Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 20 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 20 setti s JÜDISCHE DRESSE Die (Diener T0lm0d*Tl10r0-Schule FDP lu j 1\ Am vergangenen Sonntag fand die ordentliche Generalversammlung des Wiener Talmud-Thora-Schul- Vereines statt, in einem meisterhaften Referat schilderte der Generalsekretär und Direktor der Schule, Herr Rabbiner Dr. Joel Pollak, die wundervollen Fortschritte der Schule und die hervorragenden Leistungen der Lehrerschaft, die sich nun ganz aus jungen Menschen unseres orthodoxen Kreises zusammensetzt. Trotz des enormen Geburtenrückganges konnte die Schule in den letzten Jahren die Schülerzahl Um rund 50 Prozent erhöhen. Direktor Dr. Pollak schilderte die finanziellen Nöte der Anstalt, der unsere orthodoxen Brüder nicht die verdiente Mitarbeit gewähren, und verlangte, *daß die Wiener Isr. Kultusgemeinde ihre Subvention in ausreichender Höhe und würdiger Form gewähre. Wenn in der Debatte immer wieder eihe angebliche Interesselosigkeit der orthodoxen Kreise bemängelt wurde, muß doch wenigstens an dieser Stelle gesagt werden, daß die Orthodoxie — die im Vergleich zu den Mitgliedern der anderen jüdischen Kreise ungleich höher für Klallangelegenheiten finanziell belastet ist — sehr wohl mit ihrer ganzen Opferfähigkeit hinter der Talmud-Thora- Schule steht. Wie ein Mann würde •sie sich erheben, wenn es jemand wagen sollte, an den Geist oder den Bestand der Schule in ihrer jetzigen Form Hand zu legen. Daß allerdings die orthodoxen Massen dieses Interesse nicht bei jeder Gelegenheit öffentlich manifestieren und daß sie nicht durch tägliche Mitarbeit die schwere Last zu tragen helfen — dieser Vorwurf kann ihnen nicht erspart werden. Die Talmud-Thora-Volks- und * Hauptschule für Knaben und Mädchen mit Oeffentlichkeitsrecht in Wien, II., Malzgasse 16, wird zur Zeit in 16 Klassen (8 Knaben- und 8 Mädchenklassen) geführt. Die Zahl der Schüler bewegt sich um 500. Die aufrichtige Frömmigk e i t und die heimattreue Gesinnung, welche den Kindern frühzeitig eingeprägt wird, geben der A uf- Sichtsbehörde und der höheren Schulverwa'- t u n g der Gemeinde Wien stets Anlaß, dieser Schule wohlwollendes Vertrauen zu bekunden. Dies bedeutet ein außerordentlich großes moralisches Kapital für die Schule; es wirkt sich aber auch insofern materiell aus, daß der Stadtsenat der Gemeinde in Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Anstalt ihre Räumlichkeiten von der Mietaufwandsteuer befreit hat. Ein besonderes Kapitel voll Anerkennung und Bewunderung verdient die Lehrerschaft an dieser Schule. Dieser Lehrkörper besteht aus jungen religiösen Lehrern und Lehrerinnen, die ihre jugendliche Begeisterung und ihre treue religiöse Ueberzeugung aufopferungsvoll dem Unterricht und der religiösen Erziehung der dieser Schule anvertrauten Jugend widmen. Ihnen gebührt heißer Dank und aufrichtige Bewunderung seitens der Elternschaft und Schulverwaltung. Dank diesen Leistungen ist das Intersse der weiten Schichten der Orthodoxie in erfreulichem Anstieg begriffen. Die Vereinsleitung .wirbt in erhöhtem Maße für eine z a h l r e i c h e M i t g l i e d s c h a f t, die sich als ständige und tragfähige Grundlage für den moralischen und materiellen Bestand der Schule bewähren soll. Besonders erfreulich ist die Anhänglichkeit der ehemaligön Schülerschaft, die heute — itt den verschiedenen sozialen Schichten des Berufslebens verteilt — in freudiger Erinnerung nach ihrer ehemaligen Schule wie nach einem Zentrum, von dem für sie Kraft und Mut im religiösen und wirtschaftlichen Leben ausstrahlt, blickt. Die materielle Lage des Schulvereines