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Jüdische Presse · 1937-10-15 · 35 (15.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
35 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novinovg vyplatne povölcne riadit post a telegföfW y Braiislave cis, 4i372.m20־ V. b. b. VHIAAAA rH6996 Zeitungen vom Veflogef 401V Journal expedie pat FäÜtettf, / na % WIEN-BRATISLAVA m 15. ORT. 1937 r ' י׳ העוון תרצ-ח; 23. Jahrgang ן Nummer 35 M Redaktion nnd Administration:. Wien, IL, Malzgasse 12a, Telephon-Nr. A-46-0-15: Tschechoslowakei: Bratislavas Republikplatz Nr. 37, Postfach 581 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar150 ־, das übrige Ausland Schw, Fr, 14, Einzelnummer öst. Gr. 40« Zahlungen für »jüdische Presse«, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr, 50.17Ö, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für »Jüdische ' Presse«, Bratislava: Prag Nr. 55.386. ORGAn für Die inTERessen oes 0RTH0D0Hen juoenTums Worte und Taten Der Appell Roosevelts (K-L) Der allmächtige Präsident cler mächügeh USA. hat sich angesichts der Weltlage veranlaßt gefunden, eine »helle Fanfare« ertönen zu lassen; in scharfen Worten geißelte er die Politik der Gewalt, verwies darauf, daß neun Zehntel der Menschheit den Frieden wollen lind hur ein Zehntel den Krieg; er sprach von der notwendigen »Quarantäne« gegen die Gefahr eines Umsichgreifens dieser Seuche und verkündete viele schöne Verheißungen, die tatsächlich, der Welt zum Heile gereichen können, wenn den;/Worten die — Tat folgen sollte. 1 VVorte und Taten!, •דhier hapert es schon. Während des Weltkrieges hat ein Vorgänger Roosevelts in gleich beredten Worten ein ebenso schönes Programm verkündet. Die 14 Punkte Wilsons wurden vielfach als eine neue Pfeilslehre bewertet, dazu bestimmt, das goldene Zeitalter'einzuleiten. Die Welt horchte־ atd und rauschte vor Begeisterung. Was ist aus diesen 14 Punkten geworden? Die USA. haben das Schicksal des Krieges entschieden,־ihren'׳Bundes״ genossen den Sieg verschafft;לך aber?als es sich, c! a r u-jp^an4§U§־Wi^W0 da versagte die Kraft des allmächtigen Präsidenten. ■der mächtigen USA. und es ist eine Neiiordnung der Internationalen Lage geschaffen •worden, die den Keim zu jenen Erscheinungen in sich barg, gegen die heute sein Nachfolger so scharf ins Feld zieht. . •ד \ .׳ Auch der Appell Roosevelts fand ein lebhaftes Echo. Aber wenn den Worten keine Taten folgen, dann wird sich das Schicksal der 14 Punkte Wilsons wiederholen. Die Welt ist heute mehr־ denn je. gegen Worte abgestumpft., Man zollt ihnen Beifall — aber läßt sie wirkungslos verhallen. Man , hört die Botschaft, doch fehlt der Glaube. Es kann auch nicht anders sein. ־Wenn Unrechte . mHHeinem Maßstab geduldet werden, dann ziehen diese weitere Kreise. Wenn man keineu Schutzkordoiv gegen die Seuche des Hasses und der Gewalt zieht, dann wirkt sich ,diese ansteckend aus. * ' Einst war es anders. Als das zaristische Rußland im Jahre 1912 einem jüdischen Bürger der USA. das Einreisevisum verweigerte, machte Präsident Taft nicht viel Worte, sondern erklärte den amerikanisch-russischen Handelsvertrag als gekündigt. Als in einem• Balkanstaat ein König von Verschwörern ermordet wurde und Gerüchte davon wissen wollten, daß sein Nachfolger mit den Verschwörern in Verbindung stand, dann unterhielt der König von England 10 Jahre lang keinen Gesandten an diesem Hofe, ja, damals hafte man noch Achtung vor Verträgen, hatte die Moral noch einen Kurs. ׳ Und heute? Die Welt schweigt, fwenn ein ganzes Volk geächtet wird. Die Welt nimmt es ruhig hin, ־wenn an Hochschulen »Ghettobänke« eingeführt -werden, trotz der Minderheitenklausein der:: Eriedensverträge; die Welt schweigt,' wenn ein Mandatsvertrag kurzer Hand als »um durchführbar« erklärt wird — und wenn man dann gegen Gewalt, gegen Vertragsverletzung, gegen Barbarei protestiert, dann klatscht man Beifall, läßt aber die Dinge ihren Lauf nehmen. Worte sind billig, Papier ist geduldig — wo Taten fehlen, fehlt auch das Heil. Die 10 Gebote, die am Sinai verkündet wurden und die bis auf den heutigen Tag trotz aller »Mystik des 20. Jahrhunderts« die Grundlage aller Kultur und Zivilisatiöfi bilden, beginnen mit dem ״Satze: »Ich, der Ewige, bin dein G—tt,• der dich aus dem Lande def 'Knechtschaft herausgeführt hat!