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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 4 (1907) · page 3

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
4 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
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lieber jüdische Miniaturkunst. Von Dr. Rieger-Hamburg. Die jüdische Kunst des Mittelalters ist bis zum Ausgange des 18. Jahrhunderts eine wesentlich synagogale. Sie beschränkt sich mit wenigen Ausnahmen auf die Ausschmüqkung der Gotteshäuser und die Herstellung der für den gottesdienstlichen und häuslichen Gebrauch bestimmten Kultgeräte. Die Denkmäler der jüdischen mittelalterlichen Synagogenbaukunst sind aber bis auf spärliche Beste zerstört, und die gottesdienstlichen Gerätschaften unserer Vorfahren beinahe ausnahmslos von plündernden Tempelräubern vernichtet worden. So kommt es, dass die Miniaturen in hebräischen Handschriften die eigentlichen wesentlichen Reste des jüdischen Kunstschaffens im Mittelalter sind. Das „Volk der Schrift" hat auch seine Kunst nur im Buche erhalten. Die Miniaturen in hebräischen Handschriften lassen sich den besten christlichen Buchillustrationen des Mittelalters ebenbürtig an die Seite stellen. Die jüdische Miniaturkunst hat auch sicher eine Fülle ernster Anregungen aus der christlichen Buchkunst empfangen. Vielleicht waren die häufigen Verpfändungen illustrierter Kirchenhandschriften, die oft beträchtliche Werte repräsentierten, die erste Veranlassung für Juden, auch hebräische in gleicher Weise zu schmücken. Die Annahme, dass christliche Miniatoren die synagogalen Bücherschätze illustriert haben, ist aber nicht nur aus psychologischen Gründen zu verwerfenVielmehr beweist der ausgesprochen orientalische Charakter der ältesten hebräischen Miniaturen deren innere Unabhängigkeit von der christlichen Buchkunst. Nur langsam verdrängen okzidentale Ornamente und Ideen die ursprünglichen orientalischen. Die Bildkunst der orientalischen Gewebe, Teppiche und Stickereien darf als eine besonders wichtige Anregerin der jüdischen Miniaturkunst hingestellt werden. Es ist gewiss nicht nur mir aufgefallen, wenn auch noch nirgends auf diese Tatsache hingewiesen worden ist, dass eine grosse Anzahl Miniaturen in hebräischen Handl) Kaufmann in D. H.Müller und J. von Schlosser, Haggadahvon Serajewo S. 255 ff. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Heft XXIV. 7

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