Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 2 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2638044-2638053-2638055--0395-2638586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 34 — Tempels hc Jerusalem niedergelassen. Während der Ausgrabungen auf dem Friedhofe zu Samtawr fand Bayern einen Grabstein aus dem 5. Jahrhundert mit einer hebräischen Inschrift „dein tcueru Vater Jahud". Was die Bergjuden, die in den Dörfern und in einigen Städten Daghestans, des Tersehen und kubanischen Gebiets wohnen und eine Mundart der tatsehen Sprache gebrauchen, die zu dem Neu-iranischen gehört, anbetrifft, so kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen, dass sie aus Persien gekommen sind und dass ihre Ansiedlung der Eroberung Daghestans durch die Araber im 8. Jahrhundert vorangegangen ist. Die "Verfolgungen, denen die Juden im persischen Reiche seitens der Sassanidon, der fanatischen Anhänger Zaratustras (besonders im -5. Jahrhundert.) ausgesetzt waren, zwangen sie, aus demjenigen Teil*' IVrsiens, der Aturpataxp ( jetzt Aderbeidschan) hiess. nach dem Kaukasus auszuwandern. Sie brachten mit sich die iranische Mundart der tatschen Sprache, deren Vokabular- und Wortbildung von sehr vielen türkischen Elementen durchsetzt ist. Bei all der Fngewissheit in der Feststellung der genauen Wege und der Zeit der Niederlassung der Juden in Grusien gibt es doch hinreichend genug Tatsachen, die beweisen, dass in den ersten Jahrhunderten der christlichen Aera die jüdischen Kolonien im grusischen Reiche gross an Zahl und Bedeutung waren. Die Bagratidcn-Dynastie, die im 6. Jahrb. den grusischen Thron bestieg, leitet ihr»4 Abstammung vom König David ab und die grusischen Könige führten in ihrem Wappen die Schleuder und die Leier des alttestamentliehen Psalmensängers. In Grusien wurde die Freiheit der Juden niemals und von niemandem beschränkt. Sie waren sogar Besitzer von ganzen Städten und Städtehen. In den Tagen der Selbständigkeit Grusiens trieben die Juden nicht nur Handel, sondern auch Ackerbau. Ein Teil der Juden war Leibeigene der grusischeii Könige und Fürsten. Es gab auch solche Juden, die als Leibeigene der Klöster und Kirchen galten. Diesen, wie ihren christliehen Genossen, war die Lieferung von Kerzen und Weihrauch für die Kirche sowie von erzbisehötliehen Kleidern auferlegt. Diejenigen unter den grusischen Juden, die zum Christentum übertraten, assimilierten sich mit der grusischen Bevölkerung Einige grusisehe Familien, wie z. B. Eliosisehwili, Barnabischwili, Gedewanischwili, Baluaschwili und andere', leiten ihre Abstammung von Juden ab. Aber auch diejenigen Juden, die dem jüdischen Glauben treu geblieben sind, haben ihre Sprache verloren und haben die Lebensweise, wie auch die Sprache der Grusicr angenommen. In den Dörfern kleiden sie sich wie die grusischen Bauern, indem sie sich mit einem Dolche, der zum Zubehör ihrer langschössigen Tracht (Tschocha) gehört, umgürten.