Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1937-05-14 · 18 (14.5.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
18 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630682-2630700--5499-2637850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Wir wünschen unseren Lesern und ־ ÄwfllKlVB VjIpWH nWHua TUralt pOSl Ä *־—.. .. v «sk-ih-m V. b. b. ) Zeitungen nun VetlegiSf vewswl«» *mnutl ett>MI« pu rMHeut 3QDI8CH6 ililAAAA ■rll vvvv * WIEN. BRATISLAVA 14. MA1193/, ערב שבועות תרצ*ז 23• Jahrgang / Nutfimer 18 Redaktion und Administration: Wien» II., Mateg. 12a,. Telephon A-46-0-16; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kä 80, Jugoslawien Dinar 150, da« übrige Anstand Schw. Fr. 14. Einzelnummer äst..Gr. 40« Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 80.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag. Nr. 53.386. 0RGfin für Die inTeRessen Des 0RTH0D0nen juDervrums Schewuos Wenn die Wochen und Tage gezählt sind, die vom Feste des ״Freiwerdens“ hinanführen zum Tage des ״Gesetzes“, dann versammeln sich nach alter Sitte die Männer des jüdischen Volkes in nächtlicher Stunde in kleinen und großen Kreisen zu gemeinsamem geistigen Vollbringen. Und während draußen unterm sternenbesäten Himmel Blüten und׳ Käfer, Wald und Flur die Wunder der Sommernacht an sich erleben, zieht drinnen in der Stille des Lehrhauses der Mikrokosmos des Sinaigesetzes von בראשית bis לעיני כ ל י ש ר א ל von der ersten bis zur letzten Mischna an dem geistigen Auge des Lernenden vorüber — eirp Welt des Lichtes und der Wärme, ,von lebenweckender, lebenspendender Sonnenpracht. *. Und doch vollzieht sich nicht im Dämmerlicht der Sommernacht recht eigentlich die Gedächtnisfeier des gewaltigen Moments, da ״G-tt vom Sinai eintrat und aus seiner Rechten das jüdische Volk sein zum Gesetz gestaltetes Weltenfeuer empfing41‘. Wenn der Morgen herauf zieht und in lichtdurchfluteten, blumengeschmückten G-tteshäusem das alte, einlache, schmucklose Thorawort ertönt, wenn in den nüchtem-klären, scharf akzentuierten Klängen der überlieferten Tonweisen der Sinairuf ans jüdische Ohr und ins jüdische Herz dringt — dann soll der Jude sein מעמד הר סיני mit jedem Jahre neu erleben, dann sich prüfen, ob — nach des Maimonides tiefem Wort — auch seine. Seele den großen Tag^am Sinai .geschaut .und als ewiges geistiges Besitztum erworben hat! Was am Sinai uns geschenkt ward, die Norm und der Maßstab des sittlichen Handelns, das kann nur mit wachem, taghellem Geiste erfaßt, nur im vielgestaltigen Leben der Tat verwirklicht werden. Nicht umsonst hat uns der weise Brauch der Väter in den Sefira- Wochen gerade die Bücher zur besonderen Aneignung gereicht, die — wie פרקי אבות,משליusw. — die jüdische Ethik im engere n Sinne in sich bergen, Bücher, die nicht den Ueberschwang allgemeiner religiöser Wärme wecken, sondern vielmehr mit einer geradezu erfinderischen, unbarmherzigen Gründlichkeit alle Schliche und Pfiffe des Jezer-horaa, in welcher Gewandung er auch einherschreite, aufzudecken verstehen. Den Frühling der Seele, öle Aufkehr zu G-tt, die hatte uns schon der Pessach gebracht, und auf den Schwingen des Liedes der Lieder waren Lenzeslust und bräutliche Liebe