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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 2 (1906) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
2 (1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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jyiiltcilungcn zur jüdischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft lür jüdische Volkskunde In Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Heft XVIII. Jahrg. 1906, Heft 2. Reb Chajim Plaksiwiz. Von Rabb. Dr. M. Fried, Stockholm. Es sind nun schon fast vierzig Jahre her, dass ich am Tischebow (9. Ab) zum erstenmal mit mehreren gleichaltrigen Knaben den Friedhof meiner Heimatstadt Zbaraz (in Ostgalizien) betrat. Dem Brauche des Tages gemäss bewarfen wir uns mit Stachelfrüchten und steckten vom Hause mitgebrachten sorgfältig geschälten Knoblauch in die Vertiefungen der Grabsteine. An diesem Feiertage der Toten ist nach dem Volksglauben das Gähnem (die Hölle) geschlossen, so dass die Sünder, die sonst dort zu büssen haben, sich ungestörter Grabesruhe erfreuen. Deshalb soll man am Tischebow keine Grabstätte beschuhten Fusses betreten und streuen Frauen und Kinder Knoblauch auf die Gräber, um die bösen Würmer zu verscheuchen, damit unter dem Easen vollständige Euhe walte. Unter den Gräbern der Gedojlim (durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit Hervorragenden) wurde uns das Grab des Reb Chajim Plaksiwiz gezeigt. Mit dem seltsamen Beinamen (im Kleinrussischen eigentlich nur von gern und viel weinenden Kindern gebraucht) hatte es, wie uns erzählt wurde, folgende Bewandtnis. Vor Zeiten hatte sich ein Sched (böser Geist) die wabersehe Schil (Frauenabteilung der Synagoge) zum Tummelplatz ei'koren. Die betenden Frauen wurden durch allerlei Unfug belästigt: man hörte pfeifen und lachen, es flogen Steine, von unsichtbarer Hand geworfen; zuletzt wurde es so arg, dass mehrere Frauen vor Schreck erkrankten und einige sogar starben. Da entsehloss sich Reb XVHI. Heft. Jg. 1906. 1

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