Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 46 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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telegfäfov * ßiraOsläte 4i$?2dlt-2Kl * JLM s'״f% WlEN-BMTlSLAm prra na»., w Jahrgang / Nummer 46 fr: ר Redaktion und Administration: Wien«!1.» Malzgasse 12a, Telephon-Nr. A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz Nr. 37, Postfach 381־ / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlufi: Mittwoch Abonnementpreise: Ganzjährig; für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 130, das übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnnmmfer bst, Gr, 40♦ Zahlungen für »jüdische Presse«, Wien, auf folgende Post-, Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.038, Bu* dapest Nr. 30.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. YlII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für »Jüdische Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386. oRGnn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juoenTums Jüdische Briefe über Juden und Judentum ... Sie sind zweifellos im Rechte ,mit Ihre!־ Kluge, daß die schwere, ernste Zeit, die das jUdi* sehe Volk jetzt durchlebt, ein kleines Geschlecht vorfand, das seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Immer, wenn sich die Juden in einer Notlage hefanden, war ihr erstes Abwehrmittel die Ralliierung aller Kräfte, das Beiseiteschieben aller inneren Differenzen und Meinungsverschiedenheiten, das Zusammenwirken aller berufenen Faktoren. Dieses Zusammenhalten, die Parole »Alle für einen und einer für alle«, ermöglichte zunächst die Schaffung einer Einheitsfront, die einträchtige Ausfindigmachung einer geeigneten Plattform, die Schaffung eines Einheitsprogramnies. wie dem Uebel zu steuern wäre. Damit allein war schon viel gewonnen. Heute aber, obwohl die Gefahren, von denen Juden und Judentum betlrollt sind, ernster als Je sich über unsere Häupter zusammenballen, sind wir von einer solchen Einheit und Einigung ferner denn je. Nicht nur marschieren die verschiedenen Gruppen getrennt, um vereint geschlagen zu werden; auch innerhalb der einzelnen Gruppen machen sich die Auseinander- Setzungen , breit und lassen keine Einheitstaktik äufkommen. »Chojalc libpm ... aja < jepsphuipu!«, Da sie unter sich uneinig sind, werden sie seihst mitschuldig an ihrer Lage. Es genügt ein Blick auf die Vorgänge im zionistischen Lager, um zu erkennen, welche Ver- Leerungen dort die Auseinandersetzungen angerichtet haben und anrichten.־ Allerdings, die MeinungsVerschiedenheiten, die durch den bekannten Teilungsplan für Palästina ausgelöst wurden, sind sehr ernster Natur und lassen sich nicht ohne weiteres bereinigen. Aber das bedingt noch־ keineswegs die Ausartung־־ des Feder- und Redekampfes zu persönlichen Fehden, zu Verdächtigungen und ,Beschuldigungen. Man kann die Meihung des ,anderen sehr scharf bekämpfen, ohne ihm den guten Glauben absprechen zu müssen. Leider ist gerade das letztere Mode geworden und es ist leicht begreiflich, daß unter solchen Verhältnissen eine gegenständliche Behandlung des Problems unmöglich geworden ist. Hierbei muß aber auch auf eine Erscheinung hingewiesen werden, die besonders bemerkenswert und von den schädlichsten Auswirkungen ist. Vor den vielen Bäumen sieht man nicht den Wald. Man spricht so Adel von der Teilung, daß man den eigentlichen Hintergrund, die Möglichkeit der Schaffung eines jüdischen Staates, völlig aus den Augen verliert. Und doch sollte es anders sein: die Diskussion sollte sich nicht darum drehen, wie die Durchführung des Planes verhindert werden könnte, sondern Avie man diesen ummodeln könnte, um ihn genießbar und akzeptabel zu machen. Daran aber denken die Avenigsten — und desAvegen ist diese ganze Auseinandersetzung völlig unfruchtbar und es ist Avahrlich schade um die Tinte, die. hiebei A^erspritzt, um die Energie, die hiefiir Arergeudet Avird. Die Vorgänge in Palästina zeigen ja immer deutlicher, daß von de(• strikten Durchführung des Mandats im Sinne der Balfour-Deklaration keine Rede sein könne. Der Engländer huldigt seit jeher der Maxime: »Right or Avrong — my countryU (Recht oder Unrecht — es ist mein Land!) Ihm stehen die Interessen des britischen Imperiums höher als alles andere, selbst als jede Moral. Ob es uns paßt oder nicht —־ wir. müssen mit diesem Umstand rechnen. Paßt uns der englische Plan nicht, dann müßten wir I, uns eben zusämmenfinden, uni bessere Vorschläge zu machen. Mit dem absolute^ Festhalten an den .]Vlandatsbestimmungen Averden Avir kaum vorwärts kommen ... Aber die innere Zerrissenheit und die zuweilen bis zur Ekstase ausgeartete gegenseitige Verbissenheit läßt keine sachliche Arbeit zu — und eines Tages könnte auch Rieses so ernste Problem über unsere Köpfe hinweg einer Lösung zugeführt Averden, bei der Avir nur Objekt, nicht aber Subjekt sein würden. Wenn es schon im Lager der aktivsten diszipJiniertesten jüdischen Gruppe derart zugeht, darf man sich avoIiI kaum darüber wundern, Avenn der Stand der Dinge in den