Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1937-05-21 · 19 (21.5.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
19 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630682-2630701--5506-2637858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

! 354 ' י VnivM8it8t1rttt»li9ta»k // I.ttalwgttit 3 fie, i ,׳. Novittove vtfplatne powlenfe rtatUt p^t ä V 11 i 'ä^LXUtr: tetegtafov t ßffttisiatre Y* ö# ö» 1 ״",״״״ **v*™*> Päf reaitäijfr 3am8CHe rniAfi ea! PK6396 בה Wi£N. BRATISLAVA 91, MAI 1937 י*בסיוזתרצ־ז 5J. Jahrgang f Nummer 19 Redaktion find Administration: Wien, 11, Mateg. 12a, felephön A46-Ö45; ,fschechosioWakeii Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint Jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KC 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Fresse'*, Wien, auf folgende Post» Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068,, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 103.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.610; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. orgfm für Die mteRessen Des 0RTH0D0nen juDentums Dr. fsaae Breuer : Die Aguda und der Judenstaat Munkatsdier Rebbe זצ״ל Mit dem Munkatscher Rebben ist eine der eigenartigsten Gestalten der heutigen Orthodoxie von uns gegangen. Der ״Munkatscher“ war in den letzten zwei Jahrzehnten geradezu ein Begriff, die Verkörperung starrer und eifervoller Frömmigkeit, zu keiner Konzession an die Zeit bereit und selbst die Hilfsmittel, die diese zu bieten vermag, brüsk verschmähend. So geriet er auch in Gegensatz zur Agudas Jisfoel. Es war ihm gleichgültig, daß diese die Organisation der Thora treuen darstellt; daß sie eine Organisation bildet, eine — seiner Meinung nach — der unjüdischen Umwelt, entlehnte Wesensform, genügte ihm, sie zu verwerfen. Und er tat dies denn auch in der drastischesten Weise und mit den drastischesten Mitteln und — wie man zugeben muß -דmit großem Erfolg. In' seinem ״Reiche“, wo er unumschränkter Herr über die jüdischen Seelen war, konnte Agudas Jisroel, obwohl dort alle sonstigen Voraussetzungen für ihr Gedeihen vorhanden waren, nicht recht aufkommen. Und dennoch hat Agudas Jisroel den tausendmal hingeworfenen Fehdehandschuh nie aufgenommen. Ihrem Grundsatz getreu, Gegner von rechts zu respektieren und' aus ihrer Kritik nur zu lernen, hat sie auch Rabbi Spira schweigend gewähren lassen. צורבא מרבנן דרתח, אורייתא היא דל,א מרתחא ליה. Um wieviel mehr gilt dies vom höheren Rang des Talmid Chochom! Und daß der Verewigte ein wahrer Talmid Chochom war, von der Heiligkeit des Judentums durchdrungen, dafür zeugen seine Werke und sein Leben. Eine wuchtige Persönlichkeit, versehen mit großen Gaben des Geistes und der Kraft, Einfluß auf seine Umgebung zu üben, litt es ihn nicht in geruhsamer Stille. Er brauchte den Kampf. Und da es ein Kampf l'Schem Schomajim war, den er führte, sind wir dem Kämpfer immer mit Ehrerbietung begegnet,■ erfaßt uns'jetzt, da'־ de'i• ewige Friede über ihn gekommen, Trauer und Schmerz. Ein glühender Thorajude, ein bedeutender Kenner der Thora und ein origineller Mensch wurde mit dem ״Munkatscher“ zu Grabe getragen. תנצב׳ה * Rabbi Lazar Spira entstammte der chassidischen Dynastie des ״Diniwer“ und war ein Nachfahre des berühmten Verfassers des ״Bne Jisos’chor“. Er wurde im Jahre 1871 in der Gemeinde Strzyzow in Ostgalizien geboren und kam 1882 mit seinem Vater und Großvater nach Mukaöevo, wo sein Großvater zum Oberrabbiner gewählt wurde. Nach dem Tod des Großvaters wurde sein Vater Oberrabbiner und zugleich ein chassidischer Rabbi, ' dessen Anhängerschaft immer mehr wuchs. Im Jahre 1913 starb Rabbi Hirsch Zwi Spira, der unter dem Namen seines Werkes ״Darke Teschuwa“ in die jüdisch-religiöse Literatur eingegangen ist. Rabbi Lazar folgte ihm sowohl als Oberrabbiner von Mukaöevo als auch als Oberhaupt der ״Munkatscher Chassidim“. Diese chassidische Bewegung hat nicht allein in Karpathorußland, wo Rabbi Spira über eine unvorstellbare Machtfülle verfügte, sondern auch im benachbarten Ostgalizien, in Ungarn sowie in anderen Ländern, auch in Amerika, zahlreiche Anhänger. Rabbi Lazar Spira schrieb sechzehn religiös-wissenschaftliche Werke, von welchen ״Minchas Elosor“, ״Olas Tomid", ״Os Chaim“ und ״Os Bris" die bekannteste!! sind. Rabbi Spira betätigte sich auch auf landespolitischem Gebiet. Zur Unterstützung seiner politischen Interessen wurde in den letzten Jahren in Mukaöevo unter seiner Patronanz eine Wochenschrift ״Jiddische Zeitung“ in jiddischer Sprache herausgegeben. Rabbi Spira erkrankte Ende März d. J. schwer und begab sich nach Budapest, um dort berühmte Aerzte zu sckütyt | ^fkre^äkne Die bevorzugie Zahnpasta? mm Die ganze zionistische Presse und alle zionistisehen Instanzen protestieren gegen den Judenstaat. Aber ihre Proteste richten sich natürlich nicht gegen den Judenstaat als solchen, sondern lediglich gegen seine beklagenswerte Gebietsverkürzung. Das thoratreue Judentum macht sich diese Proteste ״durchaus zu eigen. Aber es kann sich damit nicht begnügen. Nur mit tiefer Erschütterung kann es ausgesprochen werden: In diesen Tagen und zu dieser Zeit müßte das thoratreue Judentum gege’n den Judenstaat protestieren, selbst w e nn er das ganze, den Vätern verheißene Gebiet umfassen würde. Man merkt es den Protesten an, ob aus ihnen jene unbedingte Entschlossenheit zur Ablehnung spricht, wie sie nur die letzte Verzweiflung eingeben kann. Der Zionismus steht dem geplanten Judenstaat wie ein Gläubiger gegenüber, dem sein Schuldner eine unzulängliche Teilzahlung mit .dem Bemerken anbietet, daß er weitere Zahlungen ablehne. Wie wird sich der Gläubiger verhalten? Er wird sicher gegen das Vorgehen des Schuldners protestieren. Wenn er sich aber überzeugt, daß einstweilen mehr vom Schuldner nicht zu erzielen ist? Der Agudismus aber erblickt in dem geplanten Judenstaat die schlimmste Gefahr, die je die Thora und das Land der Thora und das Volk der Thora bedrohte. Sein Protest ist in der Tat ein Protest der Verzweiflung. Dies bedarf der Begründung. _ ״.Sfiheite,rt der K ajn t ojpi auil s. t.a,.a t״an denuvölligen. Fehlendes Willens zur Bildung eines einheitlichen׳Staats- Volkes auf seiten beider Nationen, an dem völligen Fehlen des für die Existenz jedes Staates unbedingt notwendigen Minimums von Gemeinsamkeit, die beide Nationen verbindet, so scheitert der Judenstaat aus den gleichen Erwägungen, nur daß diese Erwägungen nicht das Verhältnis^ von Juden