« Diese Tat, die Erlösung eines ganzen Volkes von der Sklaverei? wird als das höchste Attribut für. G—tt bezeichnet, denn erst mit dieser Tat, mit der Verdammung der Gewalt, der Proklamierung der Gleichheit, aller Menschen, hat die Erschaffung der Welt, ihre Vollendung gefunden. Die Heilige Schrift beginnt mit den Worten »Berescliit bara« — am Anfang war die Tat — und diese Tat wirkt sich bis auf den heutigen Tag aus. Dort aber, wo es heißt, »Am Anfang war das Wort« — dieses Wort harrt noch immer darauf, in Taten umgesetzt zu werden. Der Worte sind genug gewechselt — wir wollen endlich einmal Taten sehen, dann erst wird der Menschheit das Heil erblühen! Die Palästina-Arbeit Her Agudas Jisroel Die Leitung des KereiV Hajischuw Die 3. Kenessio Ge'daiilo Lat vor aller Welt den Beweis erbracht, daß um die Fahne der Ag.uda thoratreue Massen des jüdischen Volkes,!;Männer wie Frauen, mit ihren rabbinischen Führern gesbhart sind. Abef die 3. Kenessio Gedaulo war zugleich ein getreues Abbild der organisatorischen und ideologischen Umfertigkeit, in dqr sich heute noch die Aguda befindöf. Ich _habe diese Unfertigkeit noch vor dein Kongreß in; einer Aufsatzfolge dargestellt und Vorschläge zur Abhilfe unterbreitet, die nach meiner Ueberzeugung lebensnotwendig sind. Die 3. K. G. hat ihnen nur zum geringStej1;:-:Teil'•.entsprochen;•Ich• habe daraus die Konsequenz..gezogen^ ■die mir das Bewußtsein׳ der Werantwortuug^'^i^Häd^^E^Mahuie״;rah;Tlefv%berStenj' Führung in sich?birgt,״■ ziir־Pflicht' machte: Ich habe 'eine Wieder wahl in den Zentral rat : und in den all weltlichen‘ Waad Hapoel, sowie den־ mir. angebotenen Eintritt in die1 Exekutive des Waad Hapoel abgeleh-nt. Es ist mein inniger Wunsch, daß die Erfahrung mich eines Irrtums in meiner Ueberzeugung zeihen möchte. Noch., am gleichen Tage, da ich von der Tribüne des Kongresses meinen Rücktritt־ vbn der Gesamtleituiig der Aguda erklärte, ließen mich• dief Vertreter fast aller agud'f-’ stischeu Jugendorganisationeil sowie namhafte Führer von Landesörganisationenvihre;innige VerbuUdenheit mit meinem bisherigen Wirken, ihr y6lies Verständnis für die von mir veröffentlichten Vorschläge:״ sowie '•ihrenherzlichen Wunsch wissen, unter meiner Leitung für unser ׳heiliges Land auch fürderhin, ja fürderhin erst recht zu arbeiten, hoffend, daß es mir gelingen;wefihle, den Keren Hajischuw allmählich zu einem von allgemeinen Wert rauen getragenen Instrument für ׳ die Lösung unserer praktischen Aufgaben in Erez Jisroel zu gestalten. Gleichzeitig eröffnete mir der neugewüliJte allweltliche Waad Hapoel durch weitgehende Autonomie des Keren Hajischuw in Verwaltung und Organisation die Möglichkeit, den Versuch zu machen, meine für die Weltägu-da bestimmten Vorschläge wenigstens im Bereiche des K. H. zu verwirklichen; Ich habe mich nunmehr'־ entschlossen, an die Spitze des gemäß den Beschlüssen de,s ,Waad Hapoel von bisherigen Hemmnissen mancherlei Art befreiten Geueraldirekt1^1־iums des K. H. zu treten. , Der Moment ist ein ernster. Der Glaube an die Fähigkeit der Aguda zu praktischen Taten in Erez Jisroel ist tief erschüttert. Die organisatorische Unfertigkeit der Aguda hat deii K. H. ohne gesicherte Einnahme׳ gelassen. Wirtschaftliche Unternehmungen, vielfach ohne hinreichende Erfahrung begonnen und ,mit nachhaltiger Stützung nicht, versehen, endeten in ej1}s|weiligem Mißerfolg unter Schädigung der Beteiligten. Der drängenden Not wurde nicht immer jene Härte entgegengestellt, die