Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 28 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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tetegrafov ■f 1e pnvniette Bratislave £in Mil polt & fT. 1* V* D« O« Zeifnngen vom Verleget versettde{ Journal expedid par redlteuf W1EN*BRAT18LAVA י• SF, AUGUST 1037 '׳ ־,^;מדצ״ןי נ 23> Jahrgang f Nummer 28 Redaktion und Administration: Wien, II,, Malzgasse 12a, Telephon׳־Nr. A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava» Republikplatz Nr. 57, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlnß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S ,16» Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw, Fr« 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für »Jüdische Presse«, Wien, auf folgende Tost- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr.■ 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Will, 4117, Berlin Nr. 122.619; für »Jüdische Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386. ORGfl 1 T$R orthodohgo juDemums :5 ’ Die Hemssia Qedaufo Die Stellungnahme der Kenessio Gedaulo zum Palästinaproblem Nach langwierigen, ernsten Beratungen cles Obersten Rabbinischen Rates hat die Kenessio Gedaulo ihre Stellungnahme zum Problem eines judenstaates in einer Entschließung formuliert. Obwohl — wie aus dem Verlauf der Diskussion bekannt — viele Gedaule .Hathora •und Zaddike Hador sich zu dieser Frage, unter bestimmten Voraussetzungen, mehr positiv eingestellt zeigten, lehnt die Entscheidung des Rabbinischen Rates die Zustimmung־ zur geplanten Teilung Palästinas ab und die Entschließung der K. G. ermächtigt die Exekutive der Agudas Jisroel, Verhandlungen mit der■ englischen Regierung und dem Völkerbund aufzunehmen, um die tatkräftige Durchführung des Mandats und um eine Lösung durchzusetzen, die den religiösen Bedürfnissen des jüdischen Volkes sowie seinen auf der Thora begründeten An- Sprüchen an das!!eilige Land entspricht. Diese Stellungnahme muß, trotz aller gegenteiligen Anschauungen, begreiflich und verständlieh gefunden werden. Die Haltung der Orthodoxie zum Palästinaproblem ist wesentlich komplizierter als diejenige der ^ande1:en jüdischen Gruppen und Faktoren. Währendes sich bei-letzteren hauptsächlich um pöjiti'Sclier^irtSchäftlic^he und teilweise philanthropische Momente handelt, kömmt für die Qlaubenstreuen i nersterLinie das r e 1 i g־ i ö s e Moment in Betracht — und nach dieser Richtung sind Konzessionen unmöglieh und unzulässig. Die Orthodoxie kann und wird nie ihrer Ueberzeugung entsagen, daß die Erlösung des jüdischen Volkes nur im Sinne der biblischen Verheißungen erfolgen könne, d. h., daß die Rückkehr zur Thora die. Voraussetzung für die Geula sei. »Kehret zu mir zurück und ich werde zu euch, zurückkehren!« Eine rein politische Lösung, noch dazu eine solche, die den Grundsätzen der Thora nicht entspricht und dieser sogar vielfach widerspricht, kann nicht von Erfolg und Dauer sein — es hätte somit wenig Sinn, einen Staat aufzurichten, der zu einem neuen Churban verurteilt wäre. Deswegen kann die, Orthodoxie sich für einen Plan nicht erwärmen, der keine Garantien für diese Voraussetzungen schafft. Aber abgesehen davon müßte die Errichtung eines Judenstaates, in dem die Gebote der Thora nicht zur Geltung kommen würden, auch die Lage der Glaubenstreuen in den Golusländern wesentlieh erschweren. Wie könnten sie von den nichtjüdischen Faktoren in diesen Ländern die mögliebste Berücksichtigung ihrer religiösen Wünsche und Forderungen hinsichtlich Schemirat Schabbos, Schechita, Ehegesetze, religiöse Erziehung usw. verlangen, wenn in einem eigenen jüdischen Staate diese religiösen Vorschriften nicht absolut in der Gesetzgebung und in der Praxis verankert wären? Deswegen könnte ein Judenstaat für die Glaubenstreuen hur dann von Wert sein, wenn dieser im Geiste der Thora geleitet und verwaltet würde. Würden die liiefür nötigen Garantien vorhanden und geboten sein, dann ließe sich über die politischen Momente, Grenzziehung, Wirtschaftliehe Fragen usw. leichter ein Kompromiß erzielen. Freilich, eine ausdrückliche Zustimmung zum Teilungsplan wäre auch vom religiösen Standpunkt unzulässig — aber »aunes rachmono potrei«; dort, wo ein Notstand vorliegt, könnte man schon unter ausdrücklichem Protest einen Modus für die Akzeptierung findem Sind aber die Garantien religiöser Natur nicht gegeben — dann hätte es keinen Sinn, hinsichtlich der Grenzziehung usw. Konzessionen zu machen, da der auf nichtreligiöser Basis zu errichtende Staat nach der Auffassung der Glaubenstreuen ohnehin keinen dauernden Bestand haben könnte. Das ist der eigentliche Sinn der Stellungnahme des Rabbinischen Rates und der K. G. Auch die Glaubenstreuen, die; hinsichtlich der politischen Momente des Judenstaatsproblems anderer Meinung sind, müssen die Richtigkeit dieser Schlußfolgerungen anerkennen und ihr weiteres Verhalten darnach richten. Sie geben damit nicht im geringsten ihre Hoffnung auf die Geula min haschomajim auf, sie sehnen diese mit allen Fasern ihres Herzens herbei und werden ihre tägliehe Tefillo »Welejeruschplajim ircho berachmim toschuw« so lange fortsetzen, bis der ewige Vater im Himmel sich seines Volkes erbarmen und ihm die Geula schelemo, die volle Erlösung, im Sinne der messianischen Verheißungen, zuteil werden lassen werde. Dann werden alle politischen Schwierigkeiten und Komplikationen von selbst verschwinden. *V In der Plenarsitzung vom 23. abends, die bei übeHüRtem Saale unter größer; Spähuüng stattfänd, -brachte Präsident:JRosenheifn die, Elntscheir düng des Rabbinischen Rates zur Palästinafrage zur Verlesung; Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel ist in seinen vom 10. bis 16. Elul (18. bis 23.,'August) anläßlich der Kenessio Gedaulo in Marienbad stattgehabten Sitzungen nach Beratung des zur Zeit für die jüdische Gesamtheit aktuellen Erez Jisroel-Problems zirfölgenden Entschließungen gelangt:! I. Der Rabbinische Rat erklärt‘, 1a) Unser Heiliges Land ist uns vom Herrn der Welt in ewigem Eid- und Bundesschwur geschenkt worden, auf daß־’wir darin die Gesetze der Thora und ihre Gebote verwirklichen und dort ein Leben der Thora führen. Das jüdische Volk ist daher seinem Lande mit allen Fasern seines Herzens und seiner Seeie für alle Ewigkeit unlösbar verknüpft, b) Nachdem wir ob unserer Sünden aus unserem Laifde ins Exil wandern mußten, hat G—tt uns durch seine heiligen Propheten verheißen, daß er uns dereinst durch seinen Gesalbten erlösen wird. Der Glaube an diese Verheißung ist eine der Grund- Jagen der jüdischen Religion, verbindlich für jeden Juden, c) Der Anspruch des jüdischen Volkes auf das Heilige Land wurzelt daher in der Thora und den Propheten, den Boten G—ttes. d) Der Bestand eines jüdischen Staates ist nur möglich, wenn dieser Staat das Thoragesetz als Grundgesetz des Staates und die Staatsführung die Herrschaft der Thora anerkennt. Ein jüdischer Staat, der diese Anerkennung nicht gewährt, bedeutet eine Verleugnung der jüdischen Geschichte, eine Negation des wahren Wesens der jüdischen Nation und eine Untergrabung ihrer Existenz. Ein derartiges Gemeinwesen verdient nicht den Name» eines jüdischen Staates.; II. Der R. R. erklärt, daß die C^enzen unseres Heiligen Landes durch G—tt, den SchöpferdjJes Himmels und der Erde, in seiner heiligen Thora für alle Zeiten festgesetzt worden sind. Es ist daher unmöglich, daß das jüdische Volk seinerseits in irgend einer Weise auf diese. Grenzen einen Verzicht ausspreche. Jeder derartige Verzicht wäre null und nichtig. ' . - ץ III. Der R, R. erklärt, daß nach dem Daas Thora Verhandlangen und Beschlüsse über das Schicksal von Erez Jisroel, des Erbes des ganzen jüdischen Volkes, nicht geführt werden können ohne Zuziehung der bevollmächtigten Vertretung des thoratreuen Judentums. Verhandlungen über den Kopf des thoratreuen jüdischen Volkes hinweg'widersprechen Recht und Gerechtigkeit» ' IV. Der R. R. wendet sich an alle Juden der Welt mit׳ dem heißen, flammenden Aufruf, in dieser Stunde geschichtlicher Entscheidungsschwere der Agudas Jisroel zu Hilfe zu kommen in ihrem Werke des Aufbaues jüdischen Landes im Geiste der Thora und Emuno, ihr zu helfen in ihrem Kampfe um die Rettung der Heiligkeit Erez Jisroels und seiner Reinheit, ihrem Ringen um die Stärkung des orthodoxen Jischuw, in ihren Anstrengungen, dem gesamten Leben, des jüdischen Landes den Stempel der Thora und Emuno aufzudrücken. Auf daß Erez Jisroel G—ttes Land bleibe, das Land, auf das Seine Augen stetig gerichtet sind, auf dem Seine Herrlichkeit erstrahlt und von dem aus G—ttes Königsjierrschaft sich offenbaren wird vor den Augen aller Völker.