Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 17 (30.4.1937)
- Date
- 1937-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nolflflove povolene fiadlt p»St & telegrafov v Bfatisiave Cis. 4157240*20 V. b. b Uni70r9itat8biTjlioth*fc!.Universität | ac. ...... , ״ Journal. exp£dl6 p&t T*6di't£t1f 30DI8CH6 nncfififi fß H B Bf M TB t m WiLN* BRATISLAVA * 3Ö. APRIL 193? י״ט אייר תרצ״ז 23. Jahrgang / Nummer 17 Redaktion and Administration: Wien, II.» Mäfeg. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei;? Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö SO, Jugoslawien Binar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr; D-93.614,.Brünn Nr. 126.Q58, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr.. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. 0RGRR FÜR DIG IRTGRESSefl D6S ORTHODOHGn JUDEnTUmS Lehren der Sef1ro«Tage Die Sefiro-Wochen dienen jedem religionstreuen Juden als Rüstezeit zum heiligen Schwuosfeste, das uns an den Tag der Offenbarung erinnern soll. Es sind dies Tage, in denen jeder pflichtbeseelte Bar Jisroel bestrebt ist, sich aus der Alltagsatmosphäre des Irdischen pu erheben, um .dem erhabenen Tag des Matan-Thora gebührend vorbereitet entgegengehen zu können. Die Sefiro-Wochen sind aber auch Tage der tiefen Trauer des jüdischen Volkes über den Verlust von vierundzwanzigtausend Schülern des heiligen Rabbi Akiba, die, wie unsere'Weisen berichten, in der Zeit zwischen Pessach und Schwuos durch eine verheerende Seuche dem Leben entrissen wurden. Diese zwei Momente, die den Sefiro-Tagen eine solch eminente Bedeutung verleihen, sind nicht bloß durch ihr zeitliches Zusammentreffen, sondern auch ideell miteinander verbunden. Es ist eine genügend bekannte, aber, um so weniger gewürdigte Wahrheit, daß der allgemeine Hang der Mensehen zu Uneinigkeit und Zwietracht besonders geeignet ist, die Grundfesten jüdischen Seins zu erschüttern, wofür die bewegte jüdische Geschichte die traurigsten Beispiele zu liefern vermag. Die von Zeit zu Zeit entfachten aufreibenden Innenkämpfe im jüdischen Lager haben oft die glänzendsten geistigen Denkmäler früherer Generationen niedergerissen und blühendes jüdisches Leben in Ruinen verwandelt. ׳ Besonders sind aber diese ungesunden Erscheinengen dazu angetan, den Aufstieg und die geradlinige Ent-; faltung des Thorawesens zu unterbinden. Und am schädliebsten wirken sich in dieser Beziehung^jMe Zersplitterungsbestrebungen .aus, dis sich innerhaih.;kl^?ü1ge3ihnter,.״ religiöser kreise geltend machen'.' Diese Selbstzerklüftungen, die jeder objektiven Grundlage entbehren und von rein subjektiven Momenten impulsiert sind, haben immer den Niedergang echt jüdischen Lebens herauf beschworen. Und daß geschlossene Einheit unerläßliche Vorbedingung ist für Bestand und Entwicklung unserer heiligen Thora' im Volk, das geht unzweideutig aus den Worten der Ohachomim hervor. Im. Midrasch (P. Zav) heißt es: ״Die Tragweite der Einheit ist daraus zu ersehen: Das jüdische Volk zog in der Wüste von Station zu Station in unausgesetztem innerem Gezanke, als aber, vor dem Berg Sinai angelangt, endlich Friede in sein Lager eingezogen war, da sagte Haschern: Nun ist die Stunde da, daß ich meinen Kindern die Thora geben kann.“ Aus diesen Worten des Midrasch erhellt klar, daß das jüdische Volk nur deswegen von Haschern als würdig befunden ■wurde, die göttliche Offenbarung von . Matan-Thora zu erleben, weil damals Einigkeit und Harmonie in seiner Mitte herrschten, womit die wichtigste Voraussetzung für restlose Thoraverwirklichung gegeben war und das jüdische Volk den Beweis dafür erbracht hatte, daß es würdig und prädestiniert ist, Träger der g-ttlichen Lehre zu werden. Und da — wie es in Jewomaus 62 heißt — nur die Feindseligkeiten unter den TalmidimT des!R. Aikiba ihre Todestrafe heraufbeschworen haben, dürfte es kein Zufall gewesen sein, daß ihr trauriges Schicksal sie gerade in diesen Tagen ereilte, weil eben in dieser Vorbereitungs- und Rüstezeit ,des jüdischen Volkes zum großen Tag des Matan-Thora die zersetzende Wirkung