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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 110

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 110 (sequence 18)
Language
German
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Stahlhammer, Boronow. Koschentin den Gemeindebezirk Czieschowa bilden. Am Orte selbst wohnt nur der Kultusbeamte des Gemeindebezirks, Herr Marcus Deutsch, der in Czieschowa wohnhaft ist, um den uralten Friedhof und die alte ehrwürdige Synagoge in seine Obhut zu nehmen. Die Synagoge ist ein Schrotholzbau, gerade geschlossen, tonnengewölbt, der Aufgang zur Frauenempore ist mit offener Galerie. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert. Diese Schrotholzsynagoge ist kein Merkstein jener typischen polnischen Bauweise. Sie ist zu anspruchslos, ohne jeglichen Zierrat und ohne interessante Konstruktionsdetails erbaut, als dass sie einen kunsthistorischen Wert haben könnte, Alle markanten Merkmale der polnischen Holzsynagogen, als da sind: die reich gegliederten Dachformen mit reizvoll geschnitzten Giebelblenden, die malerisch gruppierten Anbauten, der phantastische Zierrat an Innen- und Aussenwänden sowie an sichtbaren Konstruktionsteilen fehlen vollständig. Das Bauwerk ist in einer Zeit erbaut, in der dieser Holzbaustyl sich schon verflachte und repräsentirt mit dem Kirchturme des Dorfes, der um 1753 erbaut ist, der Niedergang dieser Stilart. Scheinbar hat derselbe Baumeister beide Bauwerke inspirirt. An der Westvorhalle der Synagoge ist ein Halseisen aus Schmiedeeisen angebracht, welches offenbar als Pranger gedient hat. Ausser dem Chanukaleuchter, der aus dsm 18. Jahrhundert stammt, sind 5 Kronleuchter vorhanden, die aus älterer Zeit datieren, nachträglich siud als Zierrate Kartuschen mit den Initialen Friedrichs des Grossen angebracht worden. Das Material ist Messingguss. Auf der Frauenempore hängt ein Kronleuchter in ursprünglicher Form mit dem österreichischen Reichsadler. Der Almemor ist in der Mitte. In einem geschnitzten Seitenschrank befindet sich eine Pergamentrolle, welche die Haftarot enthält. Die Synagoge besitzt ferner 2 Aufsätze für die Thorarolle, aus Kupfer getrieben und versilbert, 23 cm. hoch, der kreisförmige Fuss und der obere kugelförmige Teil mit getriebenen, der zylindrische Schaft mit gravirtem Ornament. Dazu kommt ein Vorhängeschild vor das Betpult und mehrere, aus dem 18. Jahrhundert stammende Seidengewebe als Vorhänge vor den Thoraschrank. Der Friedhof ist weit älter als die Synagoge. Es finden sich zahlreiche wohlerhaltene Grabdenkmäler aus Holz, der älteste Grabstein datiert aus der Mitte des 17ten Jahrhunderts. (Nach Lutsch, Verzeichniss der Kunstdenkmäler der Provinz Schlesien, Bd. IV 2. Hälfte, Seite 260 f., ferner nach Mitteilungen des Herrn Kegierungsbaumeister Max Grünfeld in Kattowitz und nach, eigener Beobachtung.)

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