Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 21 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novlnove vyplatnfe porolenfi fiadlt post & tefegraföV v Bratislava 6is. 41572-111-20 *1 il n 1 efiftie uuuiwunc versendet ^p6dl6 par l^dltetif Wl£N> BRATISLAVA 4. JUNI 193? סיח תרצ״ז rrs $3. Jahrgang / Nummer 21 Redaktion and Administration: Wien, II., Malzg. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, ]Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlnß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brilnn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 103.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. orgrd für Die mTGRessen Des 0RTH0D0Hen juDentums Der Kenessio Gedaulo entgegen Vom 11. bis 16. Ellul Wird die Kenessio Ged a u 1 o tagen, der Kongreß des historischen Judentums, des Judentums der Vergangenheit und der Zukunft. Die Resolutionen und programmatischen Be- Schlüsse, die dieser Kongreß fassen wird, werden nicht die Forderungen und politischen Richtlinien einer Bewegung innerhalb des Judentums sein, sondern des Judentums schlechthin. Dehn ״Judentum“ ist nicht die. Summe aller jüdisch geborenen Menschen, sondern die jüdische Idee, der Geist der Thora, der eben in Agudas Jisroel verkörpert erscheint. Noch immer, wenn Vertreter der Judenheit zu Beratungen zusammentraten, waren die Zeiten ernst. Auch die erste Kenessio Gedaulo, und noch mehr die zweite, waren von der Not des jüdischen Schicksals umdüstert.. Doch einer so dunklen und schweren Epoche wie der jetzigen sah sich kaum ein jüdisches Konsilium je gegenüber. Und wie um das Bild der Trostlosigkeit, die uns umgibt, zu vervollkommnen, wurden uns in der Zeit seit der zweiten Kenessio unsere Größten und Besten entrissen. In wem der unauslöschliche Eindruck der einzigartigen Versammlung, vom 5. Ellul 5683 lebt, dem ergeht es wie den Alten bei Einweihung des zweiten Bes-Hamikdosch, die, -:-, während die Jungen jubelten — in schmerzlicher t ^rauer an die Herrlichkeit des ersten Bajis dachten. Ja, auch wir haben einen Kohen Godaul an einem großen, feierlichen Tag gesehen: Rabbi Israel Meir Hakohen auf der ersten Kenessio Gedaulo, den das Thorajudentum als Chofez Chaim anbetete. Nun weüt er nicht mehr unter uns. Und mit ihm nicht mehr der Czortkower Rebbe, den die Chassidimwelt verehrte, Rabbi Moscheh Mordechai Epstein, dem die jüdischen Gelehrten huldigten, Rabbi Meir S c h a p i r a, der Lubliner Raw, den die Jugend verg־tterte, Dr. Nathan Birnbaum, den die Gebildeten ehrfürchteten, und Dr. Leo Deutschländer, den alle liebten. Doch auch der Jubel der Jungen hatte einen Sinn! Was uns geblieben ist, ist Anlaß genug, der Vorsehung zu danken. Sehen wir einmal um uns und dann ins eigene Lager. Und wir werden finden: was, mit dem Maßstab des wahren Judentums gemessen, von Wert ist, befindet sich bei uns, in A g u d a s Jisroel. Bei uns ist der Ge rer Rebbe, der bedeutendste Repräsentant des polnischen religiösen Judentums, ist Jakob Rosenheim, der Führer der deutschen Orthodoxie, sind Rabbi Ch aim Oser, der Godaul Hador, und Rabbi E1 c hon on W a ss ermann, Siegelbewahrer des Chofez Chaim s.Z. 1., die beiden überragendsten Gestalten im litauischen Judentum. Und mit ihnen sind bei uns, die hinter ihnen stehen; klingende, verehrungswürdige Namen und Massen ungenannter jüdischer, wahrhaft jüdische?; Menschen ■— die großen Aktiven des jüdischen Volkes, die jetzt eben zur Bilanz, zur Kenessio Gedaulo, gerufen werden. Es ist das Charakteristischeste an der agudistisehen Politik — wenn man den Dienst für G־tt und Thora überhaupt ,,Politik“ nennen darf —, daß sie, rückwärtsschauerid/ vorwärtsblickt. Von steter Rück- Sicht ist der Weg der Agudas Jisroel bestimmt. Denn der Weg nach vorwärts soll eigentlich zurück uns führen, zurück zu Th oras Jisroel und zurück nach Erez Jisroel. Weil aber das Land uns nur ward, damit die Lehre sei, müssen wir jenes dieser ünterordnen. Weil die Geschichte beweist, daß wir ohne Lehre im Lande nicht bleiben können, die Lehre uns aber, wenn wir das Land verloren, gleicherweise erhalten hat wie wir sie — gebührt ihr der uneing-e s c kr ä n k t e P r-i m a, t •;vor allem •anderen*;״ Vondiesem Gesichtspunkt aus wird das jetzt in ein besonders akutes Stadium getretene Palästina- Problem zu behandeln sein. Ebenso wird unter dem Aspekt der Souveränität der Thora über die Fragen der Sozialärbeit, der Siedlung und Um- Schichtung und der Volkserziehung' beraten werden. Das religiöse Judentum wird seine Stimme weithin hören lassen und im Namen des jüdisehen Gesetzes zu allen Problemen des jüdischen Lebens Stellung nehmen. Das Gewicht und die Resonanz dieser Stimme hängen allerdings von den thoratreuen Massen ab, in deren Hand es liegt, die Kenessio Gedaulo zu einem machtvollen Instrument ihres Willens zu gestalten. Jawohl in ihrer Hand! Denn nichts kann so sichtbar zur Stärkung der Organisation des thoratreuen Judentums beitragen wie ein durchschlagender Erfolg der Sloim-Aktion. Darum heißt es jetzt: Alle Hände in Bewegung setzen! S1 o i m kaufen, S1 o i m verkaufen! Im Ellul wird sich's ״bezahlt“ machen. Parlament wird befragt שלח לך Rabbi Jizchok erzählt: Als der König Schlomoh die Tochter Pharaos ehelichte, kam der Engel Gabriel und legte den ersten Grund zu jener Stelle, an der später Rom erbaut wurde. (Sanhedrin, 21.) Jisroel sollte sein Staatenleben nur auf Wahrheit und Thora gründen, es sollte sich immer dessen bewußt sein, daß seine Existenz nur von G־tt und Seiner Lehre getragen wird. Es darf nicht den Weg der anderen Völker gehen, die ihre Macht dem Schwerte und den politischen Bündnissen danken. Es muß herausgehoben sein aus dem Kreise der Nationen, deren Stärke in der Rüstung ihrer Heere, in der Geschicklichkeit ihrer Diplomaten und in Verträgen mit anderen Staaten besteht. Es soll ganz auf sich gestellt sein, es hat nur dann Daseinsberechtigung, wenn es sich nicht als Nation wie andere Nationen, sondern auch im Staatenleben nur als ״Jisro-öl", als Träger der Thora und Künder der Wahrheit, begreift. Vergißt es diese besondere Aufgabe, will es nichts anderes sein, als ein Volk wie jedes andere, dann trifft es auch das Geschick der anderen, es wird im’ Kampfe zwischen den anderen Mächten zerrieben und verliert seine Selbständigkeit. Dieser Weg läßt sich durch die ganze jüdische Geschichte hindurch verfolgen. Zuerst verlor Juda sein Land, als es sich in den Kriegen zwischen Mizrajim und Babel als das Werkzeug Aegyptens benützen ließ. Der zweite jüdische Staat ging zugrunde, als er, durch den Bruderkrieg der Hasmonäer geschwächt, das Opfer Roms wurde, das als Schiedsrichter angerufen worden war. Das will Rabbi Jizchok uns sagen: Als Schlomoh, der Friedensfürst, die ägyptische Königstochter heiratete und durch die verwandschaftlichen Bindungen mit dem mächtigen Mizrajim Jisroels Stellung zu stärken hoffte, hatte-er seine Aufgabe, Fürst eines Volkes zu sein, das sich nur durch G-tt allein erhalten kann,. vergessen. Damit hatte er den ersten Schritt getan,'der zum Untergange Jisroels — der Besieger Judas wird hier durch Rom personifiziert — führte. Diese Verkennung der Jisroels-Aufgabe hatte auch im Gefolge, daß das Volk, das aus Mizrajim gezogen war, das verheißene Land nicht betreten durfte, wie die Thora erzählt. Durch den Bericht der Kundschafter erschreckt, glaubten sie, zu schwach zu sein, um das Land zu erobern. Sie legten den Maßstab der anderen Völker an sich selbst und dachten, daß nur eine an Zahl der Krieger und an Waffen überwältigende Uebermacht das Land in Besitz nehmen könne.!Sie hatten vergessen, daß Jisroel nur durch G־tt und durch die Thora siegen kann, und hatten sich dadurch selbst das Todesurteil gesprochen. Es ist nicht nur ein rein äußerliches Zusammentreffen, daß die Rückkehr der Kundschafter und der sich daran anschließende Aufstand am neunten Aw war, an jenem Tage, der mit düsteren Lettern in das Buch der jüdischen Geschichte eingeschrieben ist, der Tag, an dem Jisroels Staat zweimal den Untergang gefunden hat und an dem der letzte heroische Aufstand der Juden gegen die Römer zusammengebrochen ist. Alle diese Katastrophen gingen auf die gleiche Ursache zurück. Jisroel ist nicht eine Nation unter anderen Nationen, nicht ein Volk wie andere Völker und Erez Jisroel nicht ein