Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 4 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 98 — Schriften den Eindruck orientalischer Teppiche macht. Die Umrandung ist meist nicht gradlinig, sondern unregelmässig in der Art der Bänder der handgeknüpften orientalischen Teppiche. Die in den Zeichnungen verwandten Arabesken d. h. arabischen Ornamente, die gewählten Blumen und Bäume, besonders aber die dargestellten Tiere — es sind ausschliesslich Tiere Vorderasiens: Löwe, Panther, Stier, Damhirsch, Steinbock, Schakal, Hase, Hund, Affe und Singvögel! — beweisen die orientalische Quelle. Vor allem aber sind die in hebräischen Handschriftillustrationen so sehr beliebten Greifen und Drachen die charakteristischen Tiere der persischen Teppiche und ihrer chinesischen Vorbilder1). Ein Musterbeispiel bietet der angeblich persische Wollenteppich im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin, der Parallelen in einem Teppich des South Kensington-Museums und in einem des Fürsten Adolf Schwarzenberg hat2). Dieser Teppich befand sich früher in einer Synagoge zu Genua, stammt also aus jüdischem Besitze. Gerade im 13. und 14. Jahrhundert, aus denen die bedeutsamsten jüdischen Miniaturen stammen, war der Import orientalischer Teppichgewebe nach Europa besonders stark3). Das Eingang^tor für die orientalische Kunst war seit den Kreuzzügen Venedig, das noch auf Bildern des 15'. Jahrhunderts ein halborientalisches Gepräge zeigt. Im Türkenquartier zu Venedig (fondaco de' Turchi) würden allerlei kunstgewerbliche Arbeiten des Morgenlandes zu einem grossen Teile von orientalischen Künstlern hergestellt. Die Träger des orientalischen Handels in Europa aber .waren zumeist Juden. Eeisen von Juden bis Indien und China gehörten schon im O.Jahrhundert nicht zu den Seltenheiten4). Es darf also nicht auffallen, dass die orientalische Teppichkunst die jüdische Miniaturkunst so stark beeinflusst hat. ') Vgl. z. B. die Drachen der Pessachhaggada aus dem 13. Jahrhundert bei Kohut Geschichte der Juden in Deutschland S. 137 mit den Teppichbildern in Orientalische Teppiche, herausgegeben vom k. k. oesterr. Handelsmuseum, Wien 1892, II. Blatt 2, 15, 68. 2) Die beste Reproduktion dieses herrlichen Gewebes in Orientalische Teppiche, hrsg. vom k. k. oesterr. Handelsmuseum II 80. Seine genaue Beschreibung von W. Bode im Jahrbuch der Königlich preussischen KuusfSammlungen XIII, Berlin 1892, S. 29ff. und in Yorderasiatische Knüpfteppiche S. 36b. Der Teppich ist m. A. nach bedeutend älter als Bode annimmt. Nach seinen Ornamenten, vor allem aber wegen der leider zerschnittenen Chinesendarstellungeu halte ich ihn für eine chinesische Arbeit. 3) Julius L e s sing, Altorientalische Teppichmuster, Berlin 1877, über tapis sarrasinois: Paris 1277. Es ist wahrscheinlich, dass die Künstler dieser Teppiche zu einem guten Teile Juden waren, s. Albert Wolf in Mitt. zur jüdischen Volkskunde IX. 39, XV. 31. 4) Hoeniger in Ztschr. f. d. Geschichte der Juden in Deutschland I 82. G. Stein hausen, der Kaufmann in der deutschen Vergangenheit, Leipzig, S. 14.