Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 20 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nötrtnove v^platnß povotenß riadlt po5t * telegtafov v Bratislave dis. 41572-10-20 V. b. b. Zeitungen *ntn Verleger versendet Journal expddid paf I'dditeur 3QDI8CHS PR6886 rra WIEN.BRATISLAVA SB. MAI 193? י״ט סיון תרצ״ז 21• Jahrgang f Nummer 2Ö Redaktion und Administration: Wien, II., Mal2g. i2ä, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 150, da» übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* ■ Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr, VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 63.386. ORGfln für 016 imeRessen Des 0RTH0D0Hen juaentums Die Lage der Juden in Polen Von unserem Korrespondenten Quousque tandem ...? Die gewissen ״unverantwortlichen Elemente“ und ihre sehr verantwortlichen Hintermänner, die ungestümen jungen Nazi und die sie dirigierenden und intrigierenden ״Betonten“, lassen keine Gelegenheit vorübergehen, ohne die Ruhe zu stören und das Ansehen , Oesterreichs zu schädigen. Seit dem 11. Juli, dem Tag des deutsch-österreichischen Abkommens, nahmen sie das Eintreffen der olympischen Läufer in Wien, den Besuch des Reichsaußen־ ministers Neurath und jetzt das Match im Stadion ,zum ״Anlaß, in schamlosester Weise gegen das Vaterland zu demonstrieren. ״Quousque tandem?“ fragen die bewußt österreichischen Kreise. Wie lange noch? Man muß die bodenlose Niedertracht und irrsinnige Selbstvergessenheit der sogenannten ״nationalen Opposition“ in ihrem vollen Umfang ermessen. Auch sportlich völlig Desinteressierte sehen die heimischen Farben gerne siegreich. Die Horden aber, die am Sonntag im Stadion die österreichischen Spieler systematisch irritierten und psychisch unter Druck setzten, die Fremden jedoch ermunterten und ihre Erfolge tosend bejubelten, haben ihren infernalischen Haß gegen das Vaterland auch auf dem Gebiet des Sports —: und zwar in höchst unsportlicher Manier — zum Ausdruck gebracht. Quousque tandem? Ein Handballmatch begegnet für gewöhnlich keinem sonderlichen Interesse. Das deutsch-österreichische Treffen aber hatte mehr als 40.000 Zuschauer angelockt. Die weißbestrumpften Recken und ihre mit der Runenbrosche geschmückten Walküren können daher unmöglich aus purer Sportbeflissenheit ins Stadion gekommen sein, sondern .einzig und allein, um Wirbel zu schlagen, und das Prestige Oesterreichs herabzusetzen. Gewiß, die ״National-Zeitung" — die wohl in Essen erscheint, aber für Wien geschrieben wird — wird ״die großartige Kundgebung Volksdeutscher Verbundenheit m . unvergeßlicher Erinnerung“ behalten. Sie, die ״National- Zeitung“, schreibt freilich — und welche Herablassung und Geringschätzung liegt in ihren Worten! — daß, ״was das deutsche Wien zu schenken hatte, weit mehr war •als eine gastfreundliche Aufnahme“, nämlich, ״das Bewußtsein, daß das deutsche Schicksal an der Donau, das Grenzlandschicksal geworden• ist, in festen und treuen Händen eines Volksstammes liegt, der oft verkannt und mißverstanden wurde . . .“ (!) Muß aber nicht gerade diese Anerkennung jedem vaterlandstreuen Oesterreicher, der noch etwas für Würde übrig hat, die Schamröte ins Gesicht treiben? Und zeigen das Echo in der deutschen Presse überhaupt und die Auslassungen des Reichsfachamtsleiters Herrmann, der das deutsche Team nach Wien begleitet und hier auch das Treiben der Nazibanden verurteilt hatte, jenseits der Grenze aber ,,von dem begeisterten Bekenntnis von 50.000 Menschen zum deutschen Nachbarlande“ selbst begeistert ist, zeigt all dies nicht, wie man derartige Vorkommnisse •gewissen Orts auffaßt oder zumindest auffassen will? Und darum noch einmal: Quousque tandem? Die ״nationale Opposition“ scheint die Geduld und Milde der Regierung falsch zu verstehen. Ihre Führer, die Drahtzieher der österreichfeindlichen Kundgebungen, sind aber der vaterländischen Bevölkerung bekannt. Sie weiß von ihren Reisen in das benachbarte Ausland, von wo sie mit reichen Taschengeldern und luxuriösen Automobilen heimkehren, weiß von den Zusammenkünften mit größeren und kleineren Pg’s und allerhand anderen bedenklichen Vorgängen. Sie fragt darum wieder und wieder: Quousque tandem? Wie lange noch? ״Wie lange noch?