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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 4 (1907) · p. Seite 112

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
4 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 112 (sequence 18)
Language
German
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— 112 — in der Kurpfalz. Frankfurt 1895. S. 229 A.) Das. auch ein jüd. Weber d. a. 1554 S. 40. Ueber Veilchen, die Sticklehrerin Bettina von Arnims. Clemens Brentanos Frühlingskranz S. 13 f. Bettina schreibt über sie an ihren Bruder: „Das junge Mädchen, was uns sticken lehrt, ist eine Jüdin, sie heisst Veilchen, es ist ein recht liebkosender Name und ich fand letzt das erste Sträusschen ihrer Namensvettern zusammen, da ging ich ganz früh zu ihr, um sie damit zu überraschen. Ich fand sie auf der Treppe mit dem Besen in der Hand, sie war beschämt, ich aber gleich nahm ihr den Besen aus der Hand sagte, ach lassen Sie mich auch ein bischen kehren. Da kam so früh schon, denn es war noch nicht sieben Uhr, der Hofmeister vom Eduard Bethmann vorbei, der musste es der Tante gesagt haben, dass er mich vor der Haustür eines Juden auf offener Strasse kehrend fand — ich muss jetzt lachen, denn es ist auch recht lächerlich — ich will Dir die derbsten Ausdrücke von der Tante ihrer Mercuriale ersparen, sie meinte, ich sei verloren, für ein besseres Dasein verloren, ich habe mich gänzlich weggeworfen! Vous n'avez point de pudeur, point de respect humain, on vous trouve balayer la nie main en main avec une juive! ich musste lachen! nein ich konnte nicht anders. — — Ach und wenn Du wüsstest, wie hübsch es bei dem lieben Veilchen war! — Da war alles schon so sauber im Stübchen, ein kleiner Kaminherd, auf dem brannte ein Feuerchen, dabei kochte das Frühstück für den Grossvater, der sass dabei und strich seinen langen weissen Bart durch die Finger. Veilchen stickt ein Goldmuster sehr schön in einen r os in färben en Sammet, so nennt sie ein sanftes Braunrot in ihrer Judensprache. Die Arbeit ist bestellt und sie bekommt dann viel Geld, wenn es fertig sein wird. Sie ernährt ihren Grossvater und zwei seiner Urenkel, die Waisen von dem gestorbenen Bruder, denen ist die Veilchen ganz wie eine Mutter, ich half ihr sticken, es ward recht gut. Alles, was mit dem Gelde angefangen werden soll! — 20 Louisd'or! — Da ist so viel zu bestreiten in der Haushaltung, vom Hemd bis auf die Schuhe und Schüsselchen und Töpfchen, und der Herd, der eingefallen ist, und die Ofenplatte geplatzt, das muss gepflickt werden und das Wohnzimmerchen frisch geweisst, wo die Leute eintreten um die Arbeit zu bestellen. Veilchen ist von der Gattung Mädchen, die einen Nelkentopf vor ihrem Fenster pflegen und Absenker machen und endlich einen ganzen Flor daraus ziehen, die auch wohl ein Myrtenbäumchen zur Blüte bringen, aber keine Kränzchen daraus winden. Es wäre auch schade, meinte sie heute morgen und lächelte. — Wir waren so vergnügt zusammen beim Sticken, wenn sie solche Hilfe, hätte meinte sie, dann würden die Sorgen ihr nicht so leicht über den Kopf wachsen; ich bat sie, dass sie mich alle frühmorgen mit soll sticken lassen,

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