zu G-tt in den Kreis unseres g-ttesdienstlichen Lebens eingezogen. Sollte es aber Sommer werden, dann galt‘s in siebenfältigem Bingen den Weg hinanzuschreiten, der von der gefühlsmäßigen Erfassung der G-ttesnähe hinaufführt zu dem, was dem Juden das Höchste bedeutet, zur Erfüllung der sittlichen Norm, zur Erfüliung des G־tteswillens. Lst doch der Pflichtbegriff das Wesentliche jeder Ethik, das Gesetz die Krönung des Glaubens. Und darum dürstet die Menschheit nach dem Gesetz, nach der alles tragenden Lebensnorm, die dem frei sie״ Erfüllenden höchste Seligkeit gewährt und das kleinliche Lebenswerk' einfügt in den großen zielstrebigen Entwicklungsgang des Weltganzen. Weil vor dem flammenden Sinai der Gedanke der absoluten sittlichen Norm, der Pflichtbegriff, in seiner schärfsten Prägung die g-ttliche Wardeiung empfing, weil dort ein ganzes Volk über die Zweifel des Philosophemsi und über das Halbdunkel der Volkssitte hinaus hineingehoben wurde in das Reich der reinen, von G-tteserkenntnis getragenen Sittlichkeit — darum schwinden dem Blicke unserer Weisen die einzelnen Inhalte des welterschütternden Zehnwortes zu einem e i n z i ge n G-tteswort zusammen und strahlend erhebt sich über den einzelnen Lichtfäden der Gesetze die Tatsache der Gesetzgebung, die Tatsache der g-tt liehen Adelung des Pflichtbegriffes. ׳ Und darum verstummte alles Lebendige und darum jubelten Völkerkönige, als die Sinaiblitze durch den Weltraum zuckten und Israel seinen großen Gang durch die Jahrtausende antrat, Siegelbewahrer und Fackelträger für die irrenden, suchenden G-tteskinder hienieden. Autofahrschule ,AtlaUiof* I, Frans-Josepbs-Kai 3, Wiesingerstraße 9 ■ Teilzahlungen!■ Unser Lager Zum 25 jährigen Gedenktag der Agudas Jisroel ״Der überlieferte Begriff des Klall Jisroel ist}s — Israels Gesamtkörper, erfüllt und getragen von seiner Thora als organisierender Seele — den wir durch unsere ״Agtldas Jisroel“ inmitten der Kulturwelt und mit den teöhnischen Mitteln, die die Kultur uns aufs neue reicht, realisieren wollen״. (Jacob Ro s enheiin auf der Gründungs- Versammlung der Ai J. in Kattowitz am 12. Siwan 5672.) \ ״Darüber ist kein Zweifel: das Wesen eines Organismus liegt in seinem beherrschenden Mittelpunkte, seiner Seele. Jsraels Seele aber ist — das Bild aus der Wüste sagt es wie historische Erfahrung der Jahrtausende — seine Thora. Nicht wie in der Vor!seit um die Lade, die die sterblichen Res te Vater Jakobs barg; nicht, wie die Engel, um die über alles Menschliche erhabene Wesenheit G-tt es um die Lade des Gesetzes haben sich Stämme des jüdischen Volkes zur Einheit zu sammeln, nicht Stammes-, Rassen- oder Volksbewußtsein, ebensowenig die abstrakte Konfession, sondern G-ttes Thora , gewordener Wille allein muß wiederum das Lebegsprinzipum; der alles erfüllende Gesamtwille des' jüdischen■ Volkes werden, das al$- OrggnisßtPß ip,^A$11das , Jisxpel: zum ersten Male wieder seit, Jahrtausenden zum Bewußtsein seiner wahrhaftigen Nationalaufgabe erwachen will.