Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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65 — kurze Zeit zur Erholung von den Strapazen des Weges und zur Anlegung einer neuen Toilette. Dann kam man wieder, „mit a Maseltow" (gut Glück wünschen) oder „Mekkabel punim sanu (begrüssen) zu ihm und den Seinigen. Eexchere Leute fuhren dem Bräutigam entgegen und begrüssten ihn mit Musik. Abends schickte die Braut dem Bräutigam, die obengenannten Kaphuhn und Fan- ' kichen", es fand sich bei ihm eine kleine Gesellschaft ein, die sich etwa um Mitternacht zum „Chussenmuhl" ins Haus der Braut begab. Am Tage der Trauung, gewöhnlich am Dienstag, war viel zu tun. Am frühen Morgen bereiteten die Sarwerns ein Zwug {Wasser zum Kopfwaschen) für die Braut,' wofür sie mit einem Rubel bezahlt werden mussten. Die Braut wusch sich tüchtig den Kopf und wartete auf ihre Freundinnen, die sich etwa um die Mittagszeit versammelten, um ihr die Haare zu kämmen und sie in ,,Zeplech varflechten", wobei die Mädchen viele dünne Zopfe zu flechten suchten. Das war der letzte Besuch der Mädchen bei der Braut, und sie entfernten sich, ohne der eigentlichen Hochzeit und dem Hochzeitsschmaus beizuwohnen. Uebrigens nahm auch die männliche Jugend an dieser nicht teil, und Führer der Brautleute waren und sind noch jetzt befreundete vor Kurzem verheiratete Paare, verheiratete Geschwister oder die Eltern der Brautleute selbst, und zwar je ein Paar von seiten der Braut und des Bräutigams. Die beiden Frauen sind Brautführerinnen, Interfihrerins genannt, während die beiden Männer Führer des Bräutigams, Interfihrers sind. . Es wird darauf geachtet, dass die Paare erstvermählte seien, sonst könnte es von böser Vorbedeutung für die Brautleute sein. Nachdem die Mädchen das Haar der Braut zu Zöpfen geflochten hatten, erschienen die Brautführerinnen und ältere Frauen „zim Basetzen der Kalle". Man führte die Braut in ein besonderes Zimmer, legte ihr im Beisein von Zeuginnen frische Wäsche an und half ihr Toilette machen, dann führte man sie in den Hochzeitsraum, wo ihrer schon der Badchen und die Musikanten harrten. Indem die Frauen sie auf einen Stuhl setzten und ihr die Zöpfe aufflochten, sagte ihr der Badchen in wehmütigem Rezitativton ^6ramu (Reime), dessen Inhalt aus dem folgende Beispiel klar ist. Alle Anwesenden weinten bitter, im Besonderen die Braut, die in dieser Pose im Kreise von älteren Frauen, das Taschentuch an die Augen gedrückt, bis zum Erscheinen des Bräutigams blieb. 1. A Kaie Msetzen, wus hot a Vuter in Mitter. Asoi Ti^Z schrei: , nUCm-diger Gott, cp-v. hob Wl TW piTin 2« Az?nf£er ich mit mein m baklejt Lieber Gott, ich bin jetzt gekimmen Mit dem wus er is mir vin mei var dir, Geboiren un geworen ungegrejt. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde, Heft XV. ©