Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 139 — tuch Speisen, Konfekt u. dergl. setzt. Zeigen sich dann auf den Speisen, z. B. auf gestossenem Zucker, Spuren von Pfötchen und gewisse kleine schwarz-graue Körnchen, so gilt dies als Zeichen, dass die Schejdim das Mahl gnädig angenommen haben. Der Glaube an Schejdim wird dadurch nicht erschüttert, dass die Spuren der bösen Geister denen gewöhnlicher Mäuse sehr ähnlich sind. Auch ist der Glaube an verschiedene Beschwörungen, die dem Feinde ein Unheil zuziehen, sogar seinen Tod herbeiführen können, sehr verbreitet. Die persischen Juden verehren, gleich den Persern, einige Gräber wie ein Heiligtum. Nach den Erzählungen der Teheraner Juden befindet sich neben Isphahan das wundertätige Grab einer Sarah, der Tochter Aschers, Sara iath Ascher, die sie eine Enkelin des Erzvaters Jakob nennen, dessen Verehrung gegen Unfruchtbarkeit der Frauen hilft. In der Stadt Kuma befindet sich unter vielen anderen den Schiiten heiligen Gräbern auch das Grab einer Zipporah (Zephorah nach der Aussprache der persischen Juden), das ebenso von Muhammedanern wie von Juden geehrt wird. In der Stadt Hamadan in Westpersien befindet sich ein als Wallfahrtsort dienendes Mausoleum, das die Juden als Grabstätte von Mardochai und Esther bezeichnen. Aus diesem Grunde nennen die Juden wohl Hamadan unrichtig Schuschan habira. Ebenfalls als Wallfahrtsort dient ein Mausoleum, das sich ausserhalb der Grenzen Persiens im Städtchen Elle 2 — 3 Tagereisen südlich von Bagdad befindet und das die persischen Juden ebenfalls unrichtig als Säbel bezeichnen. Dieses Mausoleum gilt als Grab des Propheten Ezechiel. Einen Hügel gegenüber den Trümmern von Ninive bezeichnet man als Grab des Propheten Jonas, das auch von den Muhammedanern geehrt wird. Von all diesen Stätten erzählt man viele Wunder. Grosse Verehrung geniesst auch die grosse Synagoge in Schiras, die, wie es bei den persischen Juden Sitte ist, nach dem Namen ihres Erbauers Schukri genannt wird. Die Sage erzählt: dieser Schukri habe sein ganzes Vermögen zum Aufbau der Synagoge verwendet, und als die Mauern schon fertig waren und man die Balken für das Dach legen wollte, habe man entdeckt, dass die mit grossen Kosten angeschafften Balken zu kurz seien. In seiner Verzweiflung, da ihm keine Mittel zur Anschaffung neuer Balken zu Gebote standen, habe er inbrünstig zu Gott gebetet, und siehe da, am anderen Morgen hatten die Balken die nötige Länge. 60 Kilometer östlich von Teheran befindet sich ein Städtchen Demawend mit einer sehr alten, aus etwa 60 Familien bestehenden jüdischen Gemeinde. Ihr alter Friedhof wird hochgeehrt, denn von diesem führt nach dem Glauben der persischen Juden ein unterirdischer Gang direkt nach Jerusalem. Dort begraben zu sein wird einer Beerdigung 9*