“ fragen auch die Österreichischen Juden. Wie lange noch werden •die ״nationalen" Hoch- Verräter das Recht haben, die jüdischen Bürger dieses Landes, die sich anders als jene rückhaltlos zu Oesterreich bekennen, zu verunglimpfen und gegen sie zu hetzen? Wie lange noch werden die ״betonten“ Blätter, deren Geist es war, der im Praterstadion aus den Nazijünglingen und den Nazimädchen rief, Brunnenvergiftung gegen uns treiben dürfen, werden sie uns Lebensberechtigung und Bürgerrechte abspi’echen können? Quousque tandem? str. Orth, כשר כשר str. orth. RESTAURANT RAUSNITZ Annag. 18 j Unter Leitung des bewährten Restaurateurs J, Auerbach Bestellungen für HOCHZEITEN werden in und außer Haus aufs feinste ausgeführt. Pension von S 9 aufwärts .י (Tel. 946/8). Achtung! להכיר מכשול mein Vöslauer Betrieb ist bis auf weiteres geschlossen C Die jüdische Bevölkerung Polens, die gegenwärtig dreieinhalb Millionen Seelen zählt, befindet sich in einer Lage, die ohne Zweifel die schlimmste seit der Niederlassung von Juden auf polnischem Boden ist. Und diese Situation wird von Tag zu Tag ärger und erfaßt immer weitere Kreise. Am deutlichsten offenbarte sich die schreckliche ׳Not der Juden zu Pessach; weit mehr als 50 Prozent der jüdischen Einwohner von Warschau und Lodz waren gezwungen, bei den Gemeinden um Unter- Stützung anzusuchen. Wenn man bedenkt, daß im allgemeinen die Verhältnisse in den großen Städten viel besser sind als in den kleinen, kann man sich erst vorstellen, wie es um die Landbewohner bestellt ist. Die finanzielle Kraft der Gemeinden wird immer schwächer, so daß viele dem Zusammenbruch nahestehen, ohne daß von irgendeiner Seite Hilfe käme. Die Verfolgungen, die die Juden in Polen auszustehen haben, sind verschiedenartig und erstrecken sich auf alle Gebiete des menschlichen Wirkens; sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht •werden die Juden bedrängt und gequält. Systematisch werden sie aus den verschiedenen Zweigen des wirtschaftlichen Lebens ausgeschaltet. Um dies zu er-• reichen, werden die Juden vor allem mit untragbar hohen Steuern belegt, aber ' auch ändere, •weit schlimmere Mittel werden angewendet, um ihre' Existenz zu untergraben. Dies alles geschieht planmäßig; ohne viel Aufhebens wird ununterbrochen an diesem Zerstörungswerk gearbeitet. . .Weit , brutaler ist. denuK&mpf, der - von. den polnisehen Nationalisten, den sogenannten ״Endeken“, gegen die Juden geführt •wird. Sie unternehmen immer ־ wieder blutige Ueberfälle, die sehr oft auch Todesopfer fordern. Die jüdischen Kaufleute werden von ihnen unter ständigern Druck gehalten. Durch Boykottposten wird die nichtjüdische Bevölkerung daran gehindert, bei Juden ,zu kaufen. 1 Auf diese •Weise wurden und werden viele jüdische Existenzen vernichtet, was •weiter dazu führt, daß die Zahl der Bettler in stetigem Wachsen begriffen ist.!Schon seit langem werden keine Juden von Staat und Gemeinden als Beamte •aufgenommen. Auch an den Universitäten werden die Juden von Studien, die gute materielle Perspektiven eröffnen, ferngehalten. Aber auch dort, wo sie •in geringer Zahl zugelassen sind, werden sie von den antisemitischen Kommilitonen am Studium behindert. . Die antisemitische Bewegung in •Polen ist in letzter Durch eine Reihe von behördlichen Verfügungen (K. V. M. Erl. v. 21. Jänner 1876, Z. 1208, und K. U. M. Erl. v. 19. Februar 1876, Z. 1683, Stadtschulrat Wien Erl. v. 13. Juni 1930, Z. 2316) ist es unter״ sagt, jüdische Schüler am Samstag und• an jüdischen Feiertagen zum Schreiben, Zeichnen oder Handarbeiten in der Schule direkt oder indirekt zu zwingen. Die Schulleitungen sind angewiesen, bei Abfassung des Stundenplanes auf diese Bestimmungen entsprechend Rücksicht zu nehmen. Im Interesse einer wahrhaft jüdischen Erziehung ist es erforderlich, daß die Kinder von Jugend auf zu»! Sabbathheiligung erzogen werden. Es ergeht daher an alle Eltern die dringende Bitte;, von dem Recht, das durch die oben zitierten Verfügungen eingeräumt ist, Gebrauch zu machen und schon vor Beginn des Schuljahres, bzw. bei der Einschreibung die Schulleitungen davon zu verständigen. Die Schulleitungen nehmen auf diese Wünsche in der Regel in entgegenkommender Weise Rücksicht. Falls, wider Erwarten, in einem oder dem anderen Falle sich Schwierigkeiten ergeben sollten, ist der Vorstand der Adas Jisroel Schiffschul (Kanzlei: Wien, II., Große Schiffgasse 1, Sprechstunden von 9 bis 1 Uhr) gerne bereit, in freundschaftlicher Weise zu helfen, bzw. zu vermitteln. DER VORSTAND DER ADAS JISROEL SCHIFFSOHUL. Zeit in ständigem Steigen