Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 101 — die Bücher als auch den Bestand an silbernen Wertgegenständen hatte der Sohn Joseph aus Posen, — der sich einer gewissen Wohlhabenheit erfreute und ohne Entschädigung zu beanspruchen, Mitglied des Rabbinatskollegiums in Posen war, — nach Schätzung der Sachverständigen angekauft. Die Bibliothek hatte er für 126 Tl. erstanden, den Silbervorrat für 26 Tl. — Einen besonderen Schmuck scheint der Henkelleuchter gebildet zu haben, den laut Bestimmung des Testaments der Schwiegersohn, der Rabbiner von Neustadt, erhielt. Natürlich fehlten die zwei Leuchter nicht, die von Messing waren, welche die Weihe der Freitag- und Festabende zu erhöhen hatten. Zur Habdala stand eine silberne Besamimbüchse 'zur Verfügung. Aus einfachem Metall war der Chanuckaleuchter und der Blaker. Zur gewöhnlichen Beleuchtung diente die Messinglampe, die wohl mit Oel getränkt wurde. Ein Lämpehen, ein kleiner Handleuchter und eine Laterne ergänzten den Bestand an Beleuchtungskörpern. Der Wäschespincl barg ausser der Wäsche der Hausfrau 9 Ueberzüge, 19 Kopfzichen, 10 Leintücher, 8 Handtücher, die bereits erwähnten 4 Tischtücher, 9 Männerhemden, 4 Paar Männerstrümpfe. Die anderen beiden Spinde dienten zur Aufbewahrung der Kleidung und hierin war wohl die Güter- oder vielmehr Platzgemeinschaft ausgeschlossen. Der eine war für die Garderobe der Frau bestimmt, deren Geheimnisse uns das Verzeichnis nicht verrät, der andere für die Kleidungsstücke des Gatten. Die Tracht Eliah Levin's war naturgemäss, da er aus Polen stammte, die polnische. An den festlichen Tagen trug er die lange seidene „Sehubetze", eine seidene „Bekesche* und eine Zobelmütze. Zu Hause benützte er zu seiner Bequemlichkeit den Schlafrock, und des Nachts durfte nicht die Schlafmütze fehlen. Bei der Auktion wurden an Kleidungsstücken an den Mann gebracht: 2 Bekesehe's aus Seide, 1 Bekesche von minderer Qualität, 1 Schubetze, 1 Pelz, 2 Zobelmützen, 2 Schlafmützen, 1 Schlafrock, 2 schwarze Ueberkleider, 2 Paar Unterkleider, 3 Paar Hosen. Wir sehen an der Kleidung wurde nicht allzusehr gespart. Am wertvollsten waren die Betten, die 10 lieber- und Unterdecken und 11 Kissen, von denen aber nur ein Paar Ober- und Unterdecken zum Verkaufe kamen. Die anderen hatten die Erben an sich genommen. Noch wäre der Kücheneinrichtung zu gedenken. Wurde auch ein Teil derselben, ebenfalls nach den Bestimmungen des Testators, der Witwe zum freien Gebrauche überlassen, so wurden doch alle Gegenstände der Küchen einrichtung von den Beglaubigten abgeschätzt, da sie nicht in das Eigentum der Ehefrau übergingen. Die Küche war verhältnismässig reichlich ausgestattet, denn ein Kasten und ein Esskasten fanden in ihr Aufstellung, ein Tisch, eine Bank, eine Fleischbank, zwei Wasserkannen, zwei Schäffer und Schöpfer und ein Dreifuss. An Küchengeräten werden 6 Kessel — wohl eiserne