“ (Jacob Rosenheim auf der I. Kenessio Gedaulo in Wien am 4: Elul 5688.) Wenn wir uns anschicken, unserer Agudas Jisroel den Gruß der Liebe und Huldigung schon heute, acht Tage vor ihrem eigentlichen Gedenktag, zu entbieten, so geschieht dies aus doppeltem Grund: wir wollen den Blick fest und unabgelenkt auf den Sman Matan Thaurossenu richten dürfen, wenn wir von unserer Agudaci Jisroel sprechen, damit wir wissen, daß diese Zeit die eigentliche Geburtsstunde unserer Organisation ist, und׳ wir wollen Israels Lager in der Wüste vor Äugen haben, wenn wir versuchen, einiges festzuhalten von dem, was Agudas Jisroel schon leistete und noch an Aufgaben zu vollbringen hat. Israels 'Lager: von ihm las Jacob Rosenheim das Wesen unserer Agudas Jisroel ab, das er in obigen Worten, unübertrefflich .und für alle Zeiten gültig, vor unser Bewußtsein brachte. Und er folgte dabei den Spuren des Midrasch, der in der dieswöchigen iSidro dieses Lager in farbenprächtigem Reichtum ausdeutet. So wollen auch wir •in diesen Spuren wandeln...! Im Mittelpunkt: die Lade mit dem Thoragesetz, die Stätte der ׳Schechinoh, und die vor diesem Zentrum schützend gelagerten Kohanim und Lewiim — alles, was wir im Namen und durch Agudas Jisroel anstreben und vollbringen wollen, empfängt seine Berechtigung• und Legitimation allein, und a u s s c h 1 i e ßlieh vom Gesetz G-ttes selber und läßt dieses Gesetz in seinen Forderungen an unsere Zeit und unsere Lebensverhältnisse deuten und verkünden von unseren Rabbinen, die von Aharon und seinen Söhnen das Recht und die ׳Pflicht übernommen haben, klar und nüchtern auf ihrer Warte zu stehen, um;,zu unterscheiden zwischen Heiligem und Profanem, zwischen Unrein und Rein“, und um ״die Entscheidung zu treffen für die Kinder Israels“. Im Mittelpunkt also: der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel! Um den Mittelpunkt lagerten sich die einzelnen Stämme, jeder Stamm besonderer Aufgabe vorbestimmt, besonderem Schicksal unterworfen— und die Gesamtheit der Stämme, das jüdische Volk, ״als Aufgabe und Verwirklichung“ darstellend! Im Osten, von woher der Welt das Licht aufstrahlt, jener hervorragenden Himmelsrichtung, lagerten Jehudo, Jissochor und Sewulun! Dieses Lager trug den Namen Jehudos! Jehudo repräsentiert die Herrschgewalt, Jissochor die Thorakunde, ׳Sewulun die Wirtschaftskraft! Lesen wir von den Stämmen und dentf Besonderen, was sie darstellten, die wichtigsten Aufgaben ab, die unserer Agudas Jisroel oblagen und;: obliegen, dann verlangt Jehudo von ihr, daß sie den Anspruch der Thora vertritt und verficht, in allen Fragen, die die Judenheit betreffen, das entscheidende Wort zu sprechen, den maßgebenden Weg zu weisen; daß die Thora •im Einzel- und Gemeinschaftsleben nicht nur geduldet sei, sondern herrsche! Jissochor!fordert von ihr vollste ׳Kraftentfaltung auf dem Gebiet der Thorapflege und Erziehung; und Sewulun mahnt, das Gebiet der Wirtschaft und der sozialen Arbeit in treue Pflege zu nehmen, In ■welchem Umfang es der Agudas Jisroel gelungen ist, diese Aufgaben, von denen die erste auch I unter dem zusammenfassenden Begriff Politik deutlieh gemacht werden kann — Politik im höchsten, und reinsten!Sinne, wie ihn Jacob Rosenheim für uns in den ״Vorfragen und Grundproblemen der agudistischen Politik“ dargestellt hat — zu erfüllen oder *wenigstens planmäßig zu׳ beginnen, das soll hier im einzelnen, nicht aufgezählt werden. Dies