hendel. M. 1.—, geb. 1.35. Endlich wird dieses unschätzbare klassische Werk durch eine angemessene und billige Auswahl den weitesten Kreisen zugänglich gemacht. Die Berührungen dieser Sagenweit mit der jüdischen sind ausführlich im 2. Heft unserer „Mitteilungen" behandelt. R. 0. S. Marden, Die Wunder des rechten Denkens. Ders., Selbstsucht und Selbstzucht. Stuttgart 1911, J. Engelhorns Nachf. Geb. je M. 3.50. Mit diesen Lebensbüchern, unter denen bisher Amerika mit Recht den Hauptanteil hat, hat der Verlag für die Förderung einer gesunden Lebensauffassung Unschätzbares geleistet. Diese Bücher wimmeln von Wahrheiten, die man sich über den Schreibtisch häugen sollte. Weite des Blickes, Freiheit der Anschauung, Sinn für das Praktische und Ausführbare verbinden sich mit großer Belesenheit, die, wie bei den Engländern und Amerikanern selbstverständlich, auch die Bibel mit einschließt. R.