anderen Lagern nicht Avesentlich besser ist.. . Das jäßt sich soAVohl von den sogenannten Assimilanten, wie von den Glauheilst reuen sagen. Daß die‘Assimilation als Prinzip, als Programm völlig versagt hat, darüber darf es avoIiI keine Mei nun gSA^e r sein' ed enh eit geben. Das gilt auch für die Juden in den Westländern. Sie haben Aveniger unter Haß und Verdrängung zu leiden, werden aber noch immer als Sondergruppe betrachtet und behandelt, zunächst in gesellscliaftlieher Hinsicht, Avoran auch der Umstand; nichtsrändert, ->daß einzelneres־ sehr Aveit■ bringen und ziemlich hoch auf steigen. Diese Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Die Nichtjuden, auch, die Vorurteilslosesten, empfinden es immer unbe- Jiaglich, Avenn die Juden gesellschaftlich sich allzu A־׳ordränge11; sie haben immer mehr Achtung für diejenigen, die sich offen als [Juden bekennen und treu zur eigenen Fahne halten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß gerade in den Kulturländern die glaubenstreuen Juden sich der größten Wert- Schätzung erfreuen, Aveil sie : eben als Menschen gCAvertet Averden, die nach, bestimmten Grund sätzen leben und all ihr Tun und Lassen von festumrissenen Prinzipien geleitet wird, daß gerade diese Juden stets bereit sind, für ihre Ueberzeugung Opfer persönlicher und materieller Natur zu bringen — solche Menschen verdienen stärkstes Vertrauen auch in politischer Hinsicht. Dieser Umstand sollte aber den Glaubens■‘ treuen Ansporn sein, aktiver zu Averden, mit mehr Intensmtät als bisher ihre Grundsätze zu verkünden und für diese zu Averben. Statt dessen-sind sie, mit nur geringen Ausnahmen, meist passiv und nützen nur ungenügend die Chancen aus, die ihnen die Situation bietet. Sie begnügen sich, ihr eigenes Haus in Ordnung zu halten, ohne -zu bedenken, daß diese Taktik nicht hinreicht, um an- . eifernd und Averbend zu Avirken. Jeder Stillstand bedeutet einen Rückschritt, Wer nicht, nach vorAvärts drängt, bleibt im Hinter; gründe. Allerdings hat es Zeiten, und diese liegen nicht lange hinter uns, gegeben, avo die Glaubenstreuen infolge einer Verkettung A^erschiedener Umstände in die Defensive gedrängt Avaren. Heute aber ist die Situation eine andere. Heute sind Möglichkeiten für eine Werbearbeit im Sinne der Glaubens treue gegeben und sie sollten nicht ungenützt A^orübergehen. Man darf nicht übersehen, daß es gerade für die Glaubenstreueu oberstes Gebot sein müßte, nicht nur für die Erhaltung des heutigen Besitzstandes, sondern auch für Erhaltung und Ausgestaltung desselben für die michste Generation Sorge zu tragen. Daran hapert es ’? lei elfer — und: auch cla trägt vielfach -die Zerrissehr heit, die Eigenbrötelei und der Mangel an Weit- und Voraussicht die Schuld. Insolange nach diesen Richtungen keine Besserung der Verhältnisse einsetzt, ist eine wesent- V liehe Aenderung der allgemeinen Situation kaum zu erwarten. Klagen und Besclrwerden helfen da wenig. Es müßten Mittel und Wege zur ernsten Abhilfe gesucht Averden. Man muß nur wollen können oder können Avollen. Ein innerlich gefesligles Judentum Avird auch den Stürmen von außenher leichter Aviderstehen können. K—1., Aufruf! 1 Hunderte junge Landwirte, ja ganze Kibbuzim in Erez Jisroel haben gemäß dem Gebot der Thora im heurigen. Sclpnitto-Jahr die landwirtschaftlichen Arbeiten eingestellt. Die Erfüllung der;Mizwas Schmitto durch diese Träger wahren Thorageistes ist der ge- , waltigste Ruf, der in unseren sturmbewegten Tagen aus Erez Jisroel ertönt. Jedes jüdische Herz; ist ergriffen von dieser Bekenntnistat, die die Herrschaft G—ttes über Erez Jisroel proklamiert. Wenn diese Landwirte und Arbeiter, die auch sonst im schweren Kampf um ihre Existenz stehen, die Mizwas Schmitto mit Mesiras Nefesch erfüllen und nicht fragen; »Wovon werden wir leben?«, dann haben wir die ganz besondere Pflicht, unseren Brüdern zu helfen, damit sie G—ttes Wort rest- und sorgenlos erfüllen können. In Erez Jisroel hat sich ein Schmitto-Komitee gebildet, dem fast alle Rabbiner Erez Jisroels an gehören und an*. dessen Arbeiten sie innigsten Anteil genommen haben — an der Spitze Oberrabbiner D u s ^h i n s k y und die Oberrabbiner A m i e 1 und U s i e 1. Dieses Komitee hat sich die Aufgabe gestellt, die notwendigen Mittel zur Hilfeleistung für die Sclioinre Schmitto aufzubringen, sei es zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes, sei es, um sie bei anderen produkti\ en Arbeiten zu beschäftigen. Von diesem Komit^ und vom österreichischen Schmitto-Ausschuß ergeht daher der Ruf an alle jüdischen Brüder inTinserem Lande: Fördert den Sclumtfo~Fond$ Gebt mit vollen Händen und aus ganzem Herzen, fördert diesen heiligen Fonds. Erez ,Jisroel ruft, wer wird nicht hören und helfen! Das Schmitto-Komitee für Oesterreich; Rabbiner S. Fürst, Adas Jisroel, Wien Rabbiner J, Babtul, Wien Großrabbiner N. Mv Friedmann, CzortkoAv Großrabbiuer A. J. Friedmann, Sadagora; Großrabbiner A. Heschel, Kopecyncze. Die Öfhmar-Schil^PerilcKe PfirocHßit11.. GroBerzeuSuna preiswerte Wien I, Kärntnerring 6 Tel. U»4316־0־