zu Arabern, sondern von Juden zu — Juden betreffen? Dem Agudismus ist Judenstaat völlig identisch, mit Thorastaat. Thorastaat ist ein Staat, dessen Wille verfassungsmäßig an die Thora gebunden ist. Dem Agudismus ist ein Judenstaat, dessen Wille nicht verfassungsmäßig an die Thora gebunden ist, abtrünnig; ein Empörerstaat. Die nämliche Thora, die um alle Juden des Erdballs ein ewig unzerstörbares nationales Band schließt, reißt in unseren Tagen und in unserer Zeit zwischen Juden und Juden einen Abgrund auf, den Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht zu überbrücken vermögen. Zwisehen Juden und Juden steht heute — G-tt. G-tt verbindet sie mit seinem ewig dauernden Anspruch auf Gehorsam zur Thora. G-tt scheidet sie heute in Treue und Treulose. Nur die durch G-tt und seine Thora geschaffene, ewig unzerstörbare nationale Einheit kann das thoratreue Judentum, kann der Agudismus anerkennen. Wem dieses Bekenntnis zur nationalen Einheit, unentrinnbar Treue wie Treulose ,umfassend, als — Separatismus" gilt, der weiß nicht, wovon er spricht, oder treibt heillose Demagogie. Der Judenstaat soll der Judeneinheit die Fülle Staatlicher Macht verleihen. Welcher Judeneinheit? Der zionistischen, wurzelnd im Blut, oder der jüdischen, wurzelnd in G-tt? Beide Einheiten nehmen alle Juden des Erdballs für sich in Anspruch. Das Gesetz des Widerspruchs trennt sie. Wo die eine ist, kann die andere nicht sein. konsultieren. Als sich sein Zustand verschlimmerte, wurde er auf seinen Wunsch nach Mukaöevo gebracht. Zur Lewajoh hatten sich aus Mukaöevo und Umgebung Tausende und aber Tausende Chassidim und viele Rabbiner eingefunden, um dem Rabbi das letzte Geleite zu geben. Auch aus Ungarn und Galizien waren zahlreiche Chassidim zu diesem Zweck nach Mukaöevo gekommen. Für das Landesamt nahmen in offizieller Eigenschaft an dem Begräbnis der Vertreter des Landesvizepräsidenten, Reg.-Rat Dr. Beski, sowie mehrere Beamte, der Bezirkshauptmann von Mukaöevo und Vertreter der Garnison von Mukaöevo teil. Die irdische Hülle des toten Rabbi wurde im Hofe des Räbbinats in einen einfachen Holzsarg gelegt. Vor dem ‘Sarg würde sein Testament verlesen, in welchem Rabbi Spira das Judentum zur Ein- Der Judenstaat soll in gewissem Sinne souverän sein. Wer ist der Souverän? Dem Zionismus fst das Volk Träger der Souveränität. Dem Judentum G-tt. Wie ist hier ein Ausgleich möglich? Besteht auch nur die mindeste Hoffnung, daß in:, unseren Tagen und in unserer Zeit der Judenstaat ein Thorastaat sein werde, sein Wille verfassungsmäßig die Thora G-ttes in sich aufzunehmen bereit sei? Zwanzig Jahre jüdisches Nationalhelm sprechen' eine beredte Sprache. Weder die zionistische Weltorganisation noch der: Waad Leumi haben big zur Stunde sich dazu verstehen:' können, der Thora, Millionen Juden heute noch Inbegriff des geoffenbarten Willens G-ttes, der Thora, nicht fort-, denkbar als eigentliches Leitmotiv der ganzen Geschichte der jüdischen Nation, auch nur in der öffentlichen. Betätigung einen Gehorsam, zu zollen, zu dem nicht nur Ueberzeugung allein, zu dem auch Ehrfurcht, eines der Fundamente der menschlichen Kultur, zu bewegen vermag. Ehrfurcht freilich vor dem höchsten ״und teuersten Anliegen von Millionen Volksgenossen läßt sich nicht erzwingen. Auch nicht durch Kongreßbeschlüsse•. Auch nicht durch einen durch Massenbeitritt verstärkten Misrachi. Ehrfurcht könnte verbinden, selbst wo lieber-, Zeugung trennt.. Daß die Treulosen nicht ' einmal Ehrfurcht besitzen, raubt unserem armen Volk heute die staatsbildende Kraft. Ehrfurcht ist die feinste Blüte der Bildung. Nicht; nur .treulos gegen,G^tt . und . seine Thora-sind •die ״Freien“ .