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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 53

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 53 (sequence 59)
Language
German
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— 53 — Ein Hamburger Bilderbogen. Von Dr. J. Heekscher (Hamburg). Dank der Güte des Besitzers, des Herrn Landgerichtsdirektors Dr. Th. Gruner, sowie dem Entgegenkommen der Verlagshandlung S. Calvary u. Co. in Berlin, ist es möglich worden, die Reproduction des bereits im Heft XVI dieser Mitteilungen in Aussicht gestellten Bilderbogens dem gegenwärtigen Hefte als Beilage mitzugeben. Die Inschriften sind in dem angezogenen Hefte schon mitgeteilt. Es sei deshalb nur bemerkt, dass es sich namentlich um die Darstellung jüdischer Hausierer hahdelt, wie sie hier in den vierziger Jahren noch täglich durch die Strassen der Stadt und die umliegenden Ortschaften umherzogen, wo sie sich mühsam und kümmerlich ihren Unterhalt zu verdienen suchten. Wir sehen in den 35 dargestellten Typen Geflügelhändler, Hausirer mitPorcellan und Steinzeug, Viehhändler, Bandhändler mit der Karre u. a. m. Es gab kaum einen Handelsartikel, der nicht von Juden auf der Strasse feilgeboten wurde. Wie schon früher bemerkt, stammt der Bogen aus dem Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrh/s oder noch etwas früherer Zeit. Ich vermute, dass T. Pincon der nicht genannte Zeichner gewesen ist. Seit der Zeit der Emancipation der Juden im Jahre 1848 sind auch diese Typen von der Strasse verschwunden; selbst die in der Elbstrasse noch handelnden Juden haben sich, nach dem Zugeständnisse der bürgerlichen Gleichstellung, wodurch ihnen jegliche Berufsergreifung ermöglicht wurde, auch im Aeusseren und in ihrem Gebahren den Zeitverhältnissen angepasst, und so bleibt unsere Darstellung nur noch eine wertvolle Erinnerung an die trostlosen Zeiten, in denen die Juden noch als Menschen von geringerem Werte betrachtet wurden, denen der Weg zu den sonstigen bürgerlichen Erwerbszweigen versperrt war. Erwähnt sei noch, dass Originale des Bilderbogens ausserordentlich selten sind. Ausser dem Exemplare des obengenannten Herrn ist mir nur noch ein zweites in der Sammlung des Herrn Dr. med. R. Perber in Hamburg bekannt; wie denn überhaupt Abbildungen von jüdischen Hausierern nicht viel vorkommen. Einige der wertvollsten schufen der Maler Ens in Lithographie, Christian Förster in Holzschnitt für die „Reform" und in Kupfer gestochene Professor Suhr; sie sind den Lesern dieser „Mitteilungen" durch die Arbeiten des Herrn Dr. Grunwald bereits vorgeführt worden.

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