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Jüdische Presse · 1937-06-11 · 22 (11.6.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
22 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*teviitsire vfolatne pövölenß Hadlt paSt & * * Zelttingenvont Verlege* versendet täeg^fov v ßratisiave äs. 41572-01-20 T. ö. t Jotttnal expedlö pa* l^diteöf JM| mJLm m₪^ M UU 3QDIGCHG M m, ט׳ Öl, 7anrS0.jg / nunmer ÖS Redaktion Und Administration: Wien, II., Malzg, 12a, ׳Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikpiatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 10, Tschechoslowakei K« 80, Jugoslawien Dinar 100, das Übrige Ausland Schw, Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr, 40. Zahlungen für ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 120.058, Budapest Nr. 80.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. jRGfln fOr Die imeRessen Des ORTHODOHen JuDenTums Jtmdsdum Kürzlich meldeten die Blätter den Tod Jascha Gamarniks, des politischen Leiters der Roten Armee. Es war kein freiwilliger Tod. Das steht fest, ob nun die offizielle Mitteilung auf Wahrheit beruht, daß Gamarnik nach Aufdeckung seiner ״sowjetfeindlichen Umtriebe“!Selbstmord ׳begangen hat, oder die. andere Version richtig ist, daß er von G. P. U.-Agenten erschossen wurde. Zur gleichen Zeit berichteten die Zeitungen, daß der bekannte russische Schriftsteller ■ Kuprin — ein Monarchist, der im Jahre 1919 mit den Resten der konterrevolutionären Wrangel-Armee ins Ausland geflohen war — im Einvernehmen mit dem Pariser russischen Botschafter in die Heimat zurückgekehrt ist, da er, Kuprin, zur Erkenntnis gelangt sei, daß ״in Rußland der nationale Geist im Erstarken begriffen wäre“. Zwischen diesen beiden Meldungen, der vom Tode Gamarniks und der von der Heimkehr •Kalprins, besteht ein wenn nicht unmittelbarer, so doch ursächlicher Zusammenhang. ׳Denn was sonst als der Fall Gamarnik ■— der keineswegs als Einzelerscheinung, sondern als zum!momentanen System gehörig gewertet werden will — hätte den ehemaligen Weißgardisten vom ״Erstarken des nationalen Geiste© in Rußland"!überzeugen können? Was sonst hätte ihn versöhnen können, wenn nicht eine ״Säuberungsaktion“, die just die jüdischen Führer erfaßt. Ja, Gamarnik war von Geburt — Jude. Und ebenso ■waren es Trotzki,!Sinowjew, Kamenew, Rade׳k und Rosenberg, der vielgenannte Gesandte in Spanien. Und wenn es auch kein Antisemitismus ״europäischer" Prägung ist, der diese Opfer fordert, so kann es andererseits kein Zufall sein,• daß die weitaus ־ meisten derer, die jetzt — wie‘ die "Söv^jetpresse־ ־־ ״!zartfühlend schreibt — ״wie tolle Hunde ausgerottet werden", jüdischer Abstammung sind. Der nationale Geist erstärkt — und da kann man eben Juden nicht brauchen! .Nein, man hat es den Trotzki,!Sinowjew, Kamenew und iRadek nicht vergessen, daß sie einmal •Bronstein, Apfelbaum, Rosenfeld und Sobelsohn geheißen haben. Man hat es sich gemerkt, daß sie von jüdischen Müttern geboren waren, obwohl sie selbst es so gründlich vergessen hatten. Vergessen? Vergessen ist etwas!Unwillkürliches!, Passives. Die jüdischen Kommunisten aber haben bewußt jeden Gedanken an ihre Herkunft in sich ausgelöscht, haben sich mit Wut!und Gewalt gegen alles gewandt, was sie daran erinnerte. Sie waren es, die das russische