der inneren Spaltungen am deutlichsten zutage getreten ist. Es sollte damit ein warnendes Exempel statuiert werden, daß das jüdische Volk, die Gefahr der Zersplitterung erkennend, all seine Kräfte daransetze, ein Einheitslager zu schaffen, damit es nicht Seines Lebenselementes, der Thora, verlustig werde. Mehr denn je bedarf die auf dem Boden der Thora stehende' religiöse Judenheit in der Gegenwart einer geschlossenen Einheit, um die Erhaltung der Thorawerte im jüdischen Lager zu sichern. Analog jenem erhabenen Momente des Ma'amad-Har-Chorew, sollen wir uns auch heute bestreben, die künstlich aufgerichteten Scheidewände zwischen religiösen Gruppen niederzureißen und uns unter gemeinsamer Thorafahne in einem Religiösen Lager zu finden, damit wir mindestens in diesem einen Punkte als würdige Nachfahren jener großen Generation das Schwuosfest feiern und unser Heiligstes, die Thora, in Empfang nehmen!können. David Lissauer. Autofahrichule ,Atlashof' I, Franz-Josephs-Kai 3, Wiesingerstraße 9 H __Teilzahlungen! J! Zum 1. Mai Der Tag, der den Wonnemond einleitet, ist zum Tag des neuen Oesterreich bestimmt worden. Das ist nicht blinder Zufall! Denn mit Vorbedacht soll dien* Feier des wiedererstandenen Vaterlandes als Folie die! prangende Natur dienen, mit ' ihren verheißungsvollen Kräften, mit ihrem belebenden Hoffnungsglück. Wohl.gibt es noch vereinzelte Regenschauer und leichte Kältewellen. Doch der rauhe Winter ist. endgültig vorbei und alle Zeichen deuten jetzt auf Entf alten, Gedeihen und Blühen. Die Juden in* Oesterreich waren unter den Ersten, die beim Weckruf des Kanzlers: Dollfuß aufliorchten. Die ernsten und einsichtigen Kreise, unter ihnen haben sich im Parteienstaat eigentlich nie» Wohl gefühlt. Denn in ihm erhob auch der volkentzweiende Antisemitismus Anspruch aulf Daseinsberechtigung und Anerkennung. Um so freudiger begrüßten sie die Mai-Verfassung, deren oberstes Prinzip das Moment der Einigkeit bildete, die die politische Willensbildung eben nicht einer ״Partei“ (pars heißt Teil!), sondern der ,,Front“ aller Vaterländischen als dem Bild der äußersten Geschlossenheit vorbehielt. Sie sahen darin! ebenso eine Garantie für die Unantastbarkeit ihrer bürgerliehen Stell u n g, wie ihnen durch die Magna Charta des neuen Oesterreich, die in ihrer Präambel dem re'ligiösen Gedanken an sich die Reverenz erweist, die unerläßliche Ehrfurcht vor der Mutter aller Religionen gewährleistet• erschien. Die österreichische Judenschaft״kann es aber.sich und den verantwortlichen Stelleii^nicht' verhehlen, daß sie bis zu einem, gewissen Grade in ihren Erwartungen enttäuscht ist. Unberufene Elemente drängen sich zwischen den Staat und seine jüdischen Angehörigen. Aus dem beinachbarten Ausland bezogenes Gift wird gegen uns in Unmenge verspritzt, nach dem alten, infamen Rezept, daß etwas doch hängen bleiben müsse. Und diese Spekulation ist leider nicht falsch! Zur Verwunderung aller Unvernebelten wetteifert gar manches katholische Blatt und gar mancher katholische Redner in Judenhetze mit den hiesigen Ablegern des modernen Heidentums. Ja, bis in die Reihen der Vaterländischen Front ist die Schlammflut gedrungen! Werden wir im judenlosen Vorarlberg als ״Gefahr“ hingestellt, so belegt man uns in der judenreichen Leopoldstadt mit Bezeichnungen, die kaum noch an die ״Gasse“, sondern vielmehr schon an die Gosse appellieren. Zweck dieser!Campagne ist es vor allem, die Juden vom Weg der Dollfußstraße abzudrängen, damit zuletzt der Schein des Rechtes gegen sie ist. Und darum weiden wir uns erst recht nicht beirren lassen! Schließlich bricht sich im vaterlandstreuen Lager die Er-: kenntnis immer mehr Bahn, daß unsere Feinde auch die Feinde der/Heimat sind. Schließlich wissen die, auf die cs ankommt, daß der Kampf gegen die Juden! — um ein Wort des Bundeskanzlers zu gebrauchen — getarnte ״Minierarbeit gegen das in den Herzen seiner Bevölkerung unerschütterlich verankerte Oesterreich“ ist. Schließlich hat gerade in diesen Tagen der Führer des Staates jede Möglichkeit einer Koalition — personeller