Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 14 — Kleine Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte. (Fortsetzung.) Yon Dr. M. Grunwald. 9. Genrebilder aus den Memoiren der Glückel von Hameln. Aus diesen im 8. Hefte der „Mitteilungen zur jüd. Volkskundeu ausführlich behandelten Memoiren folgen hier in teils wortgetreuer, teils ein wenig freierer Transcription einige Ausschnitte, welche uns in das Leben sowie die Gefühls- und Gedankenwelt der deutschen Juden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen tiefen Blick eröffnen. Glückeis Mutter. p. 74. Vier Tag danach ist meine Mutter auch mit einer Tochter ins Kindbett gekommen, so ist denn kein Neid oder Vorwurf zwischen uns gewesen. Wir lagen neben einander in einer Stube. Wir hatten keine Ruhe vor all dem Volk, das da gelaufen kam, um die Neuigkeit zu sehen, dass Mutter und Tochter in einem Zimmer im Kindbett liegen. Ich muss doch für die Langeweile einen hübschen Spass berichten, was geschehen ist, um das Buch ein bisselchen damit zu verlängern. "Wir lagen also, mein Mutterleben und ich, zusammen im Kindbett, es war eine kleine Stube und Winter wars und mein sei. Vater hat ein grosses Gesinde gehabt, dass es uns in der Stube gar eng geworden ist, doch Eltern und Kinder nehmen eines mit dem andern gern vorlieb, ich bin 8 Tage eher aus dem Kindbett gegangen, als mein Mutterleben. Um die Stube ein wenig geräumiger zu machen, bin ich hinauf in meine Kammer schlafen gegangen. Aber da ich noch gar jung war, hat meine Mutter nicht leiden wollen, dass ich auf die Nacht mein Kind mit mir in meine Kammer nehme, so habe ich denn das Kind in ihrer Stube, wo sie lag und die Magd bei sich hatte, schlafen lassen. Meine Mutter meinte, ich solle mich nur gar nicht um mein Kind bekümmern, wenn es heulen würde, sollte es nur die Magd herauf bringen, dass ich ihm zu trinken gebe, es dann wieder von mir nehmen und in die Wiege legen. Ich war es wohl zufrieden. Ich blieb also etliche Nächte so, die Magd brachte mir das Kind so vor Mitternacht zum Trinken. Einmal, des Nachts, wache ich auf ungefähr um 3 Uhr und sage zu meinem Mann: „Was mag das bedeuten, dass mir die Magd das Kind noch nicht gebracht hat?" Mein Mann meint: „Das Kind wird gewiss noch schlafen." Ich aber bin damit nicht zufrieden gewesen, ich laufe hinunter in die Stube, um nach meinem Kind zu sehen. Ich gehe über die Wiege und finde mein Kind nicht darin. Ich bin sehr erschrocken, habe aber doch keinen Lärm machen wollen, um meine gute Mutter nicht aufzuwecken und zu erschrecken. So habe ich die Magd angefangen zu schütteln. Ich hätte sie gern im Stillen aufgeweckt. Aber die Magd war sehr verschlafen, ich habe laut rufen müssen, um sie wach zu kriegen. Ich frage