begriffen und erfaßt jetzt alle Kreise der polnischen Bevölkerung. Sehr bedauerlich ist es, daß sehr oft katholsche Geistliche, deren Aufgabe es eigentlich •wäre, die Bevölkerung aufzuklären und sie von Gewalttaten und blindem, unbegründetem Haß abzuhalten, sich selbst an die Spitze der judenfeindlichen Bewegung stellen und — wie der Priester Trzeciak — auch oft über die ׳Heiligtümer des jüdischen Volkes in schändlicher Weise herfallen. Dieser Vorgang ist nicht nur traurig, sondern auch ganz unverständlich, da ja der antisemitische Nationalismus antikatholisch und mit den Prinzipien des Katholisizmus geradezu unvereinbar ist. Einige Ereignisse der letzten Zeit zeigen deutlich, daß sich zu den Endeken auch Leute vom Regierungslager gesellen, ja, daß sogar offizielle Persönlichkeiten ins antisemitische .Fahrwasser geraten sind. Der deutsche Einfluß ist unverkennbar. Eine beredte Sprache sprechen die Beschlüsse der Aerzte״ und Adv0.4c a•t.en vereinigungen, die auf ihren Tagungen •in Gegenwart von Regierungsvertretern •beschlossen haben, den Arier- . Paragraphen in •ihre Statuten aufzunehmen und ferner die Regierung zu ersuchen, die Tätigkeit der Juden in diesen Berufszweigen einzuschränken. ' In letzter Zeit •wird eine M a s s e n a u s w a n d erung der Juden aus Polen propagiert. Daß dies unmöglich ist, ist klar; es gibt kein Land, das gegenwärtig eine größere Masse von Auswanderern aufnehmen würde. ,׳So bezweckt, der Ruf; ״Juden, verlasset Polen!“ nichts, als. ihnen das Leben noch, saurer, zu. machen. . ....; Alles bisher Dagewesene wird aber von den Ge- .schehnissen der letzten Tage über troffen. Der Vandalismus und die Grausamkeit, die in B r es t-Li.t o׳ws k׳ zutage traten, zeigen deutlich, in welcher Gefahr sich das Judentum in Polen jetzt befindet.' Die durch ihre Gaonim und Thora-Gelehrten berühmte Stadt •ist an einem Tag fast vollständig zerstört worden. Sämtliche jüdischen Geschäfte sind vernichtet und ausgeraubt worden; fast die gesamte jüdische Bevölkerung von 22.000 Seelen ist an den Bettelstab gebracht worden und auf Unter- Stützung von auswärts angewiesen. Hilel Seid mann, Warschau. ■ ' * V" ■ Nach dem Pogrom Dem nach Brest -Litowsk entsandten Sonderberichterstätter der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurden die Vorgängevon Augenzeugen in einer Weise, geschildert, die das Verhalten des Gouverneurs in einem sehr eigenartigen Lichte erscheinen lassen.• Vielfach wurde gegen den Wojwoden, der bekanntlich früher dasselbe Amt im Kreise Radom zur Zeit des Pogroms von Przytyk bekleidet hat, der Vorwurf erhoben, daß dib Polizei auf Grund seiner Instruktionen die Exzedenten geradezu ermutigt hat. Brest-Litowsk, eines der ältesten Zentren der polnischen Judenheit, sieht wie nach einem Erdbeben aus. Selbst die Synagogen, darunter die ' berühmte, von Peter dem Großen errichtete Stadbschul, sind nicht verschont geblieben. Der Vorsitzende der von der polnischen Regierung zur Untersuchung der Ausschreitungen nach Brest-Litowsk entsandten Kommission erklärte, er hätte sich niemals vorgestellt, daß derartige Zer- Störungen möglich seien. Der Bürgermeister von Brest-Litowsk und 22 Mitglieder der Stadtrates haben an die Bevölkerung den Appell gerichtet, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten und sich durch die wilde Agitation antisemitischer Agitatoren nicht verhetzen zu lassen. In der jüdischen Presse wird ein Aufruf veröffentlicht, in dem gebeten wird, ׳L e •b e n s m i 11 e 1 p a k e t e für die notleidenden Juden nach Brest-Litowsk zu senden. Viele Pogromopfer besitzen keinen Pfennig, um sich Brot zu kaufen, aber auc!h diejenigen, die etwas gerettet haben, erhalten in Brest keine Lebensmittel und müssen in Nach״ barstädten einkaufen. Die bekannte polnische Freiheitskämpferin Stephania Stempelowska, die unter dem Zarenregime mit besonderem Mut für die Unterdrückten, insbesondere für die politischen Gefangenen, unter ihnen viele heutige polnische Staatsmänner, eingetreten ist, hat einen Aufruf an die nichtjüdische Bevölkerung zur Organisierung einer Hilfsaktion für die Opfer der ״barbarischen Vorfälle“ in Brest- Litowsk gerichtet, Sie erklärt, daß sie angesichts dieser Die p teisweäe ווווו!1<1)ווווווווווווווווווווו!ווווווווווו1(1וו!וווווו!ווווווו!ו!ווווווו!ווו1 aus die wMekauuUu HuuslweekstäUe Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 •Telephon U-43-046