von kaufmünnisclien Grundsätzen gefordert werden müßte. Auf der Habenseite •.gilt, es von vorn anzufangen, indes die Sollseite ein gleiches nicht gestaltet. Das neue GeneraldirektoriuAi hat die Fehler, der Vergaiigenheit nicht zu . verantworten. Es bittet um die Einsicht, daß nur ein zu neuem Leben erweckter K. II. berechtig'ten Ansprüchen allmählich Genüge tun kann, daß die Auswirkung von Sanierungsmaßnahmen stets geraume Zeit erfordert, die Uebergangszeit aber stets die schwerste ist. ׳: ׳,־; ••'•_■■ Ohne die tatkräftige‘ und opferfreudige Mitarbeit all derer, die in geschichtlicher Ergriffenheit das unerhörte Geschehen unserer Tage erleben und daraus den Zwang und den Mut herleiten, sich selbst und.־all denen, die in der ,Reichweite ihres seelischen Einflusses stehen, die innere Wende zu unserer geweissagten Zukunft zu geben und dieser Zukunft' ihre Gegenwart zu weihen, ist das Unterfungen töricht. Auf diese Mitarbeit rechnet *dje neue Leitung. Darüber hinaus will sie innerhalb und ו außerhalb der Aguda all diejenigen kreise heranziehen, l die die' praktische Ziel- Setzung der Aguda in Erez Jisroel bejahen und sie zu fürdem bereit sind. . T Wegen der nächsten und dringendsten Aufgaben wird die neue Leitung selber an die Oelfentlichkeit treten. Jeruscholajim, im Tischri 5698. Di*. Isaac Breuer. Höret den Ruf unserer Poalim . . . Von Dr. Max C o h e n, Baden bei Wien. ,; : ‘'.־ ' > יי־•; I. , ' ־ ••’־£ Die schönen Tage:, von Marienbad sind yorüber, Delegierte und Gäste sind,in ihre Heimat zurückgekehrt, das ־׳. rtiig[icl1e Leben Vat ,die Meüschehj w,i^dar ‘ergriffen,; Die drücke der Kenessio Gedaulo verschwimmen, verflüch■ tigen sich. ׳ ־• In den Versammlungen der K. G. war jeder ergriffen '־, von dem Klageruf unserer Poalim aus Erez Jisroel, erschüttert lauschten wir ihren , Schilderungen, hörten •mit wachsender Sorge im eigenen Herzen, mit wieviel Entbehruugen materieller und ideeller Art der Panel im ,Heiligen?'':׳•; Lande zu kämpfen hat. Wie schwer es ihm gemacht wird, unsere Thora-Positionen in verteidigen, wie der stetig not- . wendige Abwehrkampf im umgekehrten Verhältnis steht ׳; zu der so mangelhaften Unterstützung und Ermutigung, durch unsere Organisation. . ־ f Wir alle haben gefühlt, daß die Poalim unsere Pioniere sind, daß sie unsere Aufgabe in Erez Jisroel; erfüllen, daß sie für uns die Thora-Wacht •vhalten im Heiligen Lande. Wir haben verstanden, daß wir an einer; . Zeitwende stehen, daß der Ruf des Allmächtigen an uns? ergeht, an das jüdische Volk,, ihm Sein Land zu bereiten; : ' auf daß Er die/ Möglichkeit habe, sich wieder darin niederzulussen.; Wir haben ihnen gedankt, unseren Soldaten, den Wächtern der Thora auf Heiligem Boden, unseren Poalim: Östemdclier! Wieder rille ich euch aul'?cum Kampfe gegen Hunger und Kälte. Beteiligt euch alle, Mann für.; Mann, jung und alt, an der . Wlnterfcrilie und spendet nach besten Kräften, wie es eurem, Stande, eurem Einkommen und Vermögen entspricht. Allen, die in den vergangenen Jahren die Winterhilfe gefördert haben, sei hiemit öffentlich gedankt. Mit ihrer Unterstützung ist die osterreichische Winterhilfe zu einem beispielgebenden und beachtlichen Erfolg im Interesse ihres Zwekkes geworden. An Jene, die bisher wenig oder nichts gegeben haben, trotzdem sie in der Lage hiezu gewesen wären, richte ich meinen besonderen Mahnruf:. Erkennet endlich eure Pflicht; die Augen eurer Mitbürger sind auf euch gerichtet! Wir wollen allen, die in Not sind, Familienvätern, ihren Frauen und Kindern sowie der., arbeitslosen Jugend wirksame Hilfe bringen. Dazu müssen alle, die es vermögen, ohne Ausnahme, entsprechend beitragen. ' ■ Wien, im Oktober 1937, Der Bundeskanzler; Schuschnigg־.’ Die Ottunar-Schitff-PerUcke Perücken CroBerzeuäuna preiswerte Qualitätsarbeit Wien I« Kärntnerring 6 Tel. U-43-0-16

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