Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 4 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 128 — Eilmographia 1908. Heft 1—5. Herausgegeben von Dr. Bernat Munkacsi und Dr. Gyula Sebestyen. Bdpest Jhg. XIX. Diese Mitteilungen der Gesellschaft für ungarische Volkskunde bringen auch in diesem Jahrgange verschiedene lesenswerte und vortreffliche Abhandlungen, welche die jüdische Folkloristik interessieren. 1). Ed. Mahler, Der Glaube an die Unsterblichkeit bei den orientalischen Völkern des Altertums (s. 1—12.) 2) Bernat Heller, Die ung. Sagen, die an die Kiffhäusersage erinnern, wobei die Messiassagen des XII. Jahrhunderts berührt werden. 3) Ungarische Hausmedizin (s. 34) (über jüd. Volksmedizin schrieb der Herausgeber dieser Mitteilungen (V ff.). 4) Mahler (s. 170) bespricht Weber: Die Literatur der Babylonier und Assyrer. 5) Bernat Heller (s. 272) liefert Beiträge zur Fabel von den drei Höckerigen. Auch andere Abhandlungen, wie die Berichte über die verschiedenen Gebräuche im Volke liefern bemerkenswerte Parallelen zur vergleichenden Volkskunde. So berichtet z. B. Baron Albert Nyari (s. 91 ff) über „die Totenseherin" (halottlatö). Unter And. wird der Gebrauch, der auch bei den Juden vorzufinden ist, erwähnt, daß man das Weinen und Jammern im Gemache der Sterbenden verurteilt. Dr. A. Marmorstein, Vinkovce. Key, Ellen, Rahel. Aus d. Schwed. v. M. Franzos. Leipzig-R., E. Haberland, 1907. Über keine Tochter aus jüdischem Stamme bietet die neueste Literatur so zahlreiche Skizzen und Monographien, wie über diese, wie die Verf. sie einschätzt, ,,größte Frau, die das Judentum hervorgebracht hat, für mich zugleich die größte Frau, die Deutschland seine Tochter nennen kann." Ist doch unmittelbar nach dieser Erscheinung noch eine weitere Biographie Raheis, der Gemahlin des österreichischen Thronfolgers gewidmet, zu verzeichnen. Das Buch ist, das gesteht es selbst ein, subjektiv gehalten. Es gibt uns ein gut Teil Ellen Key selbst. Wir kennen aber keine Charakteristik Raheis, die psychologisch und künstlerisch sich höher bewerten ließe. Besonders betont wird in allen Phasen der Einfluß der jüdischen Abstammung auf die Entwiekelung der Heldin. „Rahel besaß die Grundzüge, die die großen Geister ihres Volkes auszeichnen: eine tiefe Sehnsucht nach unmittelbarem Leben in Wonne und Glanz, in Glut und Leidenschaft und eine ebenso tiefe Sehnsucht nach Wüstenstille, um über das Leben, seine Wege und Ziele nachzugrübeln" (S/15). „Ein jeder kennt — und viele anerkennen die Verstandesbegabung, die Schaffenskraft, den Wissensdurst des jüdischen Volkes, seine ausdauernde, zielbewußte Energie. Aber allzuwenig spricht man von dem Zuge, der doch dem, der jüdische Frauen und Männer aus nächster Nähe gesehen hat, am charakteristischsten erscheint: von der Liebeskraft, dem Brüderlichkeitssinne, der Hilfsbereitschaft, der Opferwilligkeit," (S. 17, vgl. S. 22.) Das Buch hat mit Recht überall warme Anerkennung gefunden. R. S. Goetz, A., Ballin, ein königlicher Kaufmann. Berlin u. Leipzig. H. Seemann Nchflgr., 1907. 77 S. Den Verdiensten Ballins, des rührigen Direktors einer der größten Reedereien der Welt, u. a. um die Regekmg des jüdischen Auswandrerbetriebs, wird (S. 44) die gebührende Anerkennung gezollt. R. S. Freybe, A., Erdbestattung und Leichenverbrennung. Halle, Buchhandlung des Waisenhauses, 1908. 136 S. Der Verf. bekämpft vom konservativ-protestantischen Standpunkt aus die Leichenverbrennung und die Beteiligung der (jeistlichen in solchen Fällen. Er sieht in der Erdbestattung eine von Gott gesetzte uralte Ordnung, die zur Volkssitte geworden und auch aus diesem Grunde durchaus beizubehalten ist. Die Einwände der Gegner sucht er mit Hilfe wissenschaftlicher Kritik zu entkräften. Neben den Referaten über die Stellungnahme der katholischen und der protestantischen Kirche vermißt man einen Bericht über das Verhalten jüdischer Kreise dieser wichtigen Frage gegenüber. Es handelt sich in der Tat um einen für die Erhaltung auch der jüdischen Volkssitte hochbedeutsamen Gegenstand. R. S. E. Haberland, Leipzig-R.