- Furchtbar ist. auch das Defizit vieler von ihnen an. — Bildung. In der ,Bezeichnung der ״Freien“ als Treulose soll, keine Kränkung liegen. Sie haben die Kraft nicht zur Treue. Es ist ein Unglück, daß sie sie verloren haben. Der ehrlich ״Religiöse“ wird tiefstes Mitleid mit ihnen empfinden, wird keine vom Gewissen gestattete Gelegenheit versäumen, ihnen in ihrem namenlosen Unglück; das sie selber meist nicht ahnen, zu helfen. Der Vorwurf des völligen Mangels an Ehrfurcht ist allerdings kränkend. Mangel an Ehrfurcht ist kein Unglück, sondern ein Verbrechen. v Der oberste Führer der zionistischen Organisation, vielleicht der künftige Leiter des Judenstaates, reist am Sabbath , in Vertretung der jüdischen Nation und verschmäht auf dem Schiff durch jüdische Arbeit bergestellte Ritualkost. Das entspricht gewiß seiner Ueber- Zeugung. Er ist G-tt und der Tho.ra nicht mehr treu. Aber auch nicht einmal die •leiseste Ehrfurcht besitzt er vor Israels G-tt und vor Israels Thora, nicht die leiseste Ehrfurcht vor den ׳Millionen Volksgenossen, die er durch sein Verhalten aufs schwerste kränkt und verwundet. Das!Beispiel ist unsäglich belehrend. Es ließe sich beliebig vermehren. ’ Ist die Ehrfurcht in den Reihen der lHist*adruth Haowdim zu Hause? Hat sie ,bis jetzt auch nur leises Verständnis.! für arbeitende Volksgenossen ’ gezeigt, deren Gewissen sie nötigt, der Organisation fernzubleiben? Hat der Waad Leumi Ehrfurcht vor der Not armer Volksgenossen betätigt, denen ihr Gewissen nicht gestattete, sich ihm zu unterstellen? Hätte er sie nicht gezwungen, ihrem Gewissen zuwider ihm anzugehören, wäre nicht die — Mandatsregierung ihm in die Arme gefallen? War aber der Mangel an Ehrfurcht allenthalben fühlbar, selbst wo die!Macht noch fehlte: wie könnte man alsdann auch nur einen Augenblick glauben, daß die trächt und zur Loyalität gegenüber dem' Staat ermahnt und den Wunsch ausspricht, daß auf. seinem Grabstein nur die einfache Inschrift ״Lazar Spira, der bekannte Rabbi“ angebracht werde., Der älteste anwesende Rabbiner, der 77jährige Rabbi Weiß aus Selvuä, hielt eine Trauerrede, worauf der Sarg in Begleitung einer nach Zehntausenden zählenden Menge von Trauergästen durch die Stadt, in deren Straßen die elektrischen Lampen brannten, auf den Friedhof getragen wurde, wo viermal Aufenthalt genommen wurde; dabei wurden wieder Trauerreden gehalten. Noch an! gleichen Tage trat der Vorstand der Kultusgemeinde in Mukaöevo zusammen und wählte Rabbi Baruch Rabinowicz, den Schwiegersohn Rabbi Lazar Spiras, zum Oberrabbiner. Gleichzeitig übernahm Rabbi Rabinowicz die Würde des Chassidim-Rabbi, IM© Otlimur-Schlff-PerUeke — preiswerte Qualitätsarbeit Perücken• Croßerzeugung Wien I, Kärntnerring 6 Telephon U-43-0-16

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.