würde den Huldigungsgruß zu einem Geschichtsabriß erweitern; es genügt, .zum ersten Punkt auf unsere Positionen in Erez Jisroel, Polen und —■ beispielsweise — Lettland hinzuweisen, zum zweiten auf das Wollen des Keren Hathora und das Wirken von Beth Jakob und zum dritten auf unsere Poale A׳gud.a־s Jisroel! Im!Süden, von woher der Tau des Segens, von woher der Regen der Fruchtbarkeit sich ergießen, lagerten R’uwen und God, und zwischen ihnen Schim’aun!; l ,R’uwen ,verwirklicht^.den .»Gedanken^den^Tschüwö,*• God das kraftvolle kämpfen, und zwischen beiden־ lagert Schim’aun, des ׳Schutzes und der ־ Flankierung. bedürftig, weil in. seinen :Söhnen das ארור אפם des Stammvaters noch angstweokend nachzittert! . . Von diesem Lager lesen wir die große Mission ab, die die Agudas Jisroel nach innen hat: die .RüGk: kehrer aufzufangeri, der Verfälschung des r!e 1 •il(giiös etn! Bew uIß׳t^e:i!|n1 s .׳und (der; Eft genart des. .jüdischen Voliktsbegrif f e s׳ planvoll entgegenzutreten, eine starke Organisation zu schaffen, die dem Schwachen und־ jedem Vereinzelten Schutz und Rückhalt gewährt. Was Aügudas Jisroel in diesen Bezirken wirken konnte, soll wiederum nur durch Stichworte angedeutet werden:, die Au lim- Organisation unseres jüngst verstorbenen großen Meisters. Nathan Birnbaum, die sich ihr einfügte, die gewaltigen von vielen mißverstandehen und von Verstehenden mißdeuteten Kämpfe um den Austritt | aus der Kmeaes Jisproel, die größeren und . kleineren Lan des- Jugendun d Frau e n o r g.a nisationen fast überall, sie kennzeichnen das Bestreben, den Tau des Segens auf unsere Gemeinschaft zu lenken! Im W e s t e n, der Stätte der Schechino, die ihre Allmacht und Allgegenwart in den gewaltigen Wettern und Stürmen bezeugt, die sie von dorthin über die Welt sendet, lagerten Ephrajim, Binjomin und Menasche! In Binjomins Gebiet war das Heiligtum! Und zur Gemeinschaft go11erf ü 111er, allen Stürmen standhaltender Juden, und vor allem die J!u g e n d zu er-, ziehen, das Heilige Land wieder •zum Siit.ze der Schee hi n o vorzubereiten, fordern sie auf!!Ob Agudas Jisroel die große Aufgabe gelungen ist? Wir weisen hin auf den zielbewußten Weg, den unsere Agudoj!ugend geht,*deren Menschen in leiden־• schäftlicher Hingabe und in heiligem Ernst mit dem’ Schicksal ringen, das der Sturm der Zeiten auf־ sie geworfen. Wir weisen ■hin auf unsere E r e z - J i s r o e 1- Arbeit, der unsere Besten ihre ganzen Kräfte, unsere Begabtesten ihr ganzes Leben verschrieben ׳haben. Im Norden, von wo die Dunkelheit über die. Munkatscher Rebbe זצ״ל Nach Redaktionsschluß ereilt uns die Trauerbotschaft aus Kaschau, daß dort der . bekannte Zaddik und Godau! Rabbi Chaim Eleasar Spira, Munkatscher Rebbe, verschieden ist. ״ Seit voriger Woche war hu Zustand des Leidenden eine weitere Verschlimmerung eingetreten. Die Schmerzen und das hochgradige Fieber hatten den Körper bedenklich geschwächt. In den letzten Tagen wurde Prof, Elfer aus Klausenkurg an das Krankenbett berufen; doch war alle ärztliche Kunst vergebens. Eine nähere Würdigung des Heimgegangenen, folgt חגצג׳ה AUS Othmar Schiff Wien l( Kärntnerring 6 י Telephon U־0־43־t6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.