ist nicht befriedigend. Zwei tragende Pfeiler des finanziellen Gleichgewichtes — Elternbeiträge und allgemeine Spenden — sind infolge der furchtbaren wirtschaftlichen Krise in den letzten Jahren erschüttert worden. Diese haben bis zum Jahre 1935 je ein Fünftel des rund 100.000!S betragenden Jahresbedarfes betragen und sind seither jährlieh um 10 Prozent zurückgegangen. Pflicht der Orthodoxie bleibt es, durch sorgsamstes Interesse für den guten Besuch der Schule, durch ihren Beitritt als Mitglieder, durch Werbung von Freunden und Förderern, durch persönliche Teilnahme an den Veranstaltungen der Schure und durch finanzielle Hilfe die treue Zugehörigkeit zu diesem ältesten und größten Kulturwerk der Orthodoxie in Wien zu bekunden. Gesamtverband der Blindenvereine fordert Aufhebung der Arierparagraphen Wie Wir gemeldet haben, hat die Vereinigung blinder Musiker in Wien die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Daraufhin wandten sich die jüdischen Mitglieder der Vereinigung mit einer Beschwerde an den Gesamtverband der Blindenvereine Oesterreichs, der nunmehr wie folgt entschieden hat: Die Vereinigung der blinden Musiker wird aufgefordert, bis zum 20. Juni 1937 die Einführung des Arierparagraphen aufzuheben, ansonsten die Vereinigung für aufgelöst erklärt wird. 1 Kreditverein ״Ahavvas Chesed“. Es ist. bereit.«? eine Reihe von Monaten her, daß sich in aller Stille im Kreise der Schiffschul der Verein ״Ahawas Chesed" gebildet hat. Zweck dieser Gründüng ist es, Angehörigen des jüdischen Mittelstandes durch Gewährung zinsenloser Darlehen zu helfen. In der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Be• Stehens konnte der Verein bereits! sehr Ersprießliches leisten. Als Einlaufstelle fungiert ab nun die Kanzlei der Adas .Tisroel, wohin die Ansuchen zu richten sind. Liederabend Max Mühlstock. Montag abend hatte das jüdische Publikum Gelegenheit, einen vielversprechenden jungen Künstler zu hören. Max Mühlstock, der sich erst vor kurzem der künstlerischen Laufbahn zuwandte, verblüffte ’die Zuhörerschaft durch musikalische Sicherheit und erlesenen Geschmack im Vortrag jüdischer Lieder. Er verspricht nach entsprechender Vorbereitung ein Sänger größeren Formats zu werden. Für die exquisite Begleitung sorgte der junge Pianist E. F r e n k e 1. Das Publikum zollte den Künstlern den gebührenden Beifall. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe. Den dieswöchigen Schabbosvortrag hält Herr Dr. Bogner. Grabsteinsetzung. Am Dienstag, den 22. Siwan (1, Juni),, um halb 12 Uhr vormittags!wird die Mezewoh auf dem Grabe des Herrn Friedrich Fischer s. A. gesetzt. (Zentralfriedhof, 4. Tor). SCHECHOS Die Entwicklung des tschechoslowakischen Handels mit Palästina Die Tschechoslowakisch - palästinensische Handelskammer in Prag hielt am 18. Mai unter dem Vorsitz des Dr. Jan Trebicky ihre dritte ordentliche Generalversammlung ab, welche zugleich eine Bilanz über vier Jahre Handelsbestrebungen mit Palästina war. Außer einigen jüdischen und arabischen Gästen aus Palästina nahmen an der Versammlung die Vertreter der vier Wirtschaftsministerien und zahlreiche Mitglieder aus den Kreisen der Industrie und des Handels teil. Die Tschechoslowakische Handelskammer war durch deren Vorsitzenden. Generalkonsul J. M. Kadlec in Jerusalem, und den Generalsekretär Simha Manor-Mandelik vertreten. Generalkonsul Kadlec schilderte in längeren Ausführungen die letzten wirtschaftlichen und politischen Ereignisse in Palästina, die auch zu einer Verringerung des tschechoslowakischen Exports dorthin geführt haben. Die Tschechoslowakei konnte immerhin die achte Stelle im palästinensischen Import