oder geistiger Art — klar und eindeutig ausgeschlossen. ״E s gibt für uns nur die Vaterländische Front“, hat er erklärt, die Vaterländische Front, deren erstes Pflichtgebot cs ist, über der großen Idee ״Oesterreich“ alles Trennende beiseitezustellen. In diese/m Sinne wollen wir auch den Ta.g des österreichischen Frühlings begehen, vom hoffruingsfreudigen Gedanken beseelt, daß doch jeder Frühling endlich zum Sommer führt. Die Zahnpasta! Dlendend misse Um die Zukimft des Nationalheims Der ״Israelit“ veröffentlicht an leitender ■Stelle seiner vorwöchigen; Ausgabe eine Zuschrift, die wir ihres bedeutungsvollen Inhalts wegen hier zum Abdruck bringen, ohne vorerst selbst zu der aufgeworfenen Frage Stellung zu nehmen: Sie haben in Ihrer letzten Nummer mit Recht zur Zurückhaltung gegenüber den umlaufenden Gerüchten über die Vorschläge der Peel-Kommission gemahnt. In der Tat würde selbst die Tatsache, daß die Kommission Vorschläge der angeführten Tendenz ventiliert, noch nichts für!ihre Annahme durch die Kommissionsmehrheit, und erst recht nicht durch das!britische Kabinett 'besagen. Trotzdem: wo Raueh ■ist, ist (Feuer. Man ■würde die jetzt seit? vier Wochen von der arabischen und jüdischen ()Öffentlichkeit eifrig erörterten ״Teilungspläne“ längst energisch dementiert haben, läge ihnen nicht ein Kern von Realität zugrunde־ Das ■thoratreue Judentum kann sich daher der Stellungnahme nicht entziehen, Nun ist dem ■Schreiber dieser Zeilen völlig unbekannt, Ob die Leitung der agudistischen Weltorganisation irgend etwas unternommen hat, um die berufenen Instanzen in London und Genf über die Stellung der Orthodoxie zu unterrichten, oder ob man die Taktik verfolgt — was begreiflich wäre —, die Verantwortung einer frühzeitigen Festlegung lieber der Jewish Agency zu überlassen. ' Auf alle •Fälle scheint mir eine!private Meinungsäußerung zur Anbahnung einer inneragudistischen Diskussion ungefährlich und nützlich zu sein. In einem Punkte dürfte der ״Teilungs“-Gedanke auf alle Fäll# eine entscheidende Wirkung ausüben — er macht dem :bisherigen Fortwursteln durch abwechselnde Konzessionen an Juden und Araber, der seit 20 Jahren praktizierten Politik ■des Nichtstuns ein Ende. ' ״ •Die Regierung ■der Mandatarmacht wird sich, auch wenn sie das Teilungs- oder das Kantonisier.ungsprojekt, verwirft, der ׳Herausarbeitung anderer konstruktiver Vorschläge nicht entziehen können. Man wird einen kühnen Entschluß endlich fassen müssen. Die vorgeschlagene Schaffung eines jüdischbritischen Korridors von Europa und Afrika nach Asien, in Form eines schmalen!Streifens an der Westküste von Palästina, hat für die Mändatarmacht unstreitig etwas! Verlockendes, während für die politischen Zionisten — so kalkuliert man — die Aussicht auf einen ״souveränen“ jüdischen Miniaturstaat mit ׳Herbert Samuel als ׳Präsidenten, Weizmann als Ministerpräsidenten und dem ganzen Apparat von Gesandtschaften, Konsulaten und Völkerbundsitz zweifellos einen gewaltigen geschichtlichen Triumph, zugleich ־ aber die restlose Einlösung des Balfour-Versprechens bedeuten würde, Man hat ja geflissentlich niemals Palästina a 1 s Nationalheim, sondern immer nur ein Nationalheim in Palästina versprochen. Da habt ihr es! Die starke Opposition, die der Vorschlag bisher im zionistischen Lager fand, besagt noch nichts über: den endgültigen Gang der Entwicklung. Die positiv eingestellten zionistischen (Kreise schweigen eben zunächst. Was aber soll die Orthodoxie tun? - Für sie bedeutet der ״souveräne“ Dubdez-Randstaat nicht nur keinerlei positiven, wirtschaftlichen oder politischen! Gewinn, sondern den größten Chili ul Haschern, den das Golus ■bisher gebracht hat, die Entweihung des heiligen jüdischen 1Staatsgedankens durch das Zerrbild eines weihelosen, vom Thoragesetz emanzipierten, quasi —׳ jüdischen Gemeinwesens! Die Ab* trennung Jerusalems von diesem sogenannten jüdischen Staat wäre zwar noch ein schwacher Trost, weil dann Die OtJiinar-Scliifif-Perücke Perücken- GroBerzeugung preiswerte ^tt»litätsarbe!t Wien I, Kärntnerring Telephon u-43-0-16 ■V