Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 143 — Er ist auf lithographischem Wege hergestellt, doch ist der Künstler nicht zu eruiren. Wir sehen in drei übereinander stehenden Eeihen 35 Gruppen wiedergegeben, von jüdischen Strassenhäncllern männlichen und weiblichen Geschlechtes, doch sind auch Leute aus der besseren jüdischen Gesellschaft vertreten, ferner ein jüdischer Gardist des 5. Bataillons des Bürgermilitairs, welches sich aus der Neustadt rekrutirte in der vorzugsweise Juden wohnten. Einige Personen sind portraitähnlich und leicht zu indentifiziren. Die Unterschriften der einzelnen Gruppen lauten: Du verkaafst Enten, Ich leb von mahn Eenten. — Nemmen sie enLoos! Ich hob gor kahn Moos. — Du laafst nit schneller als ich mit mahn Teller. (Elje1) — Wollt ihr eich packen, Ich behalt mein Jacken — Sei nit so dumm u. dreh Dir nu um — Lass das hübsch sein zerbrichst sonst den Stein. — Wat gellen mir die Ohren. Der hat sein Grundstück verloren — Nu such es ihm wieder — Sing nit so viel Lieder — oh Eisenbahn klimm, der Weg is zu krumm2 — Ach war ich doch Maler Ich malt se vorn Thaler. — Suchst das in de Taschen, Ne eppes zum Naschen. — Mir wird so benaut, Das macht weil es thaut. Platz vor mahn Gewehr. Genir er sich mehr — (Gardist und eine alte dicke Frau) — Mir sein unsere Sieben, bestellen märksche Eiben — Was wollt ihr Eebbe Nöthen* En heschnittnen Ducoten — Der sucht gor de Ränder, Un mir hobben Bänder. (Zwei Karrenhändler.) — Nu is der Spaas aus Un ich laaf zum Schmaus. (Aus dieser letzten Redensart könnte man vielleicht auf denselben Zeichner der Carikatur auf das Hinauswerfen der Juden aus dem Alsterpavillon schliesen, wo der letzte Vers lautet: Nun ist der Spass aus!) 1. Elje war ein harmloser Geisteskranker, der in den Strassen der Neustadt mit Porzellan und Steinzeug handelte. Gewöhnlich trug er einige grosse Schüsseln unter dem Arm. Er ist als er erwerbsunfähig wurde dem israelitischen Krankenhause überwiesen worden und dort gestorben. 2. Nach diesen Worten setze ich die Entstehung des Bilderbogens auf den Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Eisenbahn nach Bergedorf sollte am Himmelfahrtstage des Jahres 1842 feierlich eröffnet werden. Die Direktion Hess in Anbetracht der grossen Not, die das Brandunglück vom 5. bis 8. Mai über Hamburg verhängt hatte, Menschen und Sachen der Abgebrannten unentgeldlich auf der Eisenbahn nach Bergedorf befördern, wo die Obdachlosen und Flüchtigen Aufnahme fanden. Es wird sich hoffentlich ermöglichen lassen, den Bilderbogen in einem der nächsten Hefte zu reproduciren. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XVI. 10