behaupten. Die Aufrechterhaitung des tschechoslowakischen Exports nach Palästina sei keine leichte Sache und es bedürfe großer Mühe, um den Ausfuhrumfang zu steigern. Generalsekretär Manor- Mandelik gab sodann in einem eingehenden Referat ein Bild der wirtschaftlichen und politischen Lage in Palästna. Rabbinerwahl in Mukacevo Am vergangenen Dienstag fand hier die Besetzung, der durch die Petiroh des Munkacser Rebben s. Z. 1. vakant gewordenen Stelle des Oberrabbiners durch Wahl statt. Der wahltechnischen Vorschrift entsprechend, waren außer Herrn Rabbiner!B. Rabinovits, dem Schwiegersohn des ׳Niftar, auch die!Herren Oberrabbiner Kohn, UZhorod, ׳und Glattstein, Helmec, kandidiert. Gewählt wurde — wie nach dem Wunsche von ׳Rabbi Spira s. Z. 1., als selbstverstündlich vorauszusehen war — Rabb. Rabinovits mit 667 von;insgesamt 670 abgegebenen iStimrnen, Der neue Oberrabbiner ׳hat nach einer Begrüßungsansprache des Gemeindepräses Kroo sein Amt bereits feierlich übernominen. Im ׳Sinne der Zwo'oh fand am gleichen Tage die Mezewoh-Stellung an dem frischen Grabhügel des dahingegangenen Raw s. Z. 1. unter ungeheuer großer ^Beteiligung statt. Neubau für die Bratislavaer jüdische Volksküche, Zu den verdienstvollsten humanitären Institutionen Bratislavas gehört seit vielen Jahren die orth. israelitische Volksküche, die armen jüdischen Menschen gegen ein ganz minimales Entgelt gutes Essen in reichlicher Menge verabreicht. Durch den großen Zuzug von wandernden Armen haben sich in der letzten Zeit die Räumlichkeiten, in denen /?ich die Volksküche befindet (Kapuzinergasse 7), als viel zu klein erwiesen und es mußte somit an eine anderweitige Unterbringung dieses Instituts gedacht werden. Dank einer Hinterlassenschaft des sei. Herrn Pol- 1 a k, Mitinhabers der Firma Schönfeld & Pollak, und weiterer Spenden verständnisvoller jüdischer Menschen konnte zur Realisierung dieses Planes geschritten werden. Dieser Tage wurde mit dem Bau der jüdischen Volksküche auf dem Grund gegenüber dem großen orth. jüdischen Tempel (Schloßstraße) begonnen. Das agile Präsidium des Volksküchenvereines erließ aus diesem Anlaß einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung Bratislavas, aus dem wir hier wörtlich anführen: ״Zur Beendigung des Baues und zur Beschaffung der Einrichtungen fehlen noch namhafte Beträge, die wir durch Sammeltätigkeit sicherstellen müssen. Wir wollen und dürfen den Bau, der jüdischen Volksküche nicht mit einem Kredit aufbauen und müssen dieses Heim zukünftigen Generationen frei von jedweder Belastung übergeben. Es helfe uns ein jeder, der noch nicht geholfen hat, und es helfe auch ein jeder, der noch nicht genügend geholfen hat. Durch diese Hilfe wird unser Erfolg gekrönt werden. Wir bitten ,um weitere Spenden!" Hundert Jahre :,P0el-Zedek"-Verei11. Heuer begeht der ״Poel-Zedek"-Verein in Bratislava die Feier seines hundertjährigen Bestandes. Eine Gründung noch aus den Zeiten des ,,Chassam Sofer“ s, Z. 1., hat der Verein es sich zur Aufgabe gestellt, den werktätigen jüdischen Menschen ״Kwias itim l’Thora berabim" zu ermöglichen und auch denjenigen, denen es nicht gegönnt War, in den jugendlichen Jahren an den Quellen der Thora zu sitzen, jüdisches Wissen und die Kenntnis der notwendigen Dinim zu vermitteln. Zur Hundertjahrfeier gibt der Verein eine Broschüre heraus, die sich mit der Geschichte und Bedeutung des Vereines beschäftigen wirdr In dieser Broschüre wird auch der Vereinsrabbiner Jeschaja Kalisch, der seit 25 Jahren dieses Amt bekleidet, geehrt werden. Das Präsidium des Vereines besteht aus den Herren: M. S. Grün, Präses: O, Nachmias, Vizepräses; A. Lövinger, Singer, O. Haberfeld, K. Steiner, Vorstandsmitglieder, Ghinuch Sefer Thora in Bratislava. Am Schabbos Bamidbor feierte die hiesige Jeschiwo das erhebende Fest des Chinuch eines Sefer Thora, das ihr von Herrn Moses Friedmapn sen. zum Andenken an seinen verstorbenen Vater, R. Jesch. Friedmann-Topoläany s. A., gewidmet wurde. Sowohl in der Jessode Hathora, wo der Zug begann, wie: auch in der ״Schiur-Stub“ war ein großes Publikum anwesend, Ein guteinstudierter Chor begleitete den Zug und begrüßte die neue Thorarolle beim Einzug in das ״Haus der Thora“, in das Bes Kamidrasch der Jeschiwo, Die Festrede hielt Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner A. Schreiber, der die Schwierigkeiten schilderte, die dem Limud Hathora in der gegenwärtigen Zeit entgegenstehen. r Aus der Bratislavaer Jeschiwo Die Wahlen in die Leitung der Selbstbildungskreise innerhalb der Jeschiwo haben vor einigen Tagen stattgefunden• Es wurden gewählt: Chewra Charifus: Selig Weiß (Nitra), M, Z• Markovits (Kopaänovo) und J. M. Schächter (Qszd); Chewra Magidus: Rabbiner Benedikt (Wien), M.'Z. Gottesmäüü (Nagy-Ldta) und J. Duschinsky (Räkospalota). Aus Vrbove. Die israelitische Kultusgemeinde in Vrbövä hat in der am 2. Mai I. J. stattgefundenen Generaiversammlung den N eubau einer Mik w0h mit einem Kostenauf wand von Kö 100.000 einstimmig genehmigt; der Betrag wird in 33 halbjährigen Raten zu 6,5% zu tilgen sein. Gleichzeitig beschloß die Generalversammlung, die Israelitische Volksschule den hygienischen und pädagogisehen Anforderungen entsprechend umzubauen, resp. zu renovieren. Nach dem Zusammenschluß beider Parteien in unserer Gemeinde war dies die erste Generaiversammlung, welche einen imposanten und ruhigen Verlauf nahm und auch Ersprießliches leistete. Aus Brünn. In der orthodoxen Synagoge Agudas Achim hat Herr!Siegmund U n g e r auch im abgelaufenen Jahr seine allwöchentlichen Vorträge gehalten und einen recht zahlreichen und dankbaren Zuhörerkreis gefunden. Auch die Vorträge im Kulturverein ״Esra" erfreuten sich eines guten Besuches. Den Freunden und Verehrern des agilen Mannes ist es daher ein Bedürfnis, ihm aufrichtige Dankes- Worte und צ י ח ורכב für seine weitere Tätigkeit ZU- Zurufen. Todesfälle Am vergangenen Schwuos-Feste verschied in Nitra der ehemalige Präses der orth. isr. Kultusgemeinde, Jakob Adler s. A., und wurde unter überaus großer Beteiligung der Nitraer Judenschaft zu Grabe getragen. Er war ein Talmid des Schewet Sofer s. Z. 1. und erfreute sich als kluger Sachwalter der Gemeindeangelegenheiten allgemeiner Wertschätzung. Im letzten Jahre widmete er als Präses der Chewra Kadischa seine Fähigkeiten den Agenden dieses Vereins. Er war auch Mitglied des Landesausschusses der orth. Zentralkanzlei. Vergangene Woche wurde in Brünn Herr Fischmann im Alter von 74 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene hatte zum Bau der orthodoxen Synagoge Kö 12.000 gespendet. Sein jüdisches Gefühl war sprichwörtlich. _ Ungarn (Von unserem Korrespondenten) Peinliches Aufsehen hat es erregt, daß auf der Mustermesse in Budapest auch einem Pavillon für die antisemitischen Bücher eines bekannten Verlages Platz eingeräumt wurde. In der Nachbarschaft der Pavillons, in welchen die repräsentativen Erzeugnisse der jüdischen Industriellen in Ungarn vom Range der Firmen Manfred v. Weiß und Goldberger v. Buda ausgestellt waren, schrien judenfeindliche Zeichnungen und Broschüren ihr antisemitisches Programm in grellen Farben in die Menge der Messebesucher: ״Wohin mit den Juden? —• Nach Madagaskar!" ״Die verjudete Hauptstadt." — ״Die Protokolle der Weisen von Zion." — ״Die Lösung der Judenfrage." Die