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Jüdische Presse · 1937-08-13 · 26 (13.8.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
26 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kenei VVrenn man die Bedeutung der in den nächsten Tagen in Marienbad zusammeiitretenden III. Kenessio Gedaulo voll würdigen will, muß man einen Rückblick; aut* die Geschichte der Agudas Jisroel werfen. Als 1911 von Frankfurt riet* erste Ruf zur Gründung einer Weltorganisation der Glaubenstreuen unter dem Namen »Agudas Jisroel« erging, wurde dieses Unterfangen vielfach als eine »Spielerei der Frankfurter« belächelt und hämisch glossiert. Besonders jene Kreise, die bisher gewohnt waren, bei allen Gelegenheiten die orthodoxen Massen in ihre Fahrwasser zu ziehen und ins Schlepptau zu nehmen, konnten sich nicht genug über den Versuch lustig machen, diese politisch unaufgeklärten und passiven Massen in Bewegung zu setzen und aktivisie- ■reu zu wollen. Man wußte auch, daß die Führer der Orthodoxie im Osten jeder modernen Organisationsform abhold sind und daß für viele derselben die vom Rabbi von Beiz ausgegebene Paröle galt: »Chodosch ossur, min Hathora!« (Jede Neuerung ist von Thora wegen verboten!) Sie glaubten, es werde im äußersten Falle möglich sein, die geplante neue Organisation zu verwässern und auf Abwege zu führen, ebenso wie es־ ihnen geglückt war, eine kurz vorher von den GraRrubbineru von Czortkow, Husiatyn; Sadagora, Bojan usw. in die Wege geleitete Aktion zur Ralliierung der religiösen Massen im Osten mittels verschiedener Spitzfindigkeiten und Tricks auf ein anderes Geleise zu bringen und unwirksain zu machen. Ein besonders beliebtes Schlagwort war hierbei das Argument, daß die »Frankfurter« doch kein richtiges Verständnis für das hätten, was den Orthodoxen im Osten besonders wichtig und heilig sei, und daß daher eine Zusammenarbeit der Glaubenstreuen in Ost und West kaum möglich sein dürfte. Aber auch in den breiten Massen der östlichen Orthodoxie fehlte es nicht an derartigen Bedenken und auch dort stand man zunächst der neuen Bewegung passiv und skeptisch gegenüber. Bald jedoch zeigte es sich, daß all diese Befürchtungen, Bedenken und Hoffnungen trügerisch seien. Der Ruf aus Frankfurt fand im Osten ein lebhaftes Echo; große Führer der Thora und der jirali, hervorragende Autoritäten wie Rabbi Cliajim Soloweiczyk (Brest-Litowsk), s. Z. I., die führende Chassidimrabbis von Ger, Czortkow üsw. schlossen sich der neuen Bewegung an und stellten sich vielfach an die Spitze derselben. Und als kaum ein Jahr später, im Frühjahr 1912, in Kattowitz die erste Konferenz der Agudas Jisroel zusammentrat, da erkannte man, daß eine Zusammenarbeit zwischen den Glaubenstreuen in Ost und West sehr gut möglich ist. Da verstummte der Spott und der Hohn und da trat die verbissene Gegnerschaft auf den Plan. Man lächelte nicht mehr über die Agudisten, sondern versuchte, sie zu bekämpfen, mit den bekannten Mitteln und Mittelchen, die schon bei anderen Gelegenheiten zum Ziele führen konnten. Diesmal aber mußten sie versagen. Die Agudas jisroel nahm schon in ihren ersten Stadien eine überaus günstige Entwicklung, und wäre nicht bald darauf der Weltkrieg gekommen, sie wäre schon nach der für 1914 geplanten ersten Kenessio Gedaulo zum ernsten Faktor im gesamtjüdischen Leben geworden, Der Ausbruch des Weltkrieges brachte einige Hemmnisse in ihrer Entwicklung; aber schon damals zeigte es sich, wie groß die Wirkung war, die. von der Aguda ausging, ln Wien konnte die Agudas Jisroel einen V Zentralpunkt für die orthodoxen Flüchtlinge biIden, und in Polen übernahm die Aguda nach