* Die auf dieser Proklamation basierende Entschließung der Kenessio Gedaulo lautet: 1. Die Kenessio Gedaulo kann — bei aller Würdigung des Strebens der Peel-Kommission nach einer objektiven Lösung — dem von ihr vorgeschlagenen jüdischen Staat nicht zustimmen. 2. Die Kenessio Gedaulo hält die tatkräftige Durchfiihrung des Mandates, verbunden mit einer zielbewußten Politik der Versöhnung zwischen den Juden und den Arubern für möglich. 1 5. Angesichts der ungeheuren Notlage von großen Teilen des jüdischen Volkes erachtet die Kenessio Gedaulo die von dem Command Paper vorgesehene einstweilige Einschrönkung der Alijah und des Bodenerwerbs für untragbar. 4. Die Kenessio Gedaulo ermächtigt und beauftragt die politische Exekutive, Verhandlungen mit der englischen Hegleping.und, ,depn 7 Völkerbund.a,\1f^ipielunen,;uijrv , $ne ^'Lösung durchzüsetzen, die den, religiösen und materiellen Bedürfnissen des jüdischen Volkes sowie seinen äuf der Thora begründeten historischen Ansprüchen an das Heilige Land entspricht. Die Proklamation des Rabbinischen Rates und die Ent- Schließung der Politischen Kommission würden vom Plenum der Kenessio Gedaulo ohne Diskussion durch Erheben von den Sitzen angenommen. Die Aguda-Jugend stimmte religiöse Lieder an und vollführte einen Tanz. * Die erste Plenarsitzung Am Mittwoch, den 18. August, vormittags .10 Uhr, eröffnete der Präsident, Herr Jacob Rosenheim, die erste Arbeitssitzung und übei^gab satzungsgemäß den Vorsitz an den Präsidenten des Zentralrates. Herrn Oberrabbiner Aron Lewin, Rzeszow. Der Vorsitzende gedachte in ergreifenden Worten der vielen teuren Dahingeschiedenen, die die Agudas Jisroel seit der zweiten Kenessio Gedaulb verloren hat. Nach der Wahl des Präsidiums erstattet Präsident Rosenheim den Tätigkeitsbericht. Der Redner ei'klarte, daß die Aguda den Tag von Herzen betrauere, an dem orthodoxe Juden die Einheit des gesetzestreuen Judentums durch ihren Beitritt zur zionistischen Organisation zerrissen haben. Die Aguda ersehne den Tag, an dem die Misrachisten aus der zionistisehen Organisation austreten und dadurch die Herstellung der orthodoxen Einheitsfront auf der Welt gesichert sei. Unsere Hand strecken wir allen entgegen zur Bildung einer Einheitsfront für G—tt und sein Gesetz. Der Präsident berichtete sodann über die Beratung des Rabbinisehen Rates. In der Frage der Teilung voji Erez Israel wird der Rabbinische Rat nach Anhörung der Redner der K. G. Resolutionen fassen und der Oeffentlichkeit übergeben. Zwei Meinungen des Rabbinischen Rates dürfe er aber jetzt bereits mit dessen■ Genehmigung mitteilen,; nämlich daß auch der Rabbinische Rat feierlich festgestellt .׳!habe, daß die Grenzen von Erez Jisroel von G—tt festgesetzt worden sind und daß, falls der Juderistaat unter Führung der sozialistischen Histadruth geschaffen werde und demgemäß ein Aufbau gegen, .zumindestens ohne G—tt durchgeführt werde, dieses neue Palästina bereits bei seiner Gründung dem Untergang geweiht sei. Keren Hathora und Beth Jakob müßten, um ihrer gewaltigen Aufgabe gerecht werden zu können, einer neuen Leitung unterstellt werden. Der Redner wandte sich dann den Problemen zu, die. eine Lösung im Interesse des gesetzestreuen Judentums verlangen und sprach in diesem Zusammenhang über den Einfluß, den die Agiida in der Frage der Kalenderrefo.rm bei den maßgebenden Stellen zu gewinnen versuchte, ebenso in der Frage der Schächtverbote, in der Frage der unter dem Druck der Zwangseinlieitsgemeinden stehenden orthodoxen Juden in Oesterreich, in der Frage der Sch wie-; i)if utsm/etto f>uAOiHit<u*0*u*L0 ” WW ‘ WWWw^mww■ WmWWW : . Illlllimillllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllliailllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll1 AUS dßt uiffiAokfiuutfu ■וווןווןווווןןןוןוןווווווו)1וו1)1ו1)1וו!1)1ווןןןןןןוןווווווווווןוןווווווו1)11ןןןווווןןוו1וו1ו1ווןן1)1ו1ו I. Kärntnerrfng 6 י Tel»11»4316י0י