Tarnopoler Raw 1צ״ל In Tatarow ist im Alter von 71 Jahren der Tarnopoler Raw, Rablbi Nahum David Menachem Monisch Babad s. Z. 1. verschieden. Mit ihm hat das polnische Judentum und darüber hinaus das Thorajudentum der ganzen Welt eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten verloren. Der stille Rabbiner, der sich den politischen Tageskämpfen stets fernhielt, lebte völlig der Thora. Und diese wieder lebte in ihm. Unaufhörlich schöpfte er aus der Tiefe seines Geistes und Wissens und fast täglich schuf er im Kreise seiner Talmidim — zu denen eine Reihe hervorragender Rabbiner gehört — neue ״Chiduschim“. In seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit unterließ er es aber, diese niederzuschreiben, und verbat es sich auch, daß sie von seinen Schülern gesammelt werden. Nur ein geringer Teil seiner Responsen ist unter dem Titel ״Chawazeles Haschoraun“ erschienen, ein Werk, das die höchste Bewunderung in der Fachwelt hervorrief. Der Heimgang des großen Gaon, glühenden Juden und herzensguten Menschen hat auf das polnische Judentum niederschmetternden Eindruck gemacht. An der Lewajoh haben Tausende teilgenQmmen, darunter viele Rabbiner mit Rabbi Nachum Friedmann aus Wien an der Spitze. Ueber der ganzen Stadt, deren Ruhm und Stolz der Abberufene gewesen war, lag tiefe Trauer, als wollte sie sagen: ״Wehe um die, die verlorengehen, aber nicht vergessen werden!“ חנצב*ד. וזי־ע ועכ׳י אמן. Judentum geistig umgebracht, . die den Väterglauben als ״Konterrevolution" Verfolgt, die• die Unbeugsamen gemärtet Und gequält haben. Sie waren es, die da© Wort G-ttes verboten, seine Häuser für Parteizwecke verwendet, seine. .Feiertage zu Kampftagen gegen Ihn proklamiert haben. Es hat ihnen aber nichts genützt! Und wir, die wir an eine höhere Gerechtigkeit, glauben als die der sowjetischen Volksgerichtshöfe und!selbst Stalins, meinen, daß es ihnen sogar geschadet hat. Wir sehen in dem Schicksal, das sie alle ereilt, eine Vergeltung für das, was sie getan, eine Strafe für das, was sie verschuldet haben. j ,!Eine Talmudstelle!kompnt uns in׳ den Sinn. Als Rabbi Aki'ba — so wird dort erzählt — im Kerker den Tod erwartete, sah er sich eines Tages einem wohlbekannten Mann gegenüber. Es war Pappus, dessen Vater noch Jehuda geheißen hatte. Er war — nicht nur mit seinem Namen — mit der Zeit!gegangen!und hatte einmal Rabbi Akiba zur Rede gestellt, dessen Treue zu G-tt doch gegen die Gesetze Roms verstieße. Nun harrte ihrer das gleiche!Schicksal. ״Heil dir, Rabbi Akiba!" rief da Pappus. ״Du lässest dein Leben für dein Heiligstes. ■Doch ich — wofür sterbe ich? 0׳b ein . solcher Gedanke den jüdischen Kommunistenführern, wenn sie!mit verbundenen Augen an die Wand gestellt werden, durch den Kopf geht?! * Die Beseitigung der jüdischen Kommunistenführer in Rußland dürfte dem Reklameminister G ö b b e 1 s und seinem Ohor nicht geringe Verlegenheit bereiten. Wie soll , die Nazipropaganda — nachdem die antisemitische Pornographie und der 1Ri׳t׳ualmofd,«£n die •Kompetenz Julius Streichers fallen — ohne ״j >ü d i.s c h e n ■Bolschewis■ mus" auskommen? Oder hat man sich in ■Berlin den neuen Verhältnisse bereits angepaßt und auf eine Kampfmethode gegen das Judentum ä Ja Reichstagsbrand umgestellt? Für diese Annahme scheint der Fall Helmut Hirsch zu sprechen. Dieser 20׳jähr.ige Jude war i׳m Dezember mit einem Staatenlosenpaß und dem Visum des deutschen Kons'ulates in Prag nach Stuttgart gereist und dort unmittelbar nach seiner Ankunft verhaftet worden. In einer geheimen Verhandlung wurde er wegen angeblicher Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens zum Tode verurteilt und trotz der Intervention d,er U. ■S. A. — die Hirsch als ihren Staatsbürger anerkannt hatten — dieser Tage h i n g e r i c h t e t. Daran ist allerhand auffallend. Vor allem, daß der Prozeß in aller Stille durchgeführt wurde, was gewiß nicht geschehen wäre, fall© ■die deutsche Justiz ein gutes Gewissen — wenn das Wort in diesem Zusammenhang erlaubt ist — gehabt hätte. Wie kam es ferner, daß ein Konsulat des Dritten Reiches einem staatenlosen Juden eine Einreisebewilligung erteilte? Ebenso läßt die hermetische Absohließung d,es Angeklagten, ■zu dem nicht einmal sein!Rechtsanwalt Zutritt hatte, verschiedene Vermutungen zu. Der Grundsatz der neudeutsohen Justiz lautet bekanntlich: ״Recht ist, was dem deutschen Volke — lies: den Gewalthabern — nützt!"!Es ist nicht aus- Nach einer Pause von acht Jahren werden in wenigen Wochen wieder die gewählten Vertreter der in der Agudas Jisroel organisierten orthodoxen Judenheit 111 Marienbad ziisammentreten. TTnter der Führung unserer religiösen und geistigen Wegweiser, den Mitgliedern des Rabbinischen Rates, werden sic den Willen des jüdischen Volkes zu verkünden und Stellung zu allen aktuellen Fragen der glaubenstreuen Judenheit zu nehmen haben. Es ist eine Stärke der agudistischcn Weltbewegung, daß sie eine offene Kritik, soweit sie zielfördernd und gut gemeint Ist, nicht nur verträgt, sondern auch wünscht. Und es liegt im Wesen einer religiösen Bewegung begründet, daß eine solche Kritik sich 111 erster Linie den organisatorischen Fragen zuwendet. Denn man darf sich nicht täuschen, 25 Jahre sind wohl nur eine kurze Epoche im Wandel der Geschichte. Sie haben 111 anderen Fällen kaum ausgereicht, eine Bewegung überhaupt entstehen zu lassen. Die 25 Jahre, die seit der Kattowitzer Gründungsversammlung der geschlossen, daß diese einen jüdischen Attentäter g ebraucht haben. Und so mußte es ״Recht" sein, däß ein junger Jude sein Leben ließ. Der Nationalsozialismus ist der Ahtipode des .Bolschewismus. Beide befinden sich an entgegengesetzten Punkten der Peripherie der Menschlichkeit. Doch draußen, außerhalb der Menschlichkeit — da treffen sie sich. ü* Neben dem Mord an Helmut Hirsch haben die Nazi versucht, ein andere© jüdisches Leben — allerdings in übertragenem Sinne — auszulöschen. Vor kurzem feierte nämlich die ׳Hamb׳urg־Amerika־Linie d,as Fe£t ihres neunzigjährigen Bestandes. .. Alle deutschen Zeitungen haben au© diesem Anlaß Artikel veröffentlicht, in denen da© Werden der ältesten und größten deutschen Schiffahrts-Gesellschaft ausführlich geschildert wurde. Der Name des Mannes jedoch, dem die Hapag ihren ungeahnten Aufstieg verdankt, •bljieib unerwähnt. Die Fachzeitschriften brachten die Porträt© der früheren Generaldirektoren der Gesellschaft. Nur das Bild des Mannes, der sie zu ihrer Höhe geführt, fehlte. Ja, selbst das!Schiff, das seinen Namen über die Meere trug, wurde ■umbenanmt •und heißt jetzt ״Hansa“ und nicht mehr ״Albert B a 11 i n“. Denn Albert ,Ballin war Jude. Und das ist im heutigen Deutschland Grund genug — da man dem Toten nicht zu Leibe gehen kann — sein Andenken auüzutilgen. Was tut’© dagegen, wenn der gegenwärtige Generaldirektor der Hapag zugetoen muß, daß der Aufschwung der Gesellschaft um ■die Mitte der Achbzigerjahre begann, also von dem Zeitpunkt an, da Ballin ihre Leitung übernahm? Der Umstand, daß er Jude war, überwiegt alle Tatsachen. ־ Albert Ballin hat im Jahre 1918׳ den Freitod gewählt, da er den Zusammenbruch des Vaterlandes nicht überleben zu ■können glaubte. Was •hätte er angesichts de© weit schlimmeren geistigen Zusammenbruches,, ,den Deutschland־!heute< erieidet,־׳!getan?־::;רלד- ־־־!!!!Die Freundschaft dieses Deutschland mit Polen ist letztens ,ziemlich ins Wanken geraten. Allerdings nur in politischer Hinsicht; denn in •moralischer Beziehung wird sie immer wirksamer. Soeben ■hat ■das Warschauer Gericht den Juden Leib Cihatzkelewicz, der am 1. Juni 1936 in Minsk-Mazowiecki den Sergeanten Bujak erschoß, zum Tode verurteilt. Die unmittelbaren Folgen der Tat sind noch ׳ in allgemeiner furchtbarer Erinnerung: ein grauenhafter Pogrom, bei dem drei Juden ihr Leben ■lassen mußten. Gerade damals standen die Przytiker Mörder vor Gericht, die die jüdische Familie Minkowski buchstäblich ausgerottet hatten. Sie wurden frei gesprochen, . weil ihre Opfer eben — Juden waren. ,Leib Obabzkeleiwicz aber, der nach dem übereinstimmenden Gutachten der 16 Geriohtssachverständigen g e i s t e s!g e s t ö r t ist,, wird die Todesstrafe zugedaoht, •weil — wie au© dem Plädoyer des Staatsanwaltes klar hervorgeht — er wieder Jude ist. Grundsatz der polnischen Justiz ist jetzt: Judentum ist ein Milderungsgrund, wenn der •Angegriffene Jude war. Judentum ist ein •Belastungsmoment, wenn der Angeklagte Jude ist. Einst sagte man: ״Die Welt mag untergehen, die Gerechtigkeit bleibe bestehen!" Heute muß man wohl sagen: Wenn diese ״Gerechtigkeit‘’ bestehen bleibt,, ■dann •mag die Welt untergehen! e. g. Agudas Jisroel verstrichen sind, lassen wohl eine imposante und erfolgreiche Tätigkeit auf allen Gebieten erkennen׳ Ist es aber auch in diesem Vierteljahrhundert gelungen, alle unsere Brüder und Schwestern, die nach Ihrer Lebensführung and Wel ta 11 s c 11 a u 11 n g z u u 11 s g e 11 ö r e 11, z 11 erfasse!1? Es scheinen Fehler in den organisatorischen Aufbau der Agudas Jisroel sieh eingeschlicheii zu haben, deren verhängnisvolle Folgen wir auch i!1 Wien und in der Tschechoslowakei beobachten können. 111 Wien ist es die Rivalität zwischen einem in dieser Hinsicht unberechtigten Lokalpatriotlswius und dem ihm entgegenstehenden Wunsch, unterschiedslos alle religiösen Glaubensb rüder unter die Fahne der Agudas Jisroel zu sammeln. In der Tschechoslowakei wieder Ist es eine mindestens ebenso unberechtigte Furcht vor der sogenannten Opposition von rechts und ein gewisses Mißtrauen gegen die Führer der Agudas Jisroel aus dem Westen. So wird in Wien u 11 d in der Tschechoslowakei eine anl'blUhende Entwicklung der Der 3. Kenessio Gedaulo entgegen ||||||||||||||illllllillljlllllilll!!lllllllllllllllillll!lll!!llllllllllll|llllll|lllllllllllllllllllllllllllllilllllll!!llllllllllllllllllll!!IIIIIN aus des wetMmuteu HuuslwetkstäUe Othividr Schiff Wien I, Kärntnerring 6 י Telephon U-43-0-16

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