der Vertreibung der Russen und der Okkupation durch die Mittelmächte vielfach die Führung der jüdischen Gesamtinteressen in die Hand. Nach und nach konnte sich die Agudas Jisroel wirksam durchsetzen. Die 1. pnd II. Kenessiot, die in Wien tagten, zeugten für die Kraftentfaltung des orthodoxen Judentums in Ost und West. Im Osten konnten die Agudisten im öffentlichen Leben eine maßgebende Rolle spielen, Vertreter in die gesetzgebenden Körperschaften entsenden, die Leitung großer Kehilloth übernehmen und in allen jüdischen Gemeinden die Pos tu late der Orthodoxie zur Geltung bringen. Die Agudas jisroel ist seitens der jüdischen und der nichtjüdischen Oeffentlichkeit als Faktor anerkannt worden, mit. dem man rechnen müsse. Alle Versuche, mittels Verleumdung.xund Verhetzung die Agudisten zu diskreditieren und auszuschalten, waren zum Scheitern verurteilt. Sie konnte sich überall einschalten und auf den ihr gebührenden Einfluß Anspruch erhebend Vergeblich waren die Bestrebungen, sie von der Mitarbeil am Aufbauwerk im Heiligen Lande mit der vorn damaligen Zionistenführer Sokolow geprägten Parole auszusclui 1 teil:׳• »Mi.sehetorach hebfew4ScLäy?QS4j.R1־Lcbel י beschabbos!« (Wer a ni Frei tag gekocht, darf am Sch.ab.bos mitessen!) Wenn die Agudas Jisroel in der ersten Arbeitsperiode sich an der Palästinaarbeit nicht aktiv beteiligte,! so aus dem Grunde, daß sie zuerst innerlich erstarken und ihre Organisation ausbauen mußte, •bevor es ihr möglich sein würde, im Heiligen Lände im Sinne ihrer . Postulate tätig Zu sein. Nach , der ersten Kenessio Gedaulo, als die Agudas Jikröel stark und angesehen dastand, erhob sie bereits ihre Stimme und formulierte ihr Forderungsprogramm: der Jiscliuw Erez Jisroel müsse al tahalrath hakaudesch vor sich gehen; das Heilige Land müsse heilig bleiben und die Thora müsse dort herrschend sein. Allen Abdrängungsversüchen gegenüber konnte sie sich an den maßgebenden Stellen durchsetzen und heute nimmt die Aguda hinsichtlich,der Palästinafragen diejenige Position ein, die ihr qualitativ und quantitativ gebührt. Die P arolen der Agudas Jisroel haben in allen Ländern der Diaspora Anklang gefunden. Ihre positive Arbeit für Thora ynd Chinuch wird allgemein gewürdigt' und wenn ihre Vertreter in den nächsten Tagen in Marienbad zur III. Kenessio zusammentreten, dann wird es sich um eine K11 ndgebu ng der glaubenstreuen Juden handeln, die nach innen und außen imponierend wirken wird. Daß die Palästinafragen in den •Beratungen der Kenessio einen breiten Raum ein nehmen werden, ist angesichts der Aktualität dieses Problems nur natürlich. Die Agudas Jisroel wird sich auch hinsichtlich dieses Problems nicht von Schlag- Worten leiten lassen, sondern ihre Forderungen im Sinne ihres Programmes formulieren: wenn schon die Frage der Schaffung eines judenstaätes aufs Tapet gelangt ist, so muß dieser Staat in erster Reihe ein j ii d i s c h e r sein, seine Basis kann nur die Thora und die unverfälschte Tradir tion bilden. Wenn einmal die Juden die Möglichkeit haben würden, über ihre inneren Verhältnisse ohne Einflüsse von außen her zu entscheiden, dann dürfen keine wie immer gearteten Ausredeu die absolute Beobachtung der religiösen Gebote und Verbote behindern. Nur dann wird dieser Staat Bestand haben und nach und nach die Grenzen erreichen, die unsere Sehnsucht befriedigen. In der gleichen Zeit aber, da die Kenessio über das Palästinaproblem beraten und beschließen wird, wird sie auch die anderen Pos tu late des religiösen judentums nicht aus dem Auge lassen und darnach trachten, ihre hierzu bestimmten Organe, wie Keren Hathora, die Beth-Jakob- Schulen, die ,^idmnd-Thorothund Jeschibot — kurz alle liisti^utiönem «die die Verwirklichung- -;*"י des Aguda- Programmes zum, Ziele haben,' äuszu- . bauen u ncl zu vervollkommnen. D i eil I. K er n es s i o s o l l, gerade in unserer so ernsten Zeit, 1 e i ne g r oße Man i £ e s t at io n des r e 1 i g i ös e n Judentums s e i n, sie soll all das Öflehtlieh zum Ausdruck bringen, was das?Herz der 7 Glaubenstreuen bewegt. Sie wird unsere Sorgen und Schmerzen, aber auch unsere unerschütterliehe Zuversicht, unser starkes Gottvertrauen, unsere Entschlossenheit, auf dem als richtig befundenen Weg weiterzuschreiten und die unter; nommene Arbeit bis zum Enderfolg fortzusetzen!, manifestieren und verkünden. ln diesem Sinne und in dieser Erwartung darf die III. Kenessio Gedaulo von allen Glaubenstreuen begrüßt werden. Die »Jüdische Presse« wird bei der Kenessio durch Spezialberichterstatter vertreten sein. Die nächsten zwei Ausgaben des Blattes werden ausführliehe Berichte über die Beratungen und Be- Schlüsse der Kenessio bringen. die Agudas Jistael und iUt JMiigkeUsptagtatHtH. Die Agudas Jisroel-Weltorgan/isation, die •in ׳London ihren Sitz hat auid Zweigorganisationen in faßt allen Ländem Europas, in Palästina und Amerika besitzt, ■ist die anerkannte Repräsentantin der orthodoxen Judenh/eit der Welt. Sie vertritt die religiösen Ädeale des geschichtlichen Judentums und7 es ist ihr in jnühevoller 25jähriger Organisationsarbeit igelungen, dip* thoratreuen Massen dies jüdischen Volkes politisch reif zu machen, so ׳daß sie endlich im Stande sind, sich in der, Kulturwelt wieder Gehör zu verschaffen. »Agudas Jisroel« verwirft den religiösen Nationalismus als eine •geschieh fcs widrige Entstellung der jüdischen Tradition, ebenso aber auch den g—ttentfremdeten Liberalismus; und marxistischen Sozialismus, der weite Kreise ׳des jüdischen Volkes mit ■sich gerissen hatte. Der jetzt unter der Bezeichnung »Dritte Kenessio Gedaulo« bevorstehende Weltkongreß, ist eine Tribüne, von der nach außen wie nach innen die Ideologie der »Agudas Jisroel« verkündet und bedeutungsvolle praktisehe Beschlüsse zu den schwebenden politischen, ׳wirb schnftlichen und kulturellen Problemen gefaßt werden sollen. Der Kenessio Gedaulo voran geht die Sitzung des »Großen Rabbinisohen Rates«, dem die hervorragend- , sten. geistlichen Führer der J^enheit, an ihrer ׳Spitze der' ' weltbekannte Wilnaer •Rabbiner Chajim Oser Grodzenski, aber auch zahlreiche westeuropäische rabbinäsche Größen angehören. Die Sitzung wird sich unter anderem mit der Frage des geplanten jüdischen Staates in Palästina und ihrer religiösen Problematik sowie mit zahlreichen brennendeu Fragen des religiösen Gemeinschaftslebens innerhalb und außerhalb Palästinas zu beschäftigen haben. Die Kenessio. Gedaulo selber bringt zunächst ein sog, Tendenz-Referat des bekannten palästinensischer! Äguda- Führers Dr, Isaac Breuer» eines durch zahlreiche /Schrifteil weit bekannten philosophischen und politischen Denkers, der •innerhalb der!agudistischen Weltorganisation einen י— nicht allgemein geteilten — ausgeprägt palüstinözentrischen ׳Standpunkt vertritt. In der aktuellen Frag© der Teilung Palästinas nach den Vorschlägen der Royal Commission wird die Kenessio |I«N \A ftfdffltiafli! *w. ■ ■ יוייין“. üwif (f.. וןןןוווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווןוןוווווווווווווווןווווווווןווווווווןו aUS *b* utoQlAnbAuulou UuushuaubjeHiHo : ▼w m?wP m. wPPlflP■ f lffff Hilf MllllUlllllIlIMmillllllllltlllllllimillllllllLllllllllinmillllll’MIIKIIIIIIIIIIllllllllllllII I. Kärntnerring t U-43-0-'

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