Land wie jedes andere! Jisroel kann nur das Volk der Thora und Erez Jisroel nur das Land der Thora sein! Nur dann haben jüdisches Volk und jüdisches Land ihre Existenzberechtigung! Rabb. 8. Löwy, Hamburg. Nach Juda — Rom Reichsminister Goebbels hat gegen die katholische Kirche eine Rede gehalten, die jeden Menschen von anständiger und reiner Gesinnung mit Abscheu erfüllen muß. Es war eine Rede so voller Schmutz und Geifer, daß sich die österreichischen Behörden genötigt sahen, ihre Verbreitung durch die reichsdeutschen׳ Zeitungen zu verhindern. Und dennoch hat sie bei den vielen tausenden Zuhörern Enthusiasmus und wilde Zustimmung ausgelöst. ״Aufhängen!", ״Schlagt sie tot!“ hat die fanatisierte Menge gerufem und diesmal nicht die Juden, sondern den katholischen Klerus gemeint. Es ist nicht lange her, daß die gleichen Rufe gehört wurden. Damals haben Herr Goebbels und Konsorten ihr Gift gegen die Juden gespritzt. Die jüdische Welt war entsetzt. Auch im katholischen Lager gab es welche, die darüber bestürzt waren. Die meisten aber ließ das Schicksal der deutschen Juden kalt und' viele haben sogar zufrieden geschmunzelt. Diesen — die mehr Judenhasser als Christen sind — vergeht wohl auch jetzt das Lachen nicht. Die große Masse der Katholiken aber und besonders ihre Führer haben, schaudernd erkannt, ׳daß der große Feind der Juden auch ihr eigener ist. Ob diese späte Erkenntnis, was Deutschland betrifft, nicht zu spät gekommen ist, bleibt abzuwarten. Wo sie aber rechtzeitig gereift ist, kann es niemals zu früh sein, um daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Kolonienminister Ormsby-Gore gab auf eine Anfrage über den Bericht der Kgl. Kommission folgende Erklärung ab: Ich erfahre, daß der Bericht der Kgl. Kommission Mitte Juni unterzeichnet werden wird. Bevor der Regierung der Bericht nicht vorliegt, kann eine Entscheidung über die Prozedur nicht getroffen werden. Man hofft, daß es der •Regierung 1Sr. Majestät möglich sein wird, ihre Schlußfolgerungen aus dem Bericht ohne Verzug zu ziehen und sie zugleich mit dem Bericht zu veröffentlichen. Selbstverständlich wird dem Unterhaus die übliche Gelegenheit geboten werden, den Bericht und die Schlußfolgerungen der Regierung gemeinsam zu diskutieren. OrmsbysGore als Märchenerzähler In der Unterhaussitzung vom 26. Mai bestritt Kolonienminister Ormsby-Gore, daß für die Fest- Setzung einer so niedrigen Einwanderungsschedule für die Monate April bis Juli 1937 politische Gründe maßgebend gewesen seien. Der High Commissioner habe für die Monate April bis einschließlich Juli die Zulassung von 770 Einwanderern auf Grund der Arbeiterschedule , bewilligt; die Festsetzung der Schedule in diesem Umfang sei nicht infolge einer Aenderung der Palästina-Politik der Mandatarmacht erfolgt. Zweifellos habe sich der High Commisisoner ausschließlich von den üblichen Kriterien leiten lassen, denenzufolge er die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas in Rechnung zu ziehen habe. (Noch zweifelloser aber ist, daß die von der Regierung eingesetzte Kommission zur Feststellung der Lage auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt, die aus einem Juden und zwei Arabern bestand und festgestellt hatte, daß 8000 neue Arbeiter sofort Arbeit finden könnten, von wirtschaftlichen'Gesichtspunkten aus geurteilt hat. Red.) Die arabische Propaganda ״El Liwaa“, das Mufti-Organ, erzählt in einem Berieht aus London von den ״Erfolgen der arabisehen Delegation“ in England. Es wäre ihr gelungen, verschiedene einflußreiche Persönlichkeiten für die arabischen Forderungen zu interessieren. Die Delegation hätte auch ein gemeinsames Vorgehen aller arabischen Führer erzielt, die zu den Krönungsfeierlichkeiten nach London gekommen waren. Die arabische Propaganda — wird mit Genugtuung berichtet — arbeite still, aber intensiv und erfasse sogar die englische Geistlichkeit. Der BandensKleinkrieg Die arabischen Banden haben zum Wochenende wiederum eine lebhaftere Tätigkeit entfaltet. An Die Otlunar-Seliiff-Perücke — preiswerte Qualitäts arlieit Perücken■ C^|!1flC Großerzeugung WdliTlCil Jtllll I Wienl, Kärntnerring 6 Telephon U-43-0-16