Budgetdebatte im ungarischen Parlament ist zu einer Judendebatte ausgeartet. Eine ganze.Reihe von Abgeordneten hat die Gelegenheit benützt, um ihre Ansichten über Juden und Judentum zu äußern. Einige von diesen Reden, zum Beispiel jene des Pfeilkreuzführers Grafen׳ Feste tics, ist im Gelächter untergegangen. Das Haus hat dem jungen Grafen, der eine bunte Vergangenheit aufzuweisen hat, einfach ins Gesicht gelacht. Europäisches Niveau hat bloß Ministerpräsident a. D. Graf B e t h 1 e n in die Debatte gebracht. Er ist für die u n b edingte Gleichberechtigung der Juden, anerkennt aber, daß eine Judenfrage besteht, und will diese aus der Atmosphäre des Hasses herausheben. Er spricht von einer starken galizischen Einwanderung; diese hätte aber vor 50 bis 60 Jahren stattgefunden. Die Einwanderer haben Großes geleistet, Nützliches auf dem Gebiete der Industrie geschaffen, andererseits aber der christlichen Jugend den Weg zu Industrie und Handel infolge ihrer älteren Kultur und größeren Fähigkeit auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Tätigkeit versperrt. Mit Gewalt kann man die Judenfrage nicht lösen. Ungarn würde alle Sympathien, in den demokratischen Ländern verlier*en, falls es zu Gewaltmaßnahmen greift. Auch hat es keinen Nachwuchs, der an die Stelle der Juden treten könnte. Man kann also nur schrittweise vorwärtsgehen. Schrittweise kann das christliche Ungarn die jüdisehen Positionen erobern. Um aber vorwärtskommen zu können, muß eine ruhige!Stimmung geschaffen werden, müssen alle judenfeindlichen Störungen im Keime erstickt werden. Nach Schluß der Budgetdebatte hielt Minister- Präsident Dr. D a r ä n y i eine Rede, in deren Verlauf er auch auf seine in Szeged getanen Aeußerungen über eine notwendige Regelung der Judenfrage zu sprechen kam. Er meinte, daß er seine Erklärungen in Szeged gut erwogen (!) habe. Er habe ihnen nichts hinzuzufügen und nichts von ihnen .wegzunehmen. Diese Feststellungen wurden von der Mitte und dem rechten Flügel des Hauses mit stürmischem Beifall aufgenommen. Der Führer der in der aufgelösten Partei des Nationalen Willens konzentriert gewesenen radikalen Antisemiten, Major a. D. Franz Szalasy, der wegen Vorbereitung des Futsches ׳in Präventivhaft genommen, später aber wieder aus der Haft entlassen worden war, hatte sich neuerdings als Angeklagter vor dem Strafgerichtshof in Budapest zu verantworten, Szalasy hatte eine Flugschrift veröffentlicht, in der die Üblichen antisemitischen Ausfälle wiederholt werden. Man müsse den Juden die Macht entreißen. Der Pariamentarismus, der Marxismus und die Freimaurerei seien die Waffen des Judentums, diese müssen vernichtet werden. Auf Grund dieser Flugschrift wurde Szalasy wegen Vergehens der konfessionellen Aufreizung zu einem Monat Gefängnis verur t e i 11. ״Zsidö Ujszg" berichtet von neuen Schwierig- Ueiten, mit denen die ungarische Orthodoxie in ihren Jeschiwos zu kämpfen hat. Die Behörde ließ mehrere Bote Midraschim schließen', weil sie angeblich den sanitären Vorschriften nicht entsprechen; der Unterricht in Notlokalitäten wurde nur für kurze Zeit ׳gestattet, Geld für die Umgestaltung der Botd-Hamidrasch ist nicht vorhanden. Dazu kommt noch, daß die Verköstigung der Bachurim auf immer neue Schwierigkeiten stößt, Die Lebensmittelpreise sind gestiegen, die Eltern und die Baalebatim verarmt, die zur Verfügung gestellten Freitische werden also immer weniger. Die orthodoxe Zentral- Kanzlei hat gemeinsam mit den Rabbinaten der größeren Gemeinden einen Aufruf erlassen, welcher den Sehabbos Bamidbor zum Tomche-Jeschiwoth-ßchabbos proklamierte und um reichliche Spenden für